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Donnerstag.

Anmerkung des Autors (am oberen Rand)Sollte sich vielleicht die Zeit, welche die
Frau Herzogin bestimmet hat, ändern
so wollte ich Ihnen doch wissen lassen,
daß ich Sonnabends um 12 – 2 Uhr
mein Collegium lese.
Innig verehrter Herr Baron

Die große Ehre welche Sie meinem
Hause ankündigen(?) überrascht mich
und erfreut mich. Sie haben also mei-
ne im wissenschaftlichen und persönlich[en]
Sinne wohlgemeinte öffentliche Äuße-
rung über die Anhaldtia der Frau
Herzogin schon mitgetheilt und wenn
es nicht aus so garstigen Fröschen erwüchse(?),
wäre mir solche Anerkennung der eig-
nen Berufung so einflußvoller Namen
gewiß nur wünschenswerth und gerecht.
Die Literatur über die Pflanze verhält sich
so. Persoon nannte sie zuerst 1788 in Gmelins
| 1v Systema Naturae T. II. 2. p. 1446. Tremella
meteorica (alba). Lamouroux nannte
sie 1813 Alcyonidium Nostoc indem er
sie mit Nostoc commune verwechselte.
Anmerkung des Autors (am linken Rand)Lyngbye nannte
sie 1819 Nostoc
commune ß(?) carneum.

Meyen beschrieb sie darauf  über der Zeile1827 in der Linnaea,
ohne Kenntniß seiner Vorgänger, als
neue Pilzgattung unter den Namen
Actinomyce florxelii(?) (Strahlenpilz).
Zuletzt hat sie nun Herr Schwab (mit
Ihrer und meiner Auctorität) Anhald-
tia Fridericae genannt. Aus dem
Syrup(?) welchen er hierhersendete war
nichts mit Sicherheit zu erkennen.
Nun ist der Name Tremella bey
den Pilzen verbraucht, der Name Alcyoni-
dium bezieht sich überdieß auf ein See-
thier von Müller und gehört diesem.
Der Name Actinomyce, Strahlenpilz,
paßt nicht auf eine Alge. Folglich bleibt
der Name Anhaldtia für die Gattung,
wenn man nicht die Alge Strahlenpilz
nennen will.
Was nun den Special Namen anlangt
| 2r so ist der älteste vielleicht Coeliflos der
aber das Nostoc commune mit einbegreift,
dann ein Persooni meteorica (alba). Mit-
hin wäre der wissenschaftlich richtige
Name Anhaldtia meteorica (alba).
Vertheidigen ließe sich Anhaldtia loeli-
flor oder Anhaldtia alba, aber
Anhaldtia Fridericae werden die
Ausländer(?) nicht durchlassen, die Zeit
jedenfalls nicht.
Leider habe ich keine lebenden Exem-
plare mehr,  über der Zeileich werde aber sogleich im Tier(?)-
garten nachsuchen, um noch ein Exem-
plar von meiner Pflanzung zu finden.
Schöne Infusorien giebt es jezt in
Menge Au
Audonin und Edwards sind gegen mich
ungerecht. Sie erklärten 1828 die Flustren
für Ascidien. Ich habe ihre Ubereinstimmung(?)
mit den Moosthieren (Halcyonella) nach-
gewiesen, die sie nun bestätigen, ohne aber
diese Nachweisung anders als beiläufig zu
gedenken.
In der nächsten Woche hoffe ich Ihnen
meine ausführlichere Abhandlung über
| 2v das Nervengebilde, Seelenorgan,
deren lezten Bogen ich corrigiere,
zu überreichen. Ich erfahre manchen
Widerspruch, habe aber schon viele Stim-
men für mich und besonder solche
auf die ich etwas gebe. In Frankreich
ist man kalt für all die Dinge welche
mich warm machen.
Langsam schreitet auch die Anerken-
nung der Infusorien - Structur(?) vor-
wärts, wie sie aus den Beilagen
erfolgen. Dr. Warneck sieht seine
Zeichnungen nach dir Verhältniss gerecht
so wie ich, Dr. Focke auch. Lezterer
hat das Leuchtthierchen bey Venedig beob-
achtet und hält es auch für dasselbe
Räderthier welches bey Kiel leuchtet, näm-
lich Synchaeta baltica. Seine Zeichnung
paßt zur Gattung, aber nicht ganz zur
Art.

In herzlicher Verehrung Ihr
Ehrenberg

Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. Donnerstag. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 4 vom 27.05.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v4/H0017990


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