Achtung! Bei diesem Dokument handelt es sich um die archivierte Version 3 vom 14.09.2018.  Zur aktuellen Version 5 vom 11.09.2019

Ich habe heute erst Musse, mein theurer Freund und College, Ihre beiden liebevollen Briefe vom 24 u 27 Sept zu beantworten. Wie soll ich Ihnen genugsam danken für die reichliche Auskunft die Sie mir verschaft über alles was mir fehlte.
Ueber den Fluor der vorzüglich die Fischknochen charakterisirt könnte uns der vortrefliche Heinrich Rose wohl noch etwas schaffen, wenn er für die Jahre 1804 od 1805 die Namen Morechini u Gay Lussac in den sehr genauen Namensregistern der Annales de Chimie  Morveau/Lavoisier 1789-1815
 [Schließen]
  
aufsuchen wollte. Gay Lussac hat die Arbeit über das Fluor der Fischknochen in Rom gemacht als er mich dahin begleitete u nachher in Berlin war. Auch wäre Poisson zu suchen[.]
Was die Kieselerde betrift so interessirt mich die Frage noch immer woher die gepanzerten Infusorien des Oceans und die Fusi sie nehmen. In Forchhammers Analysen des Meerwassers  Forchhammer 1865
 [Schließen]
  
kommt troz der Behauptung von Bischof  Bischof 1826
 [Schließen]
  
nichts davon vor. Dazu würde aber auch immer Gefahr sein dass die Chemiker in dem analysirten Seewasser unbewusst lebende Infusorien mit analysirt haben. An der Existenz der Kieselerde im Meerwasser als urweltliche Beimischung wie des Fluors den die Corallen zeigen, zweifeln Sie u ich wohl nicht. Fragen Sie doch unseren Heinrich Rose wie er sich den Zusand [sic] der so schwer auflöslichen Kieselsäure im kalten Meerwasser denke, ob er Bischofs Behauptung in den etwas oberflächlichen Geol. Briefen   Bischof [1849]
 [Schließen]
  
Th I p 344 „dass Kieselsäure in allen Quellwassern enthalten sei “ für wahrscheinlich halte. Wie denke er sich den Zusand [sic] des Stoffes?
Ihr Manuscript Aufsaz über den Nuzen der chromat. Polarisation  Ehrenberg 1848b
 [Schließen]
  
hat mich sehr sehr interessirt. Ich denke er solle Eindruk auf Arago machen der in einer wörtlichen Uebersezung von Faye, des Uebersezers meines Kosmos   Humboldt 1845-1862
 [Schließen]
  
, gewiss das fachliche errathen wird. Mögen ihn die nahe Praesidentenwahl und die erwartete Ankunft des Stoknarren durch seinen Namen die Armee bethörenden Louis Bonaparte nicht abziehen. Unsere politischen Zustände sind um so trostloser, als keine Regierung begreift, sie müsse ungezwungen und lebendig sich constitutionnell zeigen. Dies Zaudern, diese Halbheit rauben den Regierungen alle Macht der Anarchie zu steuren. Man will dies nicht einsehen, so oft und frei und laut ich es sage!!
Ich arbeite, bin auch nicht eigentlich krank, aber recht leidend von Husten und colossalem Schnupfen. Ich kann  über der Zeilemuss daher die Eisenbahn aus Vorsicht noch meiden und kann der Akademie nicht beiwohnen. Leider kann ich den Brief von Retzius nicht auffinden!! Ich habe 1 Stunde danach gesucht. Zürnen Sie mir nicht.
Ich habe einen sehr langen, leider sehr unleserlichen meist geognostischen Brief von dem liebenswürdigen Hooker aus Dorjeeling im Himalaya 25 Juli. Er war in Nepaul u Boothan und meldet es sei eben zum ersten Male ein Schneeberg an der thibetischen Grenze in Sikim westlich von Bootan gemessen, der Kinchinjinga heisst und nächst dem Dhawalagiri der höchste Berg der Welt sei. Der Kinchinjinga (fragen Sie Bopp nach der Etymologie!) hat 28178 englische Fuss d. i 26433 pariser Fuss. Bisher gab man dem Djawahir 24156 Par Fuss den nächsten Rang nach dem Dhawalagiri. Der leztere war wie ich im 3ten Bande der Asie centrale  Humboldt 1843
 [Schließen]
  
gezeigt, nicht mit gehöriger Genauigkeit gemessen. Man schäzte ihn 26340 Par F.. Hooker meldet dass der Dhawalagiri jezt mit grosser Genauigkeit gemessen ist, er giebt leider! das Resultat nicht an, da der Berg aber höher als der neue Kinchinjinga gefunden worden ist, so muss der Dhawalagiri demnach die ältere Bestimmung von 26340 Par. Fuss noch übertreffen.
[Was ich Ihnen aber allein als einem theilnehmenden Freunde, ins Ohr sage ist folgendes. „Ihre Asie centrale  Humboldt 1843
 [Schließen]
  
, die Karte die Sie begleitet, Ihre Bestimmung der Schneehöhen, Ihre Unterscheidung der 2 Ketten des Himalaya und des Kuenlun, Ihre Ansicht von der Bolorkette als Meridiankette werden hier von allen die das Innere von Asien kennen, besonders von Hodgson, dem ältesten und tiefsten Kenner des tibetischen Hochlandes als das sicherste, vertrauenswürdigste gehalten, was über Asien erschienen ist, Ihre Karte wird allen bisherigen vorgezogen. In diesem kleinen Orte wo wir nur 30 Europaer sind, finden sich drei Exemplare von Sabines Uebersezung Ihres Zweiten Bandes des Kosmos  Humboldt 1847
 [Schließen]
  
. Ich erzähle Ihnen Thatsachen, ich schmeichle nicht.“]
Von Dr Junghuhn aus Java der bisher auf mich wüthete, weil er seine confusen Manuscriptsendungen an mich für verloren od zu meinem eigenen Gebrauch untergeschlagen glaubte habe ich nun reuige Briefe, da ich ihm bei dem General Gouverneur (Rochussen) 3 jährigen Urlaub und alle Reisekosten verschaft habe. Möge dieser Junghuhn Ihnen Infusorien bringen.

Verzeihen Sie die Länge dieses
Briefes. Mit alter Liebe u.
eigentlicher Verehrung
Ihr
AlHumboldt

Potsdam
d. 29 Sept
1848

Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. Potsdam, 29. September 1848, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 3 vom 14.09.2018. URL: https://edition-humboldt.de/v3/H0016589


Download

 Dieses Dokument als TEI-XML herunterladen

Kanonische URLDieser Link führt stets auf die aktuelle Version.

https://edition-humboldt.de/H0016589

Versionsgeschichte

Dieses Dokument liegt auch in älteren Versionen der edition humboldt digital vor. Die Versionen, die eine Änderung gegenüber der jeweiligen Vorgängerversion beinhalten, sind mit einem Punkt gekennzeichnet.