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Ich bin ganz betrübt, mein
theurer hoch Verehrter Ehrenberg,
Sie, den ich für den ersten
tief unterrichtesten der lebenden
Naturforscher gegenwärtig halte
so thöricht, ich sage nicht
lieblos, aber roh gehezt zu
sehen. Wer kann mehr als
ich, der ich 20 Jahre an der
  Humboldt/Bonpland 1815-1832
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Herausgabe
kaue, 1200 Platten
fertig habe und doch noch
einen sündigen Rükstand habe,
ja den Buchhändler wegen
Verzug, einen lächerlichen Process
fürchtend, seit unserer Russischen
Reise 10,000 Francen (sic) Ent-
schädigung zahle, Ihre Lage
fühlen und Sie stehen allein
ich hatte Bonpland und den
mit grenzenloser Thätigkeit und
Vollendungs-Geschik begabten
Kunth als Mitarbeiter. Gewöhnen
Sie Sich, mein guter Ehrenberg,
was von den nebligen Regionen
der Schöneberger Geisterwelt
| 1vSie anweht als ungesagt
zu betrachten. Der alte
Mann hat kratzend das
selbst abgefasst, höhere
Organisation für tiefere
schreiben lassen u geglaubt
einen gar pfiffigen Mi
nisterial Streich zu
spielen, wenn er Ihnen
500 t. wie einen Kampf
preis vorhielte! Ich
billige Ihre Antwort sehr,
mit diesen Menschen
die Ihnen bis in das
Dintenfass sehen, und
alles controlliren wollen
müssen Sie immer ganz
laconisch sein, nichts
bestimmt versprechen,
höflich aber hinhaltend
antworten: sondern werden
Sie Ihnen immer lästiger
werden. Arbeiten Sie (ich
beschwöre Sie) wie Sie
nicht wie jene wollen[.]
Ihnen liegt ein wichtigerer
Zwek bevor, den Sie
schon grossentheils und aner
kannt (Frankr.[,] England)
| 2rerrungen haben, ein durch
Jahrhunderte dauernder
Ruhm. Hr v Alt. hat
mich vor einer Woche
um einen Dienst ersuchen
lassen, den ich ihm zu
leisten hoffe. Das wird
mir Gelegenheit geben,
mich thätig für Sie zu
bezeigen, ihm begreiflich
zu machen wie man einem
so edlen, gemüthlichen
Manne, als Sie, nicht die
gute Laune verkümmern muss
wie er Ihnen gleich jezt
die 500 T geben soll,
eben um Ihnen Mittel zu
schaffen, früher zu vollen-
den. Erlauben Sie dass
ich morgen Mittwochs vor
10 Uhr Sie besuche. Die
wissenschaftlichen Zugaben
Ihres etwas trüben Briefes
besonders Tot u Pachos’ Hir
sche sprachen mir sehr
an. Wie können Sie glauben
dass ich über Sibirien
zürne. Auch zu dieser Arbeit
einer Abh. über geogr. Verhält
nisse des Organismus, wird
sich einst in Ihrem reichen Leben
Raum finden.

Al Humboldt

Dienstags

Der schnelle Tod des jungen Jarkow
von dem ich noch nichts gehört ist
ja schauderhaft[.] Er war ziemlich leer
von gründlichem Wissen: Seine
Reise wäre gewiss sehr unnüz gewesen
aber er hatte eine liebenswürdige
Lebendigkeit.

Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. [Berlin], [1838] , hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016629


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