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Da ich eben erst mit Ihrer immer wohlthätigen
Hülfe, theurer Freund, der Classe mit
einigen Thränen zur Rettung des braven
Schacht 400 Reichsthaler abgelokt habe, so ist es
allerdings unbescheiden, dass ich Ihre Freund
schaft  über der Zeileschon wieder in Anspruch nehme[.] Die Bernstein
Fauna
die Dr Behrends in Danzig unter
begünstigenden Verhältnissen hat zusammen
tragen können, die nicht wieder kehren, ist
zu wichtig als dass ich nicht auch von
meiner Seite einen Versuch machen sollte
Prof. Baums Wunsch zu erfüllen[.] Der An-
trag der Familie ist bei ihren geringen
Geldmitteln sehr bescheiden und es wäre
traurig wenn das Werk unvollendet bliebe[.]
Ich bitte Sie inständigst da meine
Uebersiedlung nach Potsdam mich hindert
Sie persönlich anzuflehen, die Sache
zur Sprache zu bringen und durch Ihr
mächtiges Wort zu unterstüzen[.]

Der so vornehm thuende Hallische
Archont
hat es für bequemer gehalten
die bösen Briefe mir Durch den Verleger
Herrn Wigand schicken zu lassen mit
einem Briefe von diesem der eine Art
Klage enthält, dass ich die Zueignung
zurük gewiesen[.] Dies hat mir dann Gelegen-
heit gegeben mich über die Ursache
| 1vder Zurückweisung, die Roheit allgemein absprechen
der Urth  innerhalb der Zeileanmaassender Urtheile ueber einen
der ersten Naturforscher des 19t. Jahrhunderts
(meinen innigen Freund und Reisegefährten)
wiederum etwas deutlich zu erklären[.]
Mein Brief wird gewiss mitgetheilst [sic][.] Indess
hat Burmeister mir selbst aber bloss über
seine Patagonien-Reise (der Minister
Raumer antwortet ihm nicht!) geschrie
ben. Er rühmt sich dass er „die mir so
anstössige Stelle p 41 geändert  über der Zeile⎡zu haben und
hofft
und dass
die gegenwärtige Fassung genügen werde,
voll Bedauern über die ursprüngliche, aller-
dings zu rücksichtslose Fassung.“ Ich finde
dass er im Texte jezt sehr lobend auftritt
um in den Noten p 326–329 wieder unan
ständig zu werden.

Der allerdings vielgereiste aber langweilig
breite Mr Gaimard schreibt mir
dass er den Pr Napoleon (nich[t]  Unleserliche Stelle [...]
Su Altezza Canina) auf einer
nordischen naturhist. Expedition mit
vielen Gelehrten (?) und 2 Corvetten den
15 Junius (einen Tag nach der heiligen
Taufe des Pr. Impérial) abschift nach
Nord Cap, Faroe, Island u Spizbergen!!

Mit alter Liebe und
Verehrung
Ihr
AlHumboldt

d. 27 Mai 1856

Dr Vogel in Leipzig
schreibt mir das glük-
liche Nachrichten
von seinem Sohne in
Kuka vom Dec. vorigen
Jahres [gekommen sind]. Er schikt die
Beschreibung eines
Manati’s am
Benue - River. Er soll
die sonderbare Eigenschaft
haben den Fluss zu verlassen
und ins Meer zu
gehen um dort zu
jungen.

Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. [Berlin], 27. Mai 1856, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016474


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