<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="H0016432">
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            <titleStmt>
                <title type="main">„Ich habe es mir zur Pflicht gemacht, alle angestellten
                    Beobachtungen ohne Auswahl in mein Tagebuch einzutragen“</title>
                <title type="sub">Über die digitale Neuausgabe der amerikanischen Reisejournale, 1.
                    Band (ART I), im September 2018</title>
                <author n="f">
                    <persName>
                        <forename>Ulrike</forename>
                        <surname>Leitner</surname>
                    </persName>
                    <affiliation>Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</affiliation>
                    <email>leitner@bbaw.de</email>
                    <note>Ulrike Leitner, Mathematikhistorikerin, war bis 2018 wissenschaftliche
                        Mitarbeiterin im Akademienvorhaben „Alexander von Humboldt auf Reisen –
                        Wissenschaft aus der Bewegung“ an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der
                        Wissenschaften. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit waren die Bibliographie der
                        Werke Alexander von Humboldts und die Edition seines handschriftlichen
                        Nachlasses: Tagebücher, z. B. <hi rendition="#i">Alexander von Humboldt: Von
                            Mexiko-Stadt nach Veracruz - Tagebuch</hi> (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/5UIBXW5S">Humboldt 2005</bibl>), <hi rendition="#i">Voyage d’Espagne aux Canaries et à Cumaná Obs. astron. de
                            Juin à Oct. 1799 [= Tagebücher der Amerikanischen Reise I]</hi> (<ref target="https://edition-humboldt.de/H0016412">https://edition-humboldt.de/H0016412</ref>) und
                        Korrespondenzen, z. B. <hi rendition="#i">Alexander von Humboldt – Friedrich
                            Wilhelm IV. – Briefwechsel</hi> (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/RIEI5QKW">Humboldt 2013</bibl>).</note>
                </author>
            </titleStmt><editionStmt><p>Leitner, Ulrike: „Ich habe es mir zur Pflicht gemacht, alle angestellten
                    Beobachtungen ohne Auswahl in mein Tagebuch einzutragen“ .  Über die digitale Neuausgabe der amerikanischen Reisejournale, 1.
                    Band (ART I), im September 2018. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 12 vom 08.06.2026. URL: <ref target="https://edition-humboldt.de/v12/H0016432">https://edition-humboldt.de/v12/H0016432</ref></p></editionStmt>
            
            <publicationStmt><publisher><ref target="https://www.bbaw.de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften</ref></publisher><pubPlace ref="https://www.geonames.org/2950159">Berlin</pubPlace><availability><licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons Attribution-ShareAlike 4.0 International (CC BY-SA 4.0)</licence></availability><idno type="URLWeb">https://edition-humboldt.de/v12/H0016432</idno><idno type="URLXML">https://edition-humboldt.de/v12/H0016432.xml</idno></publicationStmt>
            <sourceDesc><p>Born digital.</p></sourceDesc>
        </fileDesc>
        <profileDesc><textClass><keywords><term>research-article</term></keywords></textClass>
            <langUsage>
                <language scope="sole" ident="deu"/>
            </langUsage>
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    </teiHeader>
    <text><body>
            <div>
                <head>Einleitung<note place="foot" xml:id="ftn0" n="*"><p>Für umfangreiche
                            und uneigennützige Hilfe und Unterstützung, ohne die weder die Arbeit an
                            ART I noch diese Einleitung möglich gewesen wäre, danke ich ganz
                            besonders folgenden Personen: <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0001384 http://d-nb.info/gnd/115726071">Eberhard
                                Knobloch</persName> (<orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0000569 http://d-nb.info/gnd/35495-8">BBAW</orgName>,
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005221 https://www.geonames.org/2950159">Berlin</placeName>), <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0019455 http://d-nb.info/gnd/1066480214">Oliver Schwarz</persName> (Universität Siegen),
                            Sandra
                            Balck, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0017892 http://d-nb.info/gnd/1035382474">Carmen Götz</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014221 http://d-nb.info/gnd/140209190">Regina Mikosch</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0001805 http://d-nb.info/gnd/139028285">Ulrich
