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Rawul Pindee

im Punjaub

December 11 1856

Hochverehrteste Excellenz!

Es war uns eine grosse Freude in einem jüngst von unserem Bruder Emil erhaltenem Briefe zu lesen, dass Sie die Berichte, die wir von Zeit zu Zeit über unsere wissenschaftlichen Arbeiten in Indien geben, noch stets wie früher mit reger Theilnahme aufnehmen.

Die Erinnerung an die Belehrungen und die vielfachen Anregungen, die wir Ihnen verdanken, ist uns stets auf das lebhafteste gegenwärtig und es ist unser eifrigstes Bestreben, Resultate zu erhalten, die vielleicht Ihrer Aufmerksamkeit nicht ganz unwerth sein möchten.

 Kommentar Linda Martin
Auszüge eines an Friedrich Wilhelm IV. gerichteten Berichtes von Hermann und Robert Schlagintweit vom 24. September 1856 wurden 1857 in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde veröffentlicht. Vgl. Schlagintweit, H./Schlagintweit, R. 1856, 535–541.
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Robert und ich haben über unsere Beobachtungen im Kuenluen einen kleinen Bericht von Leh, Ende September abgesandt, der jetzt wohl Berlin erreicht hat.

| 369vGleichzeitig mit diesem Briefe geht ein  Kommentar Linda Martin
Eine Zusammenfassung des Briefes wurde in der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde abgedruckt. Vgl. Schlagintweit, H./Schlagintweit, R. 1856, 541.
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Bericht von Adolph
ab, der die etwas westlicher gelegenen Theile des Kuenluen untersucht hatte.

Unsere Pläne für diese kalte Jahreszeit sind, dass Adolph nach Peshawar, und dann dem Indus folgend nach Kurachee und Bombay, Robert auf einer etwas südlicheren Route, über Multan, und durch Scind und Guserat nach Bombay reisen. Ich selbst werde nach Lahore und Patna gehen, und von dort, was endlich definitiv arrangirt zu sein scheint, Katmandu besuchen. Nach kurzem Aufenthalte in Nepal komme ich nach Calcutta.

Wir glauben dann, durch glückliche Umstände begünstigt, die es uns möglich machten fast immer getrennten Routen zu folgen, unsere Beobachtungen in Indien so weit vervollständigt zu haben, dass wir gegen Anfang der heissen Jahreszeit aus Indien abzureisen beabsichtigen.

Auch unsere Sammlungen, sowohl in Beziehung auf Geologie, geographische Botanik und Zoologie, als auch auf | 370rEthnographie sind, glaube ich, ziemlich vollständig. Wir haben während der Monate März und April 1856 210 grosse Kisten an das India House abgesandt, jüngst 109, die Sammlungen dieses Jahres enthaltend. Von allem sind stets Douppletten vorhanden,  Kommentar Linda Martin
Zahlreiche Korrespondenzen zwischen den Brüdern Schlagintweit, dem preußischen Kultusministerium und weiteren Akteuren wie Humboldt oder Colonel Sykes dokumentieren den preußisch-britischen Konflikt, der um die Sammlungen entstand. Er waren ein Resultat der hohen Reisekosten und der eingegangenen Verpflichtungen der Brüder gegenüber der East India Company. Vgl. beispielsweise das Schreiben von Colonel Sykes an Edward Sabine: vom 19. März 1858 Es ist mir nicht bekannt, daß die Direction die auf Kosten der Ost-Indischen Regierung gemachten Sammlungen oder irgend ein Theil derselben dem König von Preußen geschenkt hat; die Sammlungen waren immer, und sind noch, Eigenthum der Ost-Indischen Companie. , Übersetzung des Briefes von William Henry Sykes an Edward Sabine, o. O. 19. März 1858, GStA PK / I. HA Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett, jüngere Periode, Nr. 19767.
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und ich hoffe, dass es uns wohl gelingen wird vom Court of Directors einen grossen Theil auch für Preussen zu erhalten.

Das einzige was unsere Abreise etwas verzögern wird, sind die Geschäfte des Rechnungsabschlusses mit dem Gouvernement.

