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Anmerkung des Empfängers (am oberen Rand) Ueber das merkwürdigste aller kieselschaligen Polygastren-Lager da von Fremont. Aehnlichkeit von (☉) Californien und Sibirien in Polygastren

Die besseren Aussichten meines Horizontes ermutigen mich zur Hoffnung, daß auch morgen ein Tag verständiger Wahlen seyn werde. Möge es bey Ihnen am weiteren Horizont auch so seyn. Vor allem mögen Sie gesund seyn.

Da Sie wohl des californischen Goldes halber auch manche Unruhe durch allseitige Fragen haben, so melde ich Ihnen das Curiosum, welches mich seit einiger Zeit beschäftigt hat.

Von Raumer brachte 1844 für | 1vmich einige Erden aus Nordamerrika mit, unter anderen einen von Dana am Columbia River im Oregon gefundenen Tripel. Im Februar 1845 (vor 4 Jahren) theilte ich der Akademie mit, daß dieses Infusorien-Gebilde nur allein mit einem sibirischen übereinstimmt, und zwar in vielen sehr ausgezeichneten Formen. Es sey eine Tertiär-Ablagerung brakischer Natur.

Sonderbar ist es, daß Californien sammt Oregon auf der ganzen Erde, auch im Golde, nur mit Sibirien übereinstimmen denn ich lese, daß der Lieutnant Coeher(?) den Golddistrict bis nach Oregon hin schon im September 1848 ausdehnt.

In meinem Aufsatze über das kleinste Leben als geologisches | 2rMoment 1845. pagina 10 und 11. ist die Vergleichung mit Sibirien erörtert.

Außerdem erhielt ich vor einiger Zeit durch die nordamerikanische Gesandtschaft (Herrn Donelson) Proben des merkwürdigsten aller Polygastren Lager, welches Capitän Fremont 1845 beschrieben hat. (Report of the exploring expedition to the Rocky mountains. pagina 200 und 302.) Es ist 500 Fuß mächtig und mit einem 200 Fuß hohen Lager von dichtem Basalt bedeckt. Dieses mächtigste aller bekannten Lager von reinen kieselschaligen (thonartige) Polygastren bildet senkrechte Thonwände am Wasserfall aux chûtes des Columbia River 121° Longitudo 44 1/2° Latitudo Ich habe 84 Species daraus bestimmt. Es sind meist weit verbreitete Tertiär Formen, keine sibirischen Charakterformen. Daher scheint dieses Lager am oberen Columbia nicht gleichzei | 2vtig mit dem eben da unterhalb von Dana gefundenen zu seyn.

Wie ist es möglich, daß sich so ungeheure Süßwasser-Bildungen erzeugen? Ist da ein alter Teich gewesen von ernormem Umfange, der sich ausgefüllt hat? 500 Fuß! Gewöhnlich sind solche Lager 2 – 10 – 50 Fuß mächtig.

Bailey hat schon in Fremonts Reise einige Arten (23) verzeichnet, aber nicht richtig benannt und unkenntlich abgebildet.

Die Formen-Mischung und die Hauptformen, welche die Masse bilden sind auch im Biliner, Casseler und Eifeler Polirschiefer herrschend. Einige, nicht viele Daten sind characteristisch. Vielleicht schickt man mir aus Califorien selbst auch Erden zu.

In herzlicher Verehrung Ihr dankbarster Ehrenberg

10/2/49.

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Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. [Berlin], 10. Februar 1849, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch und Linda Kirsten. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 11.05.2022. URL: https://edition-humboldt.de/v8/H0016558


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