                                Päßler</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0017907 http://d-nb.info/gnd/1017902623 ">Tobias Kraft</persName>,
                                <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015736 http://d-nb.info/gnd/123964172">Ingo Schwarz</persName> und den weiteren
                            Mitarbeitern des Akademienvorhabens „Alexander von Humboldt auf Reisen -
                            Wissenschaft aus der Bewegung“ sowie für technische Unterstützung
                                <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0017971 http://d-nb.info/gnd/1192713052">Christian Thomas</persName> und den
                            Mitarbeitern der Arbeitsstelle TELOTA, sowie <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0018886">Laurence Barbasetti</persName> (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005221 https://www.geonames.org/2950159">Berlin</placeName>) und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0018983">Karin
                                Göhmann</persName> (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005221 https://www.geonames.org/2950159">Berlin</placeName>). —
                            Im Rahmen der Erstellung der Druckausgabe (ehp I.1) wurde die
                            Textfassung aus dem Jahr 2018 von Carmen Götz redigiert. Die
                            Auszeichnung der Orte und Personen wurde von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0020239">Annika Geiser</persName>
                        durchgeführt.</p></note></head>
                <p xml:id="p0001" n="1"> Die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>reise von
                    Alexander von Humboldt wird als ein Höhepunkt im Jahrhundert der
                    wissenschaftlichen Forschungsreisen (von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003535 http://d-nb.info/gnd/118662309">Bougainville</persName> bis <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012148 http://d-nb.info/gnd/118523813">Darwin</persName>)
                    bezeichnet. Diese Phase hatte die der reinen Entdeckungsreisen abgelöst und war
                    gekennzeichnet durch die Erforschung und Vermessung fremder Länder, den Gebrauch
                    moderner Instrumente, neue taxonomische Systeme, z. B. in der Biologie durch
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004551 http://d-nb.info/gnd/118573349">Linné</persName>, um die Fülle der gesammelten
                    Objekte zu klassifizieren. So sah Humboldt den Hauptzweck seiner <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>reise darin, „Tatsachen zur Erweiterung
                    einer Wissenschaft [zu] sammeln, die noch kaum skizziert ist und ziemlich
                    unbestimmt bald Physik der Welt, bald Theorie der Erde, bald Physikalische
                    Geographie genannt wird.“<note place="foot" xml:id="ftn0001" n="1">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/N8P5PEFB">Humboldt 1991</bibl>, I,
                            10–15.</p>
                    </note> Deshalb sei die Erkundung und Vermessung gerade des Inneren der
                    bereisten Länder wichtig, wodurch sich neue Forschungsfragen ergaben, wie z. B.
                    die Abhängigkeit der Messungen von der Höhe, der Temperatur oder der Refraktion.
                    Humboldt beschrieb die Probleme, unter schwierigsten Bedingungen bei seinen
                    Expeditionen, insbesondere den Flussreisen, Instrumente zu transportieren und zu
                    benutzen und fügte hinzu:
                    „[…
                    die] Wahl der Instrumente wird nicht allein durch den Zweck
                    bestimmt, den man erreichen will, sondern auch durch die Lage, in welcher man zu
                    beobachten hat.“<note place="foot" xml:id="ftn0002" n="2">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            xxj.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0002" n="2">All dies widerspiegelt sich in Humboldts <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>nischen Reisetagebüchern (ART), von denen
                    der erste Band, ART I, hier neu und das erste Mal vollständig veröffentlicht
                    wird.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Unordnung in den Tagebüchern</head>
                <p xml:id="p0003" n="3">Die Tagebücher spiegeln das Wesen der Reise selbst wider:
                    Umwege, scheinbar zielloses Getriebensein, Fragmentarisches
                    ….
