Berlin, am 26 März
1833

Innig verehrter Herr Baron

Endlich habe ich die Freude ein Amicisches Mikroscop unter Händen zu haben und finde allerdings, daß seine Vergrößerung alle übertrifft, die ich bisher prüfen konnte. Es ist nehmlich das Mikroscop des Herzogs von Toscana, welches Hoffmann als Geschenk erhalten hat. Die Vergrößerung beträgt 2400 mal im Durchmesser. Andrerseits ist es mir lieb daß die Bestellung der Akademie von ihm unberücksichtigt geblieben ist, da es doch nicht besonders wichtige Resultate verspricht und das Geld nun anders verwendet werden kann. Es hat wenig Licht und sehr kleines Gesichtsfeld bey starker Vergrößerung. Riesenhaft sind freylich die Bilder, doch verschwimmend, fast wie im Sonnenmikroscope. Die Hauptwirkung ist durch kleine Okulare hervorgebracht, also keine Erfindung und da Schiek’s große Fertigkeit im Linsenschleifen seinen Mikroscopen gerade den Vorzug verschafft, die Amicischen Linsen aber nicht sehr rein geschliffen sind, so wird Herr Schiek durch eben so kleine Okulare wohl eine bessere Wirkung erreichen.
Die stärkste Vergrößerung mit Herrn Blochmanns Mikroscop ist diametral gegen 200 mal. Die Verhältnisse der Vergrößerung eines und desselben Gegenstandes so wie er in Blochmanns Chevalliers und Pistor und Schieks Mikroscopen gesehen wird sind aus beiliegenden Zeichnungen wahrnehmbar. Die stärkste Vergrößerung des Blochmannschen Mikroscops giebt von einem 1/12 linie großen Schüppchen des Zuckerfischchens das Bild Nr. 1. Dasselbe Object giebt in Chevalliers Mikroscop bey dreyfacher Objectlinse ( ohne den Auszug) das Bild Nr. 2. und Pistor - Schieks Verbesserung mit dem Auszuge Bild Nr. 3. Im letzteren Falle beträgt der Abstand des Auges vom Objecte 1’ 3’’. Pistor - Schieks Verbesserung erlaubt dasselbe (1/12 Linie lange) Object 9 Zoll groß zu sehen, also doppelt so groß als die Zeichnung Nr. 3.
Diese letztere Vergrößerung beträgt fast das 300 fache des Durchmessers, reducirt man sie also auf 8 Zoll Abstand vom Auge, so ist sie noch nicht tausendfach. All meine Infusorienbeobachtungen und mikroscopischen Zeichnungen mache ich mit der Vergrößerung welche das Bild Nr. 2 giebt weil sie die bequemste ist und bey deutlicher Größe noch nicht allzu riesenhafte Bilder giebt.
Ich finde daß es sehr Schade ist daß Blochmanns Mikroscop seine seitliche Objectbewegung durch die Mikrometerschraube erhält und daß man ohne vieles Drehen an derselben es nicht in feinre Rasten stellen kann, was der so feinen Schraube nothwendig sehr schaden muß.

Ehrenberg

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Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. Berlin, 26. März 1833, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 6 vom 13.10.2020. URL: https://edition-humboldt.de/v6/H0016539


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