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Berlin am 5 April 1832.

Innig verehrter Herr Baron.

Nur mit einigen Worten geleite ich die seit mehreren Tagen fertig gewordene   Ehrenberg 1831
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Schrift
, welche ich früher Ihnen schon angezeigt habe und übersende sie mit der Bitte um gütige freundliche Aufnahme. Ob Herrn Dutrochets merkwürdige Beobachtungen sich mit den meinigen vereinigen lassen muß ich noch unentschieden dahinstellen. Mir will es scheinen als wären die Resultate entgegengesezt. Es handelt sich wohl um die Existenz der structurlosen | 1vorganischen Materie, deren Möglichkeit schwerlich zu läugnen ist. Hätten nun meine Infusorien keine Zähne, so dürften Andere leicht geneigt seyn die übrigen Organe für ideal, rudimentair und so weiter zu halten. Es war eine Lehre für die allgemeine physiologische Saage über die Existenz einer selbstständigen, also lebendigen, organischen Materie eine recht wichtige Sache, daß ich neulich Zähne bey der Kolpoda fand.Anmerkung des Autors (am linken Rand)Ich habe pagina 150. diese Beobachtung noch im Nachtrage mitgetheilt. Um nicht der Gesandschaft lästig zu werden schicke ich nur 1 Exemplar werde aber noch einige nachbesorgen. Solche Freßwerkzeuge für rudimentair zu halten würde lächerlich seyn und die Magenthiere bilden nun offenbar nicht mehr eine niedere oder einfachere Bildungsstufe, sondern nur eine andere als die Räderthiere.

Herr von Cuvier zeigt mir an, daß die Akademie das erste Heft der Insecten meiner   Ehrenberg 1828
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Symbolae physicae
nicht erhalten habe, was wenn es verloren gegangen wäre mir sehr leid thun sollte, da nur einige wenige Exemplare des größeren Formats | 2rgedruckt sind und es nicht zu restituiren wäre. Da ich Ihnen, mein innig verehrter Herr Baron, zu Weynacht die neuesten Hefte im gleichen Format auf gleichem Weg zusandte, so hoffe ich, daß durch ein Versehen jenes erste Insectenheft zu den Ihrigen gelegt worden seyn mag. Die früheren Hefte habe ich mir erlaubt Ihnen in Berlin zu überreichen und nur das   Ehrenberg 1828
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2te Insectenheft und das erste Heft der Evertebrata exclusis insectis
sandte ich Ihnen nach Paris. Im Falle nicht der Defect durch die unrichtige Adresse erzeugt wäre, müßte das Heft in der Buchhandlung von Heidelof und Campe in Paris, durch welche die Besorgung geschehen liegen geblieben seyn. Die Mittlersche Buchhandlung in Berlin versichert das vollständige Exemplar eingepakt zu haben. Ob Herr von Cuvier und Herr Valenciennes die zu Weynacht an Sie abgeschickten Exemplare des gewöhnlichen Formats erhalten haben weiß ich noch nicht.

In ausgezeichneter Verehrung und Liebe Ihr treu ergebensterDr CG Ehrenberg

Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. Berlin, 5. April 1832, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016524


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