                    Das Moment des Unvorhersehbaren einer Forschungsreise zwangsläufig in sich
                    tragend wirken sie wie ein Flickenteppich. Die Herausgeber muss die in diesem
                    scheinbaren Stückwerk durchaus vorhandene Systematik erkennen.</p>
                <p xml:id="p0004" n="4">Man findet eine Mixtur aus chronologischen
                    Expeditionsbeschreibungen, Messreihen, Literaturauszügen, wissenschaftlichen
                    Schlussfolgerungen, persönlichen Beobachtungen und Reflexionen. Vieles davon ist
                    bisher unpubliziert.<note place="foot" xml:id="ftn0003" n="3">
                        <p>
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000010 http://d-nb.info/gnd/1056639911">Margot Faak</persName> hat in ihrer Edition
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl> die
                            reiseschildernden Teile aus den verschiedenen Tagebüchern
                            zusammengestellt.</p>
                    </note> Es ist eine Materialsammlung für seine geplante Edition<note place="foot" xml:id="ftn0004" n="4">
                        <p> Das französische Reisewerk erschien unter dem Gesamttitel: <hi rendition="#i">Voyage aux régions équinoxiales du nouveau continent
                                fait en 1799, 1800, 1801, 1802, 1803 et 1804</hi>, par Al. de
                            Humboldt et <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">A. Bonpland</persName>. 6 Partien
                            in 29 Bänden von 1805 bis 1839.</p>
                    </note>, ein wissenschaftliches Journal oder eine Sammlung von Protokollen der
                    Untersuchungen der Natur. Die Humboldt’schen Reisejournale sind auch Abbild
                    seines Arbeitsstils und der für ihn typischen Wissensorganisation. Spezifisch
                    ist eine vernetzte Textstruktur, die sie besonders für eine digitale Edition
                    prädestiniert: erstens Querverweise innerhalb der Texte selbst, zweitens
                    zwischen den Texten der verschiedenen von ihm während der Reise geführten Hefte,
                    sowie drittens mit weiteren handschriftlichen Texten wie Nachlass und
                    Korrespondenz. Neben dem Haupttext, der auf verschiedenen Seiten manchmal hin-
                    und her-, oder vor- und zurückspringt, gibt es unzählige Randbemerkungen, wobei
                    hier oft die Hierarchie unklar ist. Nicht nur wechselt Haupttext mit Nebentext
                    in den Randbemerkungen, sondern manchmal sind Randbemerkungen ebenfalls als
                    Haupttext zu werten, d. h. zwei hierarchisch gleichwertige Texte laufen
                    parallel. Mehr noch: Es gibt Fälle, in denen ein Haupttext bei seiner
                    Fortsetzung auf einer anderen Seite plötzlich zum Text am Rand, also Nebentext,
                    mutiert, oder umgekehrt.</p>
                <p xml:id="p0005" n="5">Hinzu kommt der unterschiedliche Grad der Bearbeitung durch
                    Humboldt, der sich im Schreibstil der einzelnen Texte äußert. Viele Notizen,
                    beispielsweise Messergebnisse, wurden zeitnah an Ort und Stelle in das Tagebuch
                    eingetragen, andere, wie die daraus resultierenden Berechnungen, zu einem
                    späteren Zeitpunkt der Reise. Humboldt beschrieb später seine Vorgehensweise wie
                    folgt: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Während unserer Reisen auf den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">südamerika</placeName>nischen Strömen und über Land führte ich
                        allerdings ein wenn auch kurz gefaßtes Reisetagebuch; auch beschrieb ich in
                        der Regel, und meist an Ort und Stelle, die Exkursionen […] Allein, dies
                        Tagebuch ward jedesmal unterbrochen, sobald ich mich in der Stadt befand
                        oder durch andere Beschäftigungen an der Fortsetzung […] gehindert wurde […]
                        Meine einzige Absicht dabei war, einige der zerstreuten Ideen festzuhalten,
                        die sich einem Naturforscher, der fast beständig im Freien lebt, darzubieten
                        pflegten, eine Vielzahl von Tatsachen, die ich aus Mangel an Zeit nicht
                        ordnen konnte, vorläufig aufzuzeichnen, und schließlich die ersten
                        angenehmen oder widrigen Eindrücke, welche Natur und Menschen auf mich
                        machten, zu beschreiben.<note place="foot" xml:id="ftn0005" n="5">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/N8P5PEFB">Humboldt 1991</bibl>, I,
                                31.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0006" n="6">Der Mathematiker und Astronom <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Jabbo
                        Oltmanns</persName> hat dann nach der Rückkehr die astronomischen und
                    geodätischen Beobachtungen neu bzw. überhaupt erst berechnet und in der
                    astronomischen Partie des Reisewerks (deutsch<note place="foot" xml:id="ftn0006" n="6">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>.</p>
                    </note> und französisch<note place="foot" xml:id="ftn0007" n="7">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/JUIGPC3H">Humboldt
                                1808–1811</bibl>.</p>
                    </note> jeweils in zwei Bänden) publiziert. Humboldt überließ ihm in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> seine Aufzeichnungen mit den Messdaten,
                    nach denen dieser die Berechnungen der Längen-, Breiten- und Höhenangaben
                    anstellte. So findet man in den Tagebüchern neben Humboldts Notizen auch
                    Randbemerkungen von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>, und es ist zu
                    vermuten, dass auf diesem Weg der Bearbeitung einige Notizen verloren gingen.
                    Ein Hinweis hierauf ist folgende Notiz: „Die 6 fehlenden Blätter enthalten
                    Astronomica, p. 101–112 incl. habe ich zu mir genommen. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>.“<note place="foot" xml:id="ftn0008" n="8">
                        <p>
                            <ref target="http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001527300000294                             ">ART II u. VI, Bl. 152v</ref>.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0007" n="7">Die Astronomiebände des Reisewerks enthalten, so Humboldt,
                    „Originalbeobachtungen, […] barometrische Höhenbestimmungen […] fast 700
                    Ortsbestimmungen des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Neuen Kontinents</placeName>,
                    wovon 235 durch meine eigenen Beobachtungen, nach den Koordinaten der Länge,
                    Breite und Höhe, bestimmt worden sind.“<note place="foot" xml:id="ftn0009" n="9">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/N8P5PEFB">Humboldt 1991</bibl>, I, 23.</p>
                    </note> In den meisten Fällen hat Humboldt aus den Messungen bereits unterwegs
                    die Höhen- oder Ortsbestimmungen selbst berechnet: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Zwey Dritteile der Beobachtungen hatte ich in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">America</placeName> selbst vorläufig berechnet […]. Wenn die von mir in
                        Briefen mitgetheilten Längen von denen abweichen, bei denen Herr <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> stehen bleibt; so liegt der Grund
                        darinn, dass mein Freund alle Beobachtungen zugleich in Rechnung genommen
                        hat, und dass er mit der Schärfe des gelehrtern und geübtern Rechners
                        verfahren ist.<note place="foot" xml:id="ftn0010" n="10">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, viij.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0008" n="8">Weitere Ergebnisse sind in andere Bände des Reisewerks
                    eingeflossen. So gibt es in der französischen Fassung der <hi rendition="#i">Relation historique</hi><note place="foot" xml:id="ftn0011" n="11">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/DR2NAW3J">Humboldt 1814–1825</bibl>.</p>
                    </note> neben der eigentlichen Reiseschilderung die ‚Notes‘, eigenständige
                    Essays zu den Themen: Erscheinungen während der Sonnenfinsternis, Intensität und
                    Flimmern des Sternenlichts, Abweichungen der Beobachtungen durch Refraktion,
                    meteorologische Beobachtungen u. a. Da diese in den deutschen Übersetzungen der
                    Reiseschilderung fehlen, blieben sie weitgehend unbekannt. Hier kann man, ebenso
                    wie auch in den Fußnoten der populären <hi rendition="#i">Ansichten der
                        Natur</hi><note place="foot" xml:id="ftn0012" n="12">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HENFXM3G">Humboldt 1808</bibl>.</p>
                    </note>, zahlreiche Messungen und Beobachtungen aus den Tagebüchern
                    wiederfinden.</p>
                <p xml:id="p0009" n="9">Bei den überlieferten und uns heute bekannten
                    Reisetagebüchern handelt es sich um Neubindungen der originalen Hefte, die
                    Humboldt während seiner Reisen und Aufenthalte in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName> beschrieb. Diese hatte er nämlich offenbar nach der
                    Rückkehr für seine Publikationen auseinander genommen und gegen Ende seines
                    Lebens in 9 Bände neu binden lassen, in der Form, die wir heute kennen.<note place="foot" xml:id="ftn0013" n="13">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/A7RINT6M">Erdmann/Weber 2015</bibl>.</p>
                    </note> Dadurch ging nicht nur die ursprüngliche Ordnung verloren, sondern
                    offensichtlich fehlen auch Teile. Das belegen Neuentdeckungen im
                    Humboldt-Nachlass der Biblioteka Jagiellońska (etwa die sogenannten <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexiko</placeName>-<note place="foot" xml:id="ftn0014" n="14">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/5UIBXW5S">Humboldt 2005</bibl>.</p>
                    </note> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Kuba</placeName>-Tagebücher<note place="foot" xml:id="ftn0015" n="15">
                        <p>
                            <ref target="https://edition-humboldt.de/H0002922">Alexander von Humboldt: Isle de Cube. Antilles en
                                général</ref>.</p>
                    </note>) und in Berlin (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName>-Tagebuch<note place="foot" xml:id="ftn0016" n="16">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/P2JEY3JT">Humboldt
                            2012b</bibl>.</p>
                    </note>), Sprünge innerhalb der Seitenzählung und die bereits erwähnte Notiz von
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> über die Entnahme von
                    Seiten.</p>
                <p xml:id="p0010" n="10">Andererseits befinden sich in den Reisejournalen heute
                    wesentlich mehr Informationen als zur Zeit der Reise. Briefe, Literaturauszüge
                    und Manuskripte anderer Wissenschaftler, Quellen für seine Werke, Entwürfe für
                    eigene Manuskripte hat Humboldt offenbar für eine spätere Verwendung
                    hinzugefügt.</p>
                <p xml:id="p0011" n="11">Nach 1945 galten die Tagebücher lange als verschollen. Sie
                    wurden 1957 aus der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010689 https://www.geonames.org/2017370">Sowjetunion</placeName>, wo sie
                    neu foliiert worden waren, in die
                    DDR
                    zurückgegeben. Dort lagen sie in der <orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0000561 http://d-nb.info/gnd/37101-4">Staatsbibliothek</orgName> der DDR, bis sie 1990 die Eigentümer, die
                    Nachkommen der Familie von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012068 http://d-nb.info/gnd/118554727">Wilhelm von
                        Humboldt</persName> auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009286 https://www.geonames.org/6944096">Schloss Tegel</placeName>,
                    zurück erhielten. Von ihnen erwarb sie 2013 die heutige <orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0000561 http://d-nb.info/gnd/37101-4">Staatsbibliothek zu Berlin</orgName> – Preußischer Kulturbesitz, die –
                    neben der Biblioteka Jagiellońska in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000478 https://www.geonames.org/3094802">Krakau</placeName> – den Humboldt-Nachlass verwahrt.<note place="foot" xml:id="ftn0017" n="17">
                        <p> Genauer zur Geschichte von Nachlass und Tagebüchern vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/A7RINT6M">Erdmann/Weber 2015</bibl>.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0012" n="12">Heute kann man nur aus Indizien wie dem Vergleich zwischen
                    der Humboldt’schen Paginierung und der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009006 https://www.geonames.org/524901">Moskau</placeName>er Foliierung auf die ursprüngliche Anordnung schließen.
                    Weitere Hinweise liefert der „Index général“,<note place="foot" xml:id="ftn0018" n="18">
                        <p> ART V, Bl. 37r (unpubliziert).</p>
                    </note> den Humboldt nach der Rückkehr von der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>reise, am 4. Dezember 1805, als eine Art Register zu
                    seinen Tagebüchern verfasste, vermutlich um sich selbst den Zugang zu seinen
                    Notizen für seine Publikationen zu erleichtern. Hier findet man auf der ersten
                    Seite eine knappe Gesamtübersicht über die ursprünglichen Hefte, Vol. I bis V
                    und IX bis XIV (offensichtlich fehlen die Nummern VI bis VIII in dieser
                    Aufzählung), und die sog. Collectanea A, B, C, D und G sowie auf den folgenden
                    24 Seiten einen alphabetischen Index. Es scheint ursprünglich neben einer
                    chronologischen auch eine systematische Ordnung gegeben zu haben. Beides ist
                    jetzt kaum noch sichtbar. Der originale Inhalt anhand der Humboldt’schen
                    Paginierung kann vollständig erst nach der gesamten Neuedition <hi rendition="#i">aller</hi> Tagebücher rekonstruiert werden.</p>
                <p xml:id="p0013" n="13">In der folgenden Tabelle ist eine Gesamtübersicht versucht
                    worden: in der linken Spalte befindet sich Humboldts Liste im „Index général“,
                    in der rechten die Zuordnung zu den heutigen Tagebüchern, soweit möglich:</p>
                <table>
                    <row role="label">
                        <cell>Humboldts ursprüngliche Tagebücher</cell>
                        <cell>Heutige Tagebücher in 9 Bänden (Inhalt nach Humboldts
                            Aufschriften)</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. I. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>,
                            3.6.–18.11.99.</cell>
                        <cell>I. Voyage d’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Espagne</placeName> aux
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Canaries</placeName> et à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumana</placeName>. Obs[ervations] astron[omiques] de
                            Juin à Oct. 1799.</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. II. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName>
                            18.11.99–22.11.1800.</cell>
                        <cell>III. Voyage de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> à
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007015 https://www.geonames.org/3647444">Calabozo</placeName> et <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009864 https://www.geonames.org/3805673">San
                                Fernando de Apure</placeName> de Nov. 1799 à Mars 1799 </cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol.
                            III. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName> du
                            4–23.9.99.</cell>
                        <cell>II u. VI. 1) Voyage a <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName>
                            1799, [...]</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. V. l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orénoque</placeName>.</cell>
                        <cell>IV. Journal de la navigation sur l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002496 https://www.geonames.org/3649148">Apure</placeName>, l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orénoque</placeName>, le <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017133 https://www.geonames.org/3646290">Cassiquiare</placeName> et le <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001589">Rio
                                Négro</placeName> (Voy[age] par les <lb/><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019563 https://www.geonames.org/3636874">Llanos de Caracas</placeName> à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009864 https://www.geonames.org/3805673">S.
                                Fernando de Apure</placeName>) Statistique de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002525 https://www.geonames.org/3649001">P[un]ta Araya</placeName>.<lb/> II u. VI. 2)
                            Obs[ervations] astr[onomiques] <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002496 https://www.geonames.org/3649148">Apure</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orénoque</placeName>
                            p. 86–98;</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. IV. Voy[age] à la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havane</placeName> du
                            24 Nov.</cell>
                        <cell>V. Reise von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumana</placeName> nach der
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havana</placeName><lb/> (Altes vor der
                            Reise <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005565 https://www.geonames.org/2935022">Dresden</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007962 https://www.geonames.org/2761369">Wien</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009764 https://www.geonames.org/2766824">Salzburg</placeName>).<lb/> II u. VI. 3) <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005163 https://www.geonames.org/3567653">Batabano</placeName> (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Cuba</placeName>) à
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010260">Sinú</placeName>[,]
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007180 https://www.geonames.org/3687247">Carthagène</placeName> et <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009590 https://www.geonames.org/3666577">Turbaco</placeName> 1801;</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>?</cell>
                        <cell>VII a u. b. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008572 https://www.geonames.org/3675679">Rio de la Magdalena</placeName>
                            - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005282 https://www.geonames.org/3688689">Bogota</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010776 https://www.geonames.org/3671087">Quindiù</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008357 https://www.geonames.org/3671916">Popayan</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010783 https://www.geonames.org/3652462">Quito</placeName>
                                (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002477 https://www.geonames.org/3660594">Antisana</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008253 https://www.geonames.org/3657683">Pichincha</placeName>) [...]</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>?</cell>
                        <cell>VII bb u. c. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010783 https://www.geonames.org/3652462">Quito</placeName> [...] -
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002368 https://www.geonames.org/3660798">Alausi</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002643 https://www.geonames.org/3660431">Assuai</placeName>
                            - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007658 https://www.geonames.org/3658666">Cuenca</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011478 https://www.geonames.org/3654667">Loxa</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010499 https://www.geonames.org/3407729">Amazone</placeName>
                            - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007010 https://www.geonames.org/3699088">Caxamarca</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011439 https://www.geonames.org/3936456">Lima</placeName> - [...] <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008357 https://www.geonames.org/3671916">Popayan</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002393 https://www.geonames.org/3690137">Almager</placeName>.<lb/><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008143 https://www.geonames.org/3672779">Pasto</placeName> - <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010783 https://www.geonames.org/3652462">Quito</placeName>
                                (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008143 https://www.geonames.org/3672779">Los
                                Pastos</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007703 https://www.geonames.org/3685431">Cumbal</placeName>)
                            Roches
                            envoyées à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>, p. 5–8. Voyage
                            a <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002393 https://www.geonames.org/3690137">Almaguer</placeName> […]<lb/> II u. VI. 4)
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010783 https://www.geonames.org/3652462">Quito</placeName> 1802
                            Meteor[ologica];</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. IX. signifie le Voy[age] au <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexique</placeName>.</cell>
                        <cell>VIII. Voyage de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011439 https://www.geonames.org/3936456">Lima</placeName> à
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011115 https://www.geonames.org/3657509">Guayaquil</placeName> [...]; Voyage de
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011115 https://www.geonames.org/3657509">Guayaquil</placeName> à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002309 https://www.geonames.org/3533462">Acapulco</placeName> [...]; Observations
                            astronomiques <lb/>du <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexique</placeName>
                            [...]; Chronologie de mes voyages; Les 2 Volcans de la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008418 https://www.geonames.org/3521081">Puebla</placeName> [...]; Voyage d’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002309 https://www.geonames.org/3533462">Acapulco</placeName> à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexico</placeName> [...]; <lb/><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008007 https://www.geonames.org/3522210">Pachuca</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010440 https://www.geonames.org/3523180">Real del
                                Monte</placeName> [...].<lb/> IX. Varia: Obs[ervations]
                            astron[omiques] de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexico</placeName> a
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011027 https://www.geonames.org/4005267">Guanaxuato</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006599 https://www.geonames.org/9516364">Jorullo</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009458 https://www.geonames.org/3515302">Toluca</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009125 https://www.geonames.org/3514783">Veracruz</placeName>,
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Cuba</placeName>, <lb/>Voy[age] de la
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havane</placeName> à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008246 https://www.geonames.org/4560349">Philadelphia</placeName>. Geologie de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011027 https://www.geonames.org/4005267">Guanaxuato</placeName>, Volcans de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006599 https://www.geonames.org/9516364">Jorullo</placeName> et de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009458 https://www.geonames.org/3515302">Toluca</placeName>. <lb/>Voyage de la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009125 https://www.geonames.org/3514783">Veracruz</placeName> à la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havane</placeName> et de la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havane</placeName> à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008246 https://www.geonames.org/4560349">Philadelphie</placeName>. [...]</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. X. le Vol. des Résultats</cell>
                        <cell>?</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. XI. comencé le 20 Oct. 1798 [Abreise von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName>]</cell>
                        <cell>II u. VI. 5) De <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> à
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009499 https://www.geonames.org/2972328">Toulon</placeName> Oct. 1798.</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. XII. le 12 Mars 1805 [Abreise nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010653 https://www.geonames.org/3169070">Rom</placeName>]</cell>
                        <cell>II u. VI. 6) Voy[age] d’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006750 https://www.geonames.org/3175395">Italie</placeName>
                            avec <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013386 http://d-nb.info/gnd/118716581">Gay Lussac</persName>. Obs[ervations]
                            magn[étiques] 1805.</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. XIII. de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008246 https://www.geonames.org/4560349">Phil[adelphia]</placeName> à
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005318 https://www.geonames.org/3031582">Bordeaux</placeName>.</cell>
                        <cell>?</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Vol. XIV. commencé à
                            Come.[10.–14.10.1805
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010653 https://www.geonames.org/3169070">Rom</placeName>-<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005221 https://www.geonames.org/2950159">Berlin</placeName>]</cell>
                        <cell/>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>Feuilles Collectanea A.B.C.D première Année.<lb/> G le petit Cahier
                            fait à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010897 https://www.geonames.org/2918632">Göttingue</placeName> en 1805.</cell>
                        <cell/>
                    </row>
                </table>
                <p xml:id="p0014" n="14">Das heutige Tagebuch I entspricht demnach im Wesentlichen
                    dem ursprünglichen Volume I. Diese stehen in anderen Tagebüchern, aus denen sie
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000010 http://d-nb.info/gnd/1056639911">Faak</persName> in ihre Edition<note place="foot" xml:id="ftn0019" n="19">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>.</p>
                    </note> übernommen hat: von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> nach
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName> in Band II u. VI, die Reise von
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName>, der Aufenthalt dort, der Aufbruch zur <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>reise über <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0016278 https://www.geonames.org/3625341">Villa
                        de Cura</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009083 https://www.geonames.org/3625549">Valencia</placeName>,
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007015 https://www.geonames.org/3647444">Calabozo</placeName> (mit Beschreibung der
                    Zitteraale) in Band III. Die eigentliche <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>reise ist Tagebuch IV vorbehalten. Das „livre des
                    résultats“ (ursprünglich Vol. IX), auf das Humboldt in ART I mehrfach verweist,
                    scheint auseinander genommen und anderen Tagebüchern hinzugefügt oder von
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> entnommen worden zu sein.</p>
            </div>
            <div>
                <head>ART I</head>
                <p xml:id="p0015" n="15">Der erste Band der Tagebücher ist auf dem Einband von
                    Humboldts Hand betitelt: „I Voyage d’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Espagne</placeName> aux <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Canaries</placeName> et à
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>. Obs[ervations] astr[onomiques]
                    de Juin à Oct. 1799“. Er scheint derjenige zu sein, dessen Nummer in heutiger
                    Bandzählung (d. h. nach Humboldts Neubindung) mit dem ursprünglichen (also
                    Volume I bei Humboldt) am ehesten übereinstimmt.<note place="foot" xml:id="ftn0020" n="20">
                        <p> Mit Sicherheit lässt sich das allerdings nur für den ersten Teil (d. h.
                            „Voyage d’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Espagne</placeName> aux <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Canaries</placeName> et à <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>“) sagen; der zweite Teil („Obs[ervations]
                            astr[onomiques] de Juin à Oct. 1799“) könnte zumindest teilweise auch
                            aus dem „Volume des résultats“ (ehemals Band X), stammen, dessen
                            Verbleib unbekannt ist.</p>
                    </note> Diese Tatsache legitimiert die Entscheidung, diesen Band als
                    geschlossene Einheit in ART I zu edieren. Zudem weicht er durch einige
                    inhaltliche Eigenschaften von den Folgebänden ab: </p>
                <list rendition="ordered decimal">
                    <item>Er enthält vergleichsweise viele Messungen und Beobachtungen über die
                        Qualität der Instrumente sowie Diskussionen über die verwendeten Karten. Da
                        das Einmessen und Testen bzw. Überwachen der Instrumente zum Handwerkszeug
                        eines jeden wissenschaftlichen Beobachters zählt, hat Humboldt vermutlich
                        auch deshalb hier mehr zu diesem Themenkreis geschrieben, da er (trotz der
                        intensiven Vorbereitungszeit) noch etwas ungeübt und auch der beobachtete
                        und vermessene außereuropäische Raum neu für ihn war. Später führte er die
                        Messungen natürlich routinierter durch und zudem hatte er auf der langen
                        Seereise viel Zeit und wenig Ablenkung.</item>
                    <item>Der Band enthält auf Bl. 37r–41v unter dem Titel „Plantes de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>“ ca. 70 umfangreiche Beschreibungen
                        von Pflanzen in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, nach Form und
                        Gestalt, dem Verbreitungsgebiet, den Lebensbedingungen und teilweise der
                        Nutzbarkeit für den Menschen in lateinischer Sprache, nicht fortlaufend
                        nummeriert und mit Querverweisen auf <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName>s <hi rendition="#i">Journal botanique</hi>, das
                        dieser separat führte.<note place="foot" xml:id="ftn0021" n="21">
                            <p>
                                Vgl. den <ref target="https://edition-humboldt.de/H0016429">Beitrag von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0017892 http://d-nb.info/gnd/1035382474">Carmen Götz</persName></ref>.</p>
                        </note>
                    </item>
                </list>
                <p xml:id="p0016" n="16">Im Folgenden wird gezeigt, wie sich die verschiedenen
                    Reiseetappen durch das heutige <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>
                    in ART I widerspiegeln.</p>
                <p xml:id="p0017" n="17">Auf der ersten Seite finden sich eine Tabelle mit den
                    Messungen der Jupitertrabanten, Längengrade der ersten Expedition nach
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName> und Literaturauszüge. Auf Bl.
                    2r (bei Humboldt p. 1) beginnt die Reisebeschreibung, überