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Mein theurer Freund und Reisecumpan!

Ich habe jezt nach Erhaltung Ihres so aufklärenden
Briefes die frechen, vornehm absprechenden
zoonomischen Stellen nachgelesen. Mein Ent
schluss war gleich gefasst. Hier meine Antwort
die bereits abgegangen ist.

„Für die Mittheilung Ihrer   Burmeister 1856

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zoon. Br.
die
gewiss schon wegen ihrer Form einen grossen Leser
kreis finden werden, sage ich Ihnen meinen
innigen Dank. Ihren mir überaus ehrenvollen
Antrag der Zueignung, so sehr er mich zur
Dankbarkeit verpflichtet, werde ich leider!
nicht annehmen können, nicht etwa wegen
meiner Art des Liberalismus welcher als alter
Freund von Wilberforce und Vertheidiger der
| 1vGleichberechtigung aller Carusschen Nacht- und Dämme
rungs-Menschen ein Gräuel hat an Gobineau’s
aristocratischer Doctrin von der Ungleichheit
der menschlichen Rassen; nicht etwa (Sie zürnen
nicht über meine Scherze!) als möchte ich Ihr
folgsames Carlchen schon S. 20 zum Rebelliren auf-
fordern, weil etwas vorbereitet wird was wohl zu
meiner Betrübniss in den nicht gesehenen lezten 15 Bo-
gen stehen könnte. Das alles ist heiterer Scherz
und zwischen uns beiden schon einmal besprochen;
nein die ernste Ursache aus der ich Sie bitten muss,
meinen Namen diesem Werke nicht vorzusezen
ist in zarten Gefühlen innigster Hochschäzung
und Freundschaft für den mir ewig theuren
Ehrenberg gegründet. Ich bin weit davon entfernt
zu glauben, dass er seinen Rang als Systema
tiker herabgedrükt, sein Beobachtungstalent
selbst verdächtigt  über der Zeilehat; wird; einer  über der Zeileja dass einer [sic] immer mehr sich
noch verdunkelnder Schatten auf seine Leistungen
gefallen ist.  am linken Rand⎡Das ist viel
in eine Phrase
zusammen
gedrängt
. In China geschehen die grossen
Hinrichtungen nicht im Frühjahr sondern im
Herbste, daher nannte Klaproth eine brochure
in der er sich anmuthig mit seinen Gegnern
bescheftigte: les grand exécutions d’automne[.]

Ich denke die Antwort wird ihm
etwas unangenehm sein[.]

Ihr
ewig treuer
AlHumboldt

d. 22[.] Märtz
1856
Nachts

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Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Christian Gottfried Ehrenberg. [Berlin], 22. März 1856, hg. v. Anette Wendt unter Mitarbeit von Eberhard Knobloch und Linda Kirsten. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 6 vom 13.10.2020. URL: https://edition-humboldt.de/v6/H0016472


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