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Innig verehrter Herr Baron

Es würde zu unverantwortlich viel auf Ihre Nachsicht gerechnet seyn, wenn ich Ihnen zumuthen wollte, daß Sie beygehenden Bericht den ich gern morgen an das Ministerium absenden möchte, durchlesen sollten. Vielleicht aber, da ich entschlossen bin, lieber Berlin und Preußen zu verlassen, als mich so unterdrücken und außer Thätigkeit bringen zu lassen, gewähren Sie mir die Bitte die lezten 2 Bogen durch zu sehen. | 1v Der Bericht ist zu lang aber ich bin müde noch einen vierten zu machen und mein elender Zustand wird nicht gebessert auch wenn mir alles zugestanden wird. Sollte der Herr Minister meine Darstellung übel nehmen oder nicht berüksichtigen, so werde ich noch bey Seiner Majestät anfragen ob die Mittel welche das aus Mangel an Schutz verkümmerte Unternehmen braucht gewährt werden können. Ich sehe fast nur das Ausland, vielleicht Göttingen, als eine Rettung. Hier bin ich unter Lichtensteins und Johannes Müller gewandteren glatten und aufhaltbaren Einfluß wissenschaftlich ganz verloren. Die übrigen Freunde sind blinde Werkzeuge.

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Ich glaube kaum daß Sie mir rathen können die hiesigen so unglücklichen Verhältnisse weiter zu cultiviren, denn ohne Achtung gequält voll Verantwortlichkeit wenig mit glatten Worten gestreichelt und dann getreten. Mich verlangt es nach Rache. [...] Gegengewicht kann ich Ihnen nicht halten. Sie in diese widerige Angelegenheit zu verwickeln möchte ich auch nicht, weil sie zuviel persönliches mit enthalten. Ihren gütigen Privatrath aber erbitte ich mir.

Schelten Sie auch nicht daß ich noch nicht die russische Reise kenne. Ich muß mich zum practischen wenden, weil ich sonst nicht leben kann und der Gnadenstellung überdrüssig bin.

ohne Achtung gequält voll Verantwortlichkeit wenig mit glatten Worten gestreichelt und dann getreteten. Mich verlangt es nach Rache. Gegengewicht kann ich Ihnen nicht halten. Sie in diese widerige Angelegenheit zu verwickeln möchte ich auch nicht, weil sie zuviel persönliches mit enthalten. Ihren gütigen Privatrath aber erbitte ich mir.

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Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. [Berlin], [1833] , hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch und Linda Kirsten. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 8 vom 11.05.2022. URL: https://edition-humboldt.de/v8/H0016526


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