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Berlin 7 Mai 1858.

Die sonnenmikroskopischen
Photographien der Herren
Bertsch und Hartnack habe
ich Ihrem Wunsche gemäß gestern
in der Plenarsitzung der Aka-
demie vorgelegt und es wird
darüber eine kurze Anzeige in
den   Bericht über die zur Bekanntmachung geeigneten Verhandlungen der Königl. Preuß. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1858 , 370
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Monatsbericht
kommen.
Schon seit Jahren sind dergleichen
wissenschaftlich doch nicht hinreichend
scharfe, stark contourirte Bilder
in England verkäuflich und ich
besitze deren von dort, wobey
auch dieselben Gegenstände als
leichter darstellbar vorkommen.

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Vielleicht wird es in den
Händen müßiger Reichen
doch auch einst nützlich wie die
Aufnahmen von Landschaften und
Bauwerken schon ein nützliches
Spielzeug der Vergnügensreisen-
den geworden sind. Ich sende
hierbey das Album unbeschädigt
zurück.

Seit Kurzem besitze ich neue
Materalien des untersiluri-
schen Grünsandes von Petersburg
welche mir Pander als viel tiefer-
geschichtete Massen zugeschickt hat,
im Vergleich zu jenen von mir
1854 analysirten. Es kommen die-
se Sande bis in die Thone hinein
vor, welche die sogenannten
Conodonten-Zähnchen enthalten
| 2rund Pander scheint dieselben für
entschiedene unorganische Concre-
tionen anzusehen.

Allein es waren schon in den von
mir 1854 analysirten Grünsanden  Ehrenberg 1854b, 374-377
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  Ehrenberg 1854, 384-410
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Fragmente von Conodonten häufig,
und die Felsart gehörte mithin schon
dem Bereich an und die mir
jezt zugekommenen viel tiefer
liegenden Grünsande sind voll
von überraschend deutlich erhal-
tenen Formen aus den meisten
Familien der Polythalamien
und lassen specielle Bestimmungen
zu.

So ist denn wieder ein Schritt
tiefer in das Leben gethan,
dessen Feinde jezt Wort und
Lehre haben.

Die von mir gegebenen Abbil-
| 2vdungen auf Tafel VI des   Ehrenberg, Christian Gottfried: Über den Grünsand und seine Erläuterung des organischen Lebens. In: Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. 1855. S.85-176,Taf. VI
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Grün-
sandes
, welche als Solenolithis
und Dermatholithis bezeichnet sind,
erkennt Pander als  am linken Randvon ihm später
so benannte
Conodonten
und  über der Zeilefür Siphonotreten-Theile an

wodurch das von mir benuzte Ma-
terial des hiesigen mineralogischen
Cabinets als untersilurische Felsart
bestätigt wird, wenn es auch noch
tiefere Schichten dort giebt. Daß
aber die tiefer liegenden noch deutlichere
Formen zeigen würden und zwar
massenhaft, habe ich selbst nicht
erwartet. Ich habe die Zeichnungen
und Präparate gestern der Akademie
vorgelegt.

 ABBAW, NL Ehrenberg 230. 3. Mai 1858.
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Für Bemerkung des Druckfehlers
aus Junghuhn, den ich übersehen habe

bin ich sehr dankbar, schlimmer ist,
daß im   Ehrenberg 1857a
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Aufsatz vom 26[.] Nov. 1857. p. 545

der Ausdruck tertiär anstatt statio-
när (Zeile 7 von oben) stehen geblieben
was zum Glück keinen Sinn giebt.

Verehrungsvoll
Ihr
Ehrenberg

Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. Berlin, 7. Mai 1858, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016537


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