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Innig verehrter Herr Baron

Ihrer gütigen Erlaubniß gemäß sende ich Ihnen noch einige Exemplare meiner kleinen Abhandlung. Daß sie Ihre Theilnahme erregt ist für mich genug. Ich bin durch Ihre Nachsicht und Freundlichkeit immer für eine zeitlang neu gestärkt und getröstet für die trüben Aussichten und Verhältnisse, die mich immer enger umgeben. Ein Brief von Müller überzeugt mich daß er auch ohne äußeren Antrieb diesen Weg einschlägt. Er spricht darin aus | 1vdaß, da ich für das Museum gesammelt habe (was ich nie gethan) die Sachen dem Museum gehören und er sich mit aller Kunst widersetzen werde, daß sie gegen das Urtheil des Museums entsant werden. Ich habe ihn gebeten die Correspondenz nicht weiter fortzusetzen. Ob meine Rechte und Pflichten aber für Vortheil gelten werden weiß ich nicht, aber Sam̅ler für die Museen kann ich nie gewesen seyn und ich bin mir dem Mann eines Freundes schuldig nur eine ehrenvolle und möglicher Weise zu einem Zweck führende Thätigkeit einzustellen. Was ein Herr Kollege für Kleinigkeit und Eigensinn halte (welcher Ausdrücke sich Müller bedient) ist leider das innere Gefühl von Nothwendig Beherrschung meines Materials wenn ich mir und dem Staat zu Ehre wirken soll. Daß alle Billigkeit auch im Suchen ist liegt wohl am Tage. Ob meine Forderungen nicht zu billig sind wäre von Freunden eher zu erwägen. | 2rMit den Zähnen der Helix Pomatia habe ich nur Ihr Recht anzuerkennen die Freude gehabt, da ich Ihren Ernst für so viel Theilnahme nichts erwidern kann. Ich gebe auch keineswegs Ihr anderes Recht auf, in den Nerven Atmosphären damals ein wichtiges Factum gefunden zu haben, obwohl Müller durch Condensatoren keine Electricität finden zu können angiebt. Ich glaube man darf keine Electricität in den Nerven suchen, sondern Wirkungs Atmosphären. Wäre Leben Electricität oder Galvanismus so wären die Physiker und Chemiker längst schon die Rolle der Generatio aequivoca und des Lebenssafts vetreten.

Ich habe noch 2 interessante Resultate in petto. Die mikroskopische Structur zeigt klar daß die Bauchnerven der wirbellosen Thiere, weil sie nicht Gliedernerven sind sondern Röhrennerven nicht das Rückenmark sondern den Sympathicus repräsentiren. Reilvermuthete es Müller hat es widerlegt. Ich glaube es jetzt erwiesen. Anmerkung des Autors (am linken Rand) geringe Menge der Blutströme bey den Evertebraten wegen geringer Menge des Gehirns.  
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a) Pythagoras hatte nicht ganz unrecht: Sanguinem esse pabulum animae, während man neuerlich immer noch an dem Bilde´ hängt als wären die Blutgefäße nur Erbsensäcke | 2vin Hallers Sinne.

  Ehrenberg 1833a

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Zu den Cristallbildungen in lebenden Körpern gehört vielleicht noch die falsche Perlen Substanz von den Bauchschuppen des Cyprinus Alburnus Essence d’orient
. Ich habe sie noch nicht untersucht aber aus Paris verschrieben da es ein Arcanum ist. Dann wäre ein Crystall sogar Handelsartikel.

Für die Absonderung der kohlensauren Kalkkrystalle in Fröschen giebt es eine eigene Gefäßbildung in der Rückgradshöhle.

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Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. [Berlin], [Oktober 1833] , hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch und Linda Kirsten. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 7 vom 07.09.2021. URL: https://edition-humboldt.de/v7/H0016528


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