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| 60r17. füllt hätten. Die Rükkehr war wie jede Rükkehr
nach Marseille (da man 2 St. lang zwischen Gartenmauern
gehen muß) sehr langweilig. Ein großes Geschrei spannte
unsere Aufmerksamkeit. Eine vornehme Frau vom Lande war
mit ihrem Esel gestürzt. Knechte u Mägde, die sie begleiteten,
schlugen unbarmherzig auf den Esel, der unempfindlich gegen
den Schmerz von einer Distel fraß, die im Kothe lag[.]
e(?) über den ursprünglichen Text geschriebenErst als die Distel verzehrt war, gefiel es dem Esel auf-
zustehen und nun ging es in vollem Gallop weiter. Als
wir in unser Wirtshaus kamen empfing uns Sk. mit bösen
Nachrichten: Es war ein Brief von dem Cap. des bâtiment
marchand an Sk. angekom̅en. Dieser Brief meldete, daß der Sturm
die Fregatte schon seit 1½ Monathen nördlich von Holland  Unleserliche Stelle [...]
von ihm getrennt habe, daß er nichts von ihrem Schiksal
wisse u daß er indem er schon 20 Tage warte, nach noch
14 Tagen allein seinen Weg nach Alger antreten wolle.
Zugleich hatte Busnak Briefe von Alger welche meldeten
daß die Pest welche in Oran und Tremeshend gar nicht auf-
gehört, jezt schon in Alger selbst wüthe. Also vielleicht
vor dem Frühjahr keine Fregatte, jezt schon Pest u über-
all Nachrichten von heftigsten Verfolgungen im Orient, von ei-
nem Mistrauen gegen alle Fremden …. Diese Betrachtung[en]
erregten die heftigsten Seelenbewegungen am 14t[en] und 15[.] Frim .
Der Weg nach der Levante[,] besonders der nach Egypten war
versperrt, die schönsten u lezten Blüthenmonathe Jan.
Febr. und Merz vielleicht noch harrend in Marseille zuge-
bracht, dann 5 Monathe lang der Pest wegen eingesperrt,
unsicher selbst über die polit. Wendung der Algierer
Angelegenheiten — das alles brachte Entschlüsse zur Reife.
Aber Corsica, Spanien od. Tunis (dahin war allenfalls
Gelegenheit) das war die Frage …[.] Corsica schien, so reich
gewiß auch die Pflanzenbeute dort u in Sardinien ge-
wesen wäre, zu klein[,] zu isolirt, zu unmittelbar
nach Frankreich zurükführend. Spanien leuchtete am Abend
(14 Fr. ) B. u mir am meisten ein. Man kön̅e ein
herrliches Frühjahr in Valencia, Cadix zubringen, dort od.
in Lisbon Gelegenheit nach Teneriffa, nach Cap de b. esper. [,]
nach Brasilien … finden, man sei im Aug. selbst Afri-
ka
näher, man habe dann 6 Pestfreie Monathe vor sich.
Die Nacht brachte ich fast schlaflos zu. Es war doch so
schmerzhaft die schöne Hofnung[,] Europa zu verlassen wie-
der vereitelt zu sehen, ich glaubte nicht eher Ruhe
des Gemüths zu genießen, als bis diese Hofnung erfüllt
war; Gelegenheit nach Tunis sei wahrscheinlich noch da[,]
der Krieg sei nicht erklärt, ich könne Sk. vorangehen,
ihm über Constantine nachkom̅en, dort noch keine

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Zitierhinweis

Humboldt, Alexander von: De Paris à Toulon[,] 1798. [= Tagebuch der Frankreich-Reise], hg. v. Christian Thomas und David Blankenstein unter Mitarbeit von Ulrich Päßler, Florian Schnee und Annika Geiser. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 7 vom 07.09.2021. URL: https://edition-humboldt.de/v7/H0018407/60r


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