Wir hatten es möglich gemacht durch Privatarrangements mit unseren Agenten in Bombay und Calcutta, dann durch officielle Vorschüsse vom Gouvernement gegen spätere Abrechnung, ohne Zeitverlust alle Theile Indiens bereisen zu können und auch die für Sammlungen nöthigen Ausgaben vorläufig zu decken. Überdiess ist der grösste Theil des Inlandtransportes noch nicht an unseren Agenten in Calcutta bezahlt. Ein sehr bedeutender Theil unserer Ausgaben sind persönliche für Zelte, Bediente, Pferde und besonders für Träger (Coolies), | 370vAusgaben, die in Indien stets sehr gross sind, und besonders bei beständigem Reisen sich rasch anhäufen. Auch unsere Expeditionen in die an das indische Reich angrenzenden Theile Tibets und Turkestans waren mit grossen Ausgaben verbunden, die wir dem indischen Gouvernement kaum(?) vorlegen können.

Wir fanden in den Briefen unseres Bruders Emil oft erwähnt, dass Sie unser auch in dieser Beziehung oft gedacht haben, und in gewohnter Güte Ihre Bereitwilligkeit unsere Arbeiten in Indien zu fördern aussprachen.

Wir glaubten nicht, momentan mit den nöthigen Mitteln versehen, dass unsere Gesammtausgaben so sehr bedeutend sich anhäufen würden. Da Sie selbst es gestatten, können wir nicht vermeiden, den Wunsch auszusprechen dass diess durch Ihre gütige Vermittelung Seiner Majestät mitgetheilt würde.

 Kommentar Linda Martin
Einen Einblick in die Finanzierung der Reise gewähren Korrespondenzen und Dokumente der Akten GStA PK / I. HA Rep. 76 Kultusministerium Ve Sekt. 1 Abt. XV, Nr. 189 und GStA PK / I. HA Rep. 89 Geheimes Zivilkabinett, jüngere Periode, Nr. 19767 und GStA PK / I. HA Rep. 162 Verwaltung des Staatsschatzes, Nr. 107 und GStA PK / III. HA Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, III Nr. 18929.
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Wir erhielten von Seiner Majestät so lange wir in Indien sind, ausser den  Pfund Sterling: Währungseinheit (Großbritannien)80 £ für den Theodolithen, nur einmal  Pfund Sterling: Währungseinheit (Großbritannien)100 £, Ende 1854 in Madras, obwohl uns durch Sie mitgetheilt wurde, dass der König | 371r Reichstaler: Preuß. Währungseinheit3000 Thaler jährlich schon am Anfange unserer Reise bestimmt hatte.

Wir wissen wohl, dass unser stetes Reisen Nachsenden von Geld sehr erschwert, allein wir würden jetzt sehr glücklich sein, wenn wir jetzt vor unserer Abreise aus Indien Geld in Calcutta bekom̅en könnten.

Das beste wäre vielleicht einen Creditbrief an den preussischen Consul zu erhalten, der ihn berechtigt, uns bis zu einem gewissen Betrage unsere Ausgaben in Indien gegen vorgelegte Abrechnung zu bezahlen.

Der preussische Consul in Calcutta, Mister Kilbourn hat seit unserer Ankunft in Indien den lebhaftesten Antheil an unseren Reisen genom̅en, und gethan was er konnte, um unsere Arbeiten durch Nachsenden von Packeten und Correspondenz et cetera zu fördern. Er würde gewiss unsere Angelegenheiten, für die er auch die officielle Behörde ist, bestens besorgen.

| 371vUnser Vorschlag, den wir Sie bitten Seiner Majestät vorzulegen, wäre demnach folgender:

