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Ich kann Ihnen, mein theurer College, nicht lebhaft genug in meinem und des Königs Namen danken für die Nachrichten über das räthselhafte Meteor. Ich beschwöre Sie die Sache des Protocolls noch am heutigen Tage zu beschleunigen. Es wäre ja eine ewige Schande wenn ein in das Universitätsgebäude niedergefallenes Meteor schon 3 Tage darauf unbeseitigte Zweifel erregte.

Zuerst die Frage ob die Idee eines Kunstproducts, die auch in Ihren Briefen, theurer Freund, hier und da auftauchte, stringent zu widerlegen ist. Wie kleben die Papierfragmente daran, wer hat sie untersucht? Was mich von der Möglichkeit eines Feuerwerkerproducts entfernt ist die starke Erleuchtung des Himmelsgewölbes und dass das Residuum eine erdige Steinmasse ist. Man muss Feuerwerker befragen. Am meisten ist zu inquiriren ob jemand eine Feuerkugel mit bestimmten Umrissen, Funken sprühend oder nicht sprühend gesehen? Ich höre nur immer von „Feuermasse“ von farbig | 1verleuchteten Himmelstheilen. Ist ausser dem Neffen des Kastellan Werker (ein junger Schriftsezer den ich nach London empfohlen und der mir ein 5/4 Zoll grosses Plättchen geschenkt und nach Potsdam brachte) jemand der eine leuchtende? Dampfsäule wie Opferfeuer hat über dem Brei aufsteigen sehen. Wer hat die Masse noch warm gefühlt? Mit jedem Tage an dem man wartet, wird alles dunkler unbestimmter werden. Ueber die Schildwache bei des Prinzen von Preussen Palais und Opernhaus Wache, wäre es ganz einfach und sicher an den Commandanten Baron von Thümen 3 Zeilen zu schreiben. Es ist ein sehr wissenschaftlicher Mann und er wird alle Wachen des Abends wo das Meteor fiel, befragen lassen. Am wichtigsten scheint mir die Aufforderung in Zeitungen und Bitte in den nächsten 8 Tagen bei dem Kastellan der Universität schriftlich Antwort abzugeben, ob man eine sich bewegende fortschreitende Gestalt mit bestimmten Umrissen, ja wäre es auch nur einen sich bewegenden Feuerklumpen gesehen.

Ihre Entdekkung von lebenden Infusorien und Pflanzenzellen ist bisher das Wichtigste. Sie leitet wie Sie sehr richtig sagen, Zweifel auf die Meinung es sei ein aus dem Magazin hoher Luftschichten herab | 2rgekommenes, durch electrische Prozesse entflammtes Convolut von Meteorstaub wie der über den Sie zuerst Licht verbreitet. Dann wäre das Phenomen von den Aerolithen (Taschenplaneten) ganz verschieden, ganz heimisch: die erdige deutlich poröse Masse (man sieht die Löcher entweichender Gasarten) wäre dann aus chemischer Zersezung der Kieselschalen, den pflanzenzellen entstanden. Ein solches Meteorstaubgewölk kann ¼ Kubikmeilen gross sein. Man hat mondartige Feuerkugeln gemessen von 2000–2500 Fuss Durchmesser. Uebergänge von Feuerkugeln in grosskernige Sternschnuppen sind oft beobachtet, dann wurde man geneigt, die Sternschnuppen auch für atmospherisch allein zu halten.

Im Widerspruch damit ist: dass man 4 Feuerkugeln mit bestimmten Umrissen kennt aus denen Steine gefallen sind (Kosmos I Seite 122), dass das Erscheinen der Sternschnuppenfeste an bestimmten Theilen der Erdbahn (November und August) und ihr Ausgehen von den Sternen her zu denen die Erde schreitet, die planetengleiche Schnelligkeit mit der die Feuerkugeln fort schreiten (3–4 Meilen in der Secunde). Ist es ein Aerolith der bloss durch eine Meteorstaubwolke durchgeschlagen ist?

Eben erhalte ich Ihren wichtigen Brief durch Herrn Berendt aus Danzig. Ist es darum bestimmt Kunstproduct weil es kohlensaures Strontian enthält, zur Färbung? von Feuerwerkern gebraucht? Glaubt Heinrich Rose also die ganze Sache sei nur Kunstproduct, aber an den Aerolithen sind ja auch 5 Erdarten. (Kosmos I Seite 135) Rammelsberg wird am sichersten wissen ob Strontian je darunter war, wäre es auch bisher nicht gefunden, ist es sonderbarer dass | 2vStrontianerde von anorganischerer kosmischer Masse sei, als Zinn und Kupfer. Durch eine beträchtliche Luftmasse muss das Ding geflogen sein um so viel Infusorien aufzunehmen.

Dank Dank und geben Sie das Nachfragen nicht auf, weil Strontian in Feuerwerken gebraucht wird. Ich schicke heute mein grosses Stück für die Sammlung an Weiss. Er möge meinen Grossmuth loben.

Ihr AHt

Potsdam Mittwochs

Bei dem König ist hier nichts, gar nichts berichtet worden.

Fahren Sie ja fort mir zu schreiben wenn Gründe mehr für den Glauben an Feuerwerker Produkt militeres aufgefunden werden.

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Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. Potsdam, [1845] , hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch und Linda Kirsten. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 7 vom 07.09.2021. URL: https://edition-humboldt.de/v7/H0016591


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