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Westen fortzupflanzen, könnte dieser Eifer Euch gleich verleiten, wollte der weltliche Arm Euch nur (wie ehemals) zu Gebote stehen, gewaltsam aufzudrängen, was die Ueberredung nicht anzurathen vermag — so bleibt Euch doch das Verdienst, kräftiger, wirksamer und glüklicher als irgend eine andre Menschenklasse an dem großen Werk der Völkerbildung gearbeitet zu haben. Ihr am Rhein, an der Mosel und an der Elbe, die ihr vergeßt, daß Mönche einst Eure Hügel mit Weinreben bepflanzten, daß Mönche Eure Ahnherren von Jägern zu Akkerbauern umschufen, lernt am Ufer des Oronoco, des Río negro und Maragons, was Mönchseifer vermag. In einem Raum von mehr als  Geographische Quadratmeile: Flächenmaß, 120.000 Geographische Quadratmeile entsprechen 6.607.560,00 km2120000 □ Meilen haben Aragonische und Katalonische Kapuciner, ohne Geld und physische Kräfte, aber mit herkulischem Willen und ausharrendem Eifer, unter vielen tausend Indianern den Grund zu geselligen Verbindungen gelegt. Sie haben den Menschen zum Zusammenwohnen veranlaßt, ihn festere und bequemere Wohnungen bauen, Stoffe zur Kleidung bereiten, nuzbare Gewächse pflanzen gelehrt. Sie haben ihm Bedürfnisse erregt, die er schwer zu befriedigen weiß, sie haben ihm Sorgen für die Zukunft erregt, die seine Kräfte spannen. Sie haben ein Werk gegründet, dessen Folgen für diese Hämisphäre nicht zu berechnen sind, ein Werk, das dauerhafter als ihre Lehre sein, ja in der langen Folge der Jahrhunderte (in so fern alle Menschenbildung nur durch Zusammenwohnen bewirkt und veranlaßt ist) Veränderungen hervorbringen wird, welche diese Lehre selbst, und diese Ahndungen vernichten. So haben religiöse Ideen, immer aus dem Orient, aber auf verschiedenen Wegen, zweimal den Zustand des neuen Continents verändert. Den Persischen Sonnen- und Feuerdienst brachten die Incas an das westliche Ufer, und als Priester-Könige gründeten sie dort Akkerbau und geselliges Leben. Die Sagen der Hebräer, durch Griechische Philosophen am Nyl umgeschmolzen, kommen auf den langen Umwegen durch Europa und Nordafrika an die östliche Küste. Physisches Be Anmerkung des Autors (am linken Rand) Wo Wasser und Sonnenstärke sich vereinigen da ist üppiger Pflanzenwuchs, was auch immer der Boden für Beschaffenheit hat. Die afrikanische Küste ist berühmt wegen Nacktheit und Krüppligkeit der Pflanzen und um Ceuta und Oran, wo   Kommentar Ulrich Päßler
Möglicherweise im Sinne von maurisch, span. moros.

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Morischer
Fleiß Bergwasser künstlich herbeigeleitet, das herrlichste Gemüse in der Welt. Nirgends größere Zwiebeln, Blumenkohl …
Anmerkung des Autors (am linken Rand)

  Kommentar Carmen Götz
Cashewbaum; vgl. Linné/Gmelin 1788–1793, II.1, 652 (Anacardium occidentale). Die dargestellte ätzende Wirkung wird vor allem der in Südostasien beheimateten Malakkanuss (Anacardium orientale, Semecarpus anacardium) zugeschrieben.

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Anacardium.

Man bindet sich Saamen des Merci(?) als   Kommentar Ulrike Leitner
Ätzendes Heilmittel.

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causticum
auf Arm, bildet eine fontanelle und eben dieser Saamen gebraten, ist unschuldige Speise, einer Castanie ähnlich. Anmerkung des Autors (am linken Rand)

  Kommentar Carmen Götz
Brotfruchtbaum; vgl. Linné/Gmelin 1788–1793, II.1, 14.

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Artocarpus.

durch Trinidad jezt schon sehr an hiesiger Küste verbreitet. Giebt viele viele Früchte in Guayana (wo Hacienda de Doña Juana Bonaldi an 400 Stämme) und Chorony in hacienda de Don Manuel Allaja auch Stämme in Caraccas, Cumaná … So durch Engländer dies und Otaheitisches Zukkerrohr verbreitet! Und Spanier in Peru an der Südsee von allem dem nichts. Die   Kommentar Ulrike Leitner
Der spanische Südseefahrer Domingo de Bonechea reiste mit der Fregatte El Águila 1772 nach Tahiti (Otaheiti) zur Errichtung einer spanischen Kolonie und erneut 1784 zur Christianisierung.

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fregatte Águila
war so lange in Otahaiti und brachte von dem allem nichts nach Lima zurük!!

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Zitierhinweis

Humboldt, Alexander von: Voyage d’Espagne aux Canaries et à Cumaná Obs. astron. de Juin à Oct. 1799 [= Tagebücher der Amerikanischen Reise I], hg. v. Carmen Götz und Ulrike Leitner unter Mitarbeit von Sandra Balck, Linda Kirsten, Ulrich Päßler, Eberhard Knobloch, Oliver Schwarz, Laurence Barbasetti und Regina Mikosch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 11.05.2022. URL: https://edition-humboldt.de/v8/H0016412


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