| 1rErlauben Sie es meiner Unwissenheit, Verehrungswerther Hofrath, daß ich über einen Gegenstand an Sie schreibe, der Ihnen gewiß sehr trivial ist, mir aber unendliche Schwierigkeiten macht aus tausend Büchern zusammenzusuchen. Ich arbeite seit 2 Jahren in allen Stunden der Muße an microscopischen Zeichnungen von den respirationsgefäßen der Pflanzen. Ich habe ein 40 Platten bereits gezeichnet und zwar nach einer 312,400 maligen Vergrößerung der Fläche. Sie werden einige dieser Gefäße aus Hedwigs Sammlung zerstreuter Abhandlungen Band 1 tabula 5 kennen,  
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Bildbeschreibung Vergrößerte Darstellung der Spaltöffnung eines Blattes [Schließen]
   
aber ich habe die Entdekkung viel weiter getrieben. Abernettys   Abernethy 1793.

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Versuche über thierische Hautrespiration
brachten mich endlich auch auf das was man cuticula oder epidermis beim Menschen nennt. Aber wie himmelweit ist diese in der sichtbaren Organisation verschieden, wie wenig ist daran zu sehen. Ich schnitt mit Rasirmessern Haut (cuticula) von allen Theilen meines Leibes und betrachtete sie durchs Microscop.

| 1vIch unterscheide immer folgendes typus:

 
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Bildbeschreibung Vergrößerte Darstellung der Epidermis der menschlichen Haut [Schließen]
   

Fontana vom Viperngift Fontana 1787. pagina 403 (tabula 8, Figura 12) bildet etwas ähnliches ab, redet aber von Kügelchen und geschlängelten Gefäßen. Die Kügelchen sind Staub, man muß die OberHaut unter Wasser sehen und die Gefäße wenn es a b und c d sein sollen, halte ich für Falten. Sie sind viel zu hoch erhaben, theilen die cuticula in unregelmäßige globulos u endigen in voller Dikke, was Gefäße wohl nie thun. Dagegen könnten die ganz feinen geschlängelten, dunkel rothen Strichelchen, welche man in der membran selbst, in den arcolis sieht, deren anastomosen aber nicht zu verfolgen sind, wohl wahre Gefäße sein. Dagegen sagt Blumenbach de generis humani varietate 95 pagina 117. Reticulum Malpighii aeque ac epidermis nervis vasisque plane destituta. Was halten Sie davon, mein Bester! Besonders nach dem, was Sie so treffend Muskellehre pagina 34. § 54. sagen? Ich meine, was vermuthen Sie, denn daß Nerven der cuticula sich nicht darstellen lassen, weiß ich wohl.

Von Poren der Haut höre ich auch reden, aber ich sehe keine, nur vermuthe ich Mündungen der lymphatischen Gefäße auf der Oberhaut. Die Poren die mir das Microscop zeigt sind Löcher wo Haare saßen.

| 2rIm Haas, Mascagni auch bei Ihnen, lieber Soemmerring, lese ich von sinnlicher Darstellung der Saugadern in der Haut. Wenn Sie (   Soemmerring 1791–1796, Teil 4 (Gefäßlehre, oder vom Herzen, von den Arterien, Venen und Saugadern).

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Gefäßlehre pagina 428
) von dem schönen Netze reden, meinen Sie doch wohl das Corium oder wirklich die Cuticula, die man sich mit dem Rasirmesser abzieht? Sind die ausdünstenden Gefäße welche Hunter   Hunter 1762–1764, I.

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Medical Observations Volume II
abbildet, denn noch in der Cuticula sichtbar. Ich erinnere mich daß Haas die ganze Haut prächtig roth ausgesprizt hat, das läßt doch Gefäße in der Cuticula vermuthen. Woher also Blumenbachs apodictische Behauptung.

Die Haut athmet (wie uns Abernetty gelehrt) wie die Lungen, oxygen ein und carbon und azote aus. Durch welche Gefäße, glauben Sie, daß dies vorgehen könne. Die Saugadern führen keine Luft, so wenig als die ausdünstenden Gefäße, und die Valvula der Saugadern lassen auch nicht zu, daß sie oxygen ein und carbon aushauchen. Durch eigene Organe geschieht die luftförmige Exhalation aber gewiß. Im organischen Körper ist alles Organisch.

Ich beschwöre Sie, theuerster Soemmerring mir ein Paar Zeilen hierüber recht bald zu schreiben. Ich bin sehr erpicht darauf.

Humboldt

Bayreuth den 8. Mai 96.

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Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Samuel Thomas Soemmerring. Bayreuth, 8. Mai 1796, hg. v. Ulrich Päßler unter Mitarbeit von Klaus Gerlach und Ingo Schwarz. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 7 vom 07.09.2021. URL: https://edition-humboldt.de/v7/H0008511


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