Durch einen Brief des Handelsministeriums, oder des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten möchte Herr Kilbourn, königlich preussischer Consul in Calcutta, authorisirt werden, bis zu einem Betrage von  Reichstaler: Preuß. Währungseinheit18000 bis  Reichstaler: Preuß. Währungseinheit20000 Thalern (was natürlich die jährlich von Seiner Majestät bereits bewilligten  Reichstaler: Preuß. Währungseinheit3000 Thaler einschliesst) uns die Ausgaben für unsere Reisen in Indien zu bezahlen. Wir wünschen sehr, dass diese Mittheilung an den preussischen Consul direct von Berlin nach Calcutta und nicht durch den Generalconsul in London und das India house geht. Das indische Gouvernement scheint in diesem Punkte sehr empfindlich, wie wir selbst bei der Übersendung der für Instrumente erhaltenen  Pfund Sterling: Währungseinheit (Großbritannien)80 £ sahen, die durch Herrn Hebelers Vermittlung übersandt wurden. Überdiess ist es schon oft in den Zeitungen stark betont worden, dass wir keine Engländer seien.  Kommentar Linda Martin
Die Darstellung der Expedition innerhalb der britischen Presse wurde durch eine nationale Färbung verzerrt. Eine Finanzierung deutscher Forscher wurde kritisiert. Vgl. Brescius 2019, 247 ff.
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Erst jüngst war viel | 372rUnsinn in diesem Style in allen Zeitungen, über „unsere etwaigen Zusammenkünfte mit russischen Agenten in Turkestan“.
Geldsendungen von Preussen durch das indische Gouvernement, würden uns besonders jetzt entschiedene Schwierigkeiten machen.

Es bedarf sehr der Entschuldigung dass die Summe die wir zu nennen wagten, so gross ist. Aber die Ausgaben waren fast immer über 3 verschiedene Routen während nahe 3 Jahren vertheilt, und es war uns nur durch Bemühung aller uns zugänglichen Transport- und Communicationsmittel möglich in der verhältnissmässig nicht langen  Statute Mile: Längenmaß (Großbritannien), 15.000 Statute Mile entsprechen 24.139,95 kmZeit die für indische Verhältnisse bedeutenden Distancen zurückzulegen.

Wir berechneten dieselben jüngst, und fanden, dass die Summe unserer Routen in Indien und im Himalaya, von Bombay nach Madras und Calcutta, von Sadiya an der Umbiegungsstelle des Dihongi, Assam bis Trichinopoli in Südindien, und von Bengalen bis zu den nordwestlichsten Punkten, in Tibet und Turkestan reichlich über  Statute Mile: Längenmaß (Großbritannien), 15.000 Statute Mile entsprechen 24.139,95 km15000 englische Meilen beträgt.

| 372vEin Umstand der vielleicht ebenfalls angeführt werden dürfte, um die von uns genannte Summe zu entschuldigen, ist der, dass es uns ungleich leichter sein wird von unseren Sammlungen einen grossen Theil nach Berlin zu bekommen, wenn nicht alle Ausgaben dafür dem Gouvernement in Indien vorgelegt werden müssen.

Briefe von Berlin nach Calcutta brauchen jetzt gewöhnlich 1½ Monate. Es wäre daher sehr wohl möglich dass diese Autorisation an den preussischen Consul in Calcutta noch ganz früh genug käme, wenn durch Ihre gütige Vermittlung der Brief von dem betreffenden Ministerium so bald als möglich abgesandt werden könnte. Wir schreiben erst jetzt, weil wir erst jetzt im Stande waren, eine allgemeine Zusammenstellung unserer Ausgaben zu machen, ehe wir uns (für Indien) definitiv trennten(?); sie haben bis jetzt für jeden von uns im Durchschnitte 1000 Rupien (1 Rupie =  Reichstaler: Preuß. Währungseinheit⅔ Thaler) im Monate, im Ganzen, von October 1854 bis Anfang 1857 für alle 3 etwas über 70000 Rupien betragen.

| 373rEs dürfte schwer sein für die Weitläufigkeit und Offenheit dieser Mittheilungen Entschuldigungen zu finden.

Wir können als die einzige nur die lebhafte Theilnahme nennen die Sie stets unseren Untersuchungen und Reisen in Indien schenkten.

Meine beiden Brüder werden, ebenso wie ich selbst Rawul Pindee in wenigen Tagen verlassen.

Unsere Addresse ist am besten Calcutta, care of the Prussian Consul et cetera Kilbourne Esquire

Mit wiederholtem Ausdrucke unserer aufrichtigsten Verehrung und Hochachtung. Euer Excellenz dankbarst ergebener Hermann Schlagintweit

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[...]

Zitierhinweis

Hermann Schlagintweit an Alexander von Humboldt. Rawalpindi, 11. Dezember 1856, hg. v. Moritz von Brescius, Linda Martin und Ulrich Päßler unter Mitarbeit von Dominik Erdmann. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 5 vom 11.09.2019. URL: https://edition-humboldt.de/v5/H0016446


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