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Sonnabends

Meine Einbildungskraft, mein
Verehrtester, ist noch ganz
erfüllt mit den üppigen
Formen der Tropenwelt, wel-
che Ihre geistreichen Zeich-
nungen so herrlich und wahr
darstellen. Ich stehe auf
dem Punkt mit Herrn Prof
Kunth, in gross folio, eine neue
Auflage meiner Géographie des
Plantes
mit 20 Kupfern heraus-
zugeben. Für das Kapitel
Physiognomik der Gewächse,
welches Sie vielleicht schon aus
meinen Ansichten der Natur
kennen, wünschten wir wenn
auch nur drei Platten, eine
Palme, ein baumartiges Farrenkraut[,]
eine Banane, geben zu können. | 1v Sie allein scheinen mir, der
ich 6 Jahr unter diesen
Formen gelebt, den wahren
Character meisterhaft aufge-
fasst zu haben. Ich denke
dass bei der Fülle der Sachen
die Sie besizen Ihr neues
Werk in dem Sie Pflanzen
zusammengruppiren, nicht
leiden kann, wenn Sie uns
vorher 2–3 isolirte Bäume
für unser Prachtwerk cedirten.
Ihren Namen wird es mir
eine Freude sein zu ver-
herrlichen; das Publikum wird
aufmerksam auf Sie und Ihre
bald zu publicirenden grösseren
Arbeiten. Ich wünsche nicht
unbescheiden Wald od Landschaft[,]
bloss einzelne Formen von einer
Palme, einem Farrenkraut, | 2r einer Mimose[.] Die Zeich
nungen[,] über deren Grösse
wir hier übereinkämen,
sendeten Sie uns vergrössert
von München aus durch
unseren verehrten Freund
Graf Bray. Der Stich
au burin wird hier von
den ersten Künstlern
besorgt, alles so dass Ihre
Arbeit auf ehrenvolle Weise
in das englische und fran-
zösische Publikum kommt[.]
Ich denke dass dies alles
da meine Werke viel ge-
kauft werden, Ihren zu
publicirenden Arbeiten nüzlich
sein wird. Ich würde den
Titel dieser Ihrer Arbeit
welche Sie in Rom vollenden
wollen, in einer Note ankündigen. | 2v Mein Buchhändler wird Ihnen
jede der Zeichnungen die Sie
uns liefern auf eine sehr an-
ständige Weise von Ihnen Selbst zu
bestimmende Weise vergüten.
Dies kann[,] sollte vorschussweise
jezt geschehen. Prof Kunth
wird von Ihren Wünschen
mich unterrichten. Ich fürchte[,]
Sie sind Ihrer Abreise nahe[.]
Wollten Sie uns noch heute
Ihre grösseren Landschaften
senden und könnten wir die
Freude haben Sie morgen
Sonntags um 9 Uhr früh
bei uns zu sehen mit dem ganzen
portefeuille zur Auswahl.

Mein Vorschlag kann Ihnen
unbescheiden erscheinen. Als
americanischer Reisender behandle
ich Sie, mein Verehrtester, wie
einen Collegen. Ich bitte Sie meine
Bitte recht offen abzulehnen
wenn Sie glauben dass sie im
geringsten Ihren weiteren und
für Sie wichtigeren Plänen hinderlich
sein könnte.

Ihr
gehorsamster Humboldt

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Suggested citation

Alexander von Humboldt an Johann Moritz Rugendas. [Paris], Sonnabend, [22. Oktober 1825], ed. by Ulrich Päßler in collaboration with Lisa Poggel and Florian Schnee. In: edition humboldt digital, ed. by Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 6 of 13.10.2020. URL: https://edition-humboldt.de/v6/H0017851


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