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Sr Wohlgeboren
dem Herrn Professor Ehrenberg
in
Berlin
Friedrichsstraße n 94

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Ich erhalte erst heute, mein theurester Freund und College
Ihr freundliches Lebenszeichen vom 12 ten Aug. mit einigen
Exemplaren Ihrer   Ehrenberg 1836a
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philosophischen Uebersicht der organi
schen Natur
. Solcher Schematismus wird von grosser
Wichtigkeit wenn die Anordnung von einem Manne
ausgeht der mehr, als ein jezt Lebender, von der Natur
gesehen und gedacht hat. Die Festsezung des Typus, so
bestimmt u. geistreich hat mir sehr gefallen da
er wirklich in der ganzen Tabelle durchgeführt ist[.]
Am wichtigsten ist aber freilich das Reich der
Gefässthiere den Herzthieren entgegensezt [sic] und der
übersehene Character nicht pulsirender Gefässe. Ein
Buch könnte man Ihnen darüber schreiben od. viel
mehr von Ihnen darüber erwarten. Wenn Sie doch
bald es über sich gewinnen könnten einen kleinen
Comentar zu geben. Ich werde alles zur Verbreitung
beitragen, beim Institut, bei Edward, und Brogniart[.]
Ich habe für Valenciennes einen Theil übersezt. Das
Ganze wird es gewiss bald werden. Verzeihen Sie es
meiner bedrängten hiesigen Lage, theurer liebenswürdiger
Freund, dass ich so flüchtig schreibe[.] Die etwas
lange Seereise hat mir sehr wohl gethan. Ich habe
ein kleines Zimmer auf der Bibliothek des Instituts
wo ich mich vor dem Andrange schüze und von 8h
an morgens einschliesse. Im Ganzen (im Vergleich
mit 1829) ist viel wissenschaftliche Stagnation
hier. Eine matte Politik und Oppositions Geschwäzigkeit
hindern viel[.] Die neuen Treibhäuser im J. des Plantes
sind prächtig, aber die Dampfheizung ist schlecht
gelungen. Die neue Galerie des Museums ist ein
plumpes Festungswerk. Berzelius war lange hier, fast
immer unfreundlich, Carus hat sehr gefallen. Wie
| 2rwohlthätig würden Sie den hiesigen Sumpf
aufregen bei der hohen Achtung die man
allgemein für Sie hat, wenn Sie sich endlich
einmal entschliessen könnten wenn auch nur
auf 3 Wochen nach Paris zu gehen. Im Sommer
ist die Reise über Havre so schnell und wohl
feil[.] Empfehlen Sie mich Ihrer liebenswürdigen
Gattin unserem Gustav, dem theuren Encke..

Mit alter FreundschaftIhr
AlHumboldt

Paris hôtel de Londres
Rue des Petites Augustins
den 17 Sept 1835

Sonderbar dass Carus in
den Hildb. Fusstritten
doch einen Saurier, Riesen-
Salamander sehen will.
Er gründet sich auf den
flächigen Daumen der Frösche
die Ungleichheit ihrer Vorder
und Hinterfüsse, aber Saurier
sezen die Beine ja mehr
nach aussen. Der Gang des
räthselhaften Thieres fast
wie ein kreuzender Papaguey
(den Daumen immer vom Wege
abwärts gerichtet) ist
doch sehr sonderbar. Ich
glaube immer, es ist ein
Säugthier. Es ist sehr zu
wünschen dass unser gemein
schaftlicher Freund, Prof Weiss
recht bald die ganze bespurte
Steinplatte beschreibe.

Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. Paris, 17. September 1835, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016627


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