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Herrn Boussingault’s Probe eines Filtrums des Turbaco-Schlammes habe ich Ihrem Wunsche gemäß gestern alsbald etwas geprüft. Ich habe 10. genaue Analysen von 10. verschiedenen Theilchen gemacht und glaube nicht, daß das gewonnene Resultat anders als in der Breite zunehmend sich ändern würde, wenn ich die Zahl der Analysen mehrte. Einige Charaktere lassen sich an dem Material, weil es kein ursprüngliches ist, nicht sicher feststellen, zum Beispiel Gehalt an Seesalz, Gehalt an grobem Sande, indem das Schlemmen und Filtriren beydes weggenommen haben mag.

Folgendes ließ sich feststellen: Die Masse ist eine feine schwarz | 1vgraue, wenig zusammenhängende Erde, die unter Wasser sogleich in einen feinen Schlamm zerfällt der zwischen den Fingern unfühlbar ist und zwischen den Zähnen fast gar nicht knirscht. Dem bloßen Auge und der Lupe erscheint er homogen, thonig, nur isoliren sich hie und da feine schwarze Theilchen.

Die Masse schwärzt sich beim Glühen und röthet sich bey stärkerem Glühen, sie enthält also kohlige Stoffe und Eisen.

Wenn die Kohle verflüchtigt ist hat sich das Volumen nicht augenscheinlich verringert.

Der Eisengehalt färbt alles, ist daher mulmartig und ebenfalls gegen das Volumen nicht bedeutend.

Säure bewirkt kein Brausen es hat daher die Masse keinen | 2rfreien kohlensauern Kalkgehalt, keine Muschel oder Polythalamien-Fragmente.

Beim Verdunsten des befruchtenden Wassers auf dem Objectträger erkennt man im Mikroskop keine Crystalle, es hält also die Masse keine freien löslichen Salze.

Die mikroskopische Mischung. Bey 300.maliger Vergrößerung im Durchmesser zeigt sich die Zusammensetzung als ein sehr feiner Mulm mit vielem feinen quarzigen Sande und feinen Glimmertheilchen. Ansehnlich viele dunkelschwarze Partikelchen sind in der Masse zerstreut und beym Zerfallen und Zerrühren der Masse im Uhrglase unter Wasser bleiben diese auf der Ober | 2vfläche des Bodensatzes. Dieß ist das Verhalten von Humus. Darunter lassen sich auch Pflanzenreste direct erkennen, Fasern, Haare, Zellen-Promiszen, auch wiederholt Sporangien von Flechten.

Unter den kieselerdigen Sandtheilchen sind Formen, welche dem Lithostylidium rude und serpentinum (Grastheilen ) ganz ähnlich sind.

Zellige vulkanische Splitter (von Schlacke oder Bimsstein) fehlen. Das übersichtliche Resultat der Analysen wäre sonach:

A Positive Charactere: Der Schlamm ist ein sehr feiner humusführender Mulm mit unorganischen granitischen Elementen als Hauptmasse. Das Unorganische ist eckig nicht gerundet und ent | 3rhält nicht wenig kleine Crystallprismen wie von Augit oder Pyroxen, nach Art der vulkanischen Tuffe. Die Humustheilchen sind hier und da erkennbare Pflanzenstoffe Dicotylen-Pflanzen und Luft-Cryptogamen, also Wald- Humus.

B. Negative Charactere: Es fehlt jede Spur von Meerwasser-Mischung, keine Salze, keine Polythalamien, keine Muschel-Fragmente. Es fehlen die Charactere vulkanischer Schmelzung. Es fehlt jeder Character von Sumpf-Bildung, keine Spur von Spongolithen, keine Wasser Polygastren. Schluß

Der Schlamm von Turbaco gehört zu den vulkanischen Süß | 3vwasser-Projectilen wie die Moya von Pelileo, ohne alle Spur von Meeres-Einfluß. Ungemessnes Kochen und Walken der Dämpfe mag solchen Mulm aus Oberflächenverhältnissen mischen. Es ist die immer von Neuem verarbeitete zerkleinerte Moya von Pelileo.

Das Resultat wird Sie und Herrn Boussingault wenig befriedigen rücksichtlich der gewünschten Lösung der Fragen die man gern an die Masse knüpft, aber die gewonnenen Charactere sind fest und entschieden über den Meereseinfluß, dessen Nichtexistenz sie darthun. Auch die Vorstellung von unterirdischen großen Seen will nicht passen zu dem humusreichen Auswurf ohne Spongolithen und Polygastren. Ob einige dieser Elemente vulkanisch verändert, gefrittet sind, wäre noch in Frage zu stellen und weiter zu prüfen. Ich habe keine Anschauungen dieser Art zur Ueberzeugung gebracht.

In herzlicher Verehrung Ihr dankbarster Ehrenberg.

Berlin 6. Mai 1854

Zitierhinweis

Christian Gottfried Ehrenberg an Alexander von Humboldt. Berlin, 6. Mai 1854, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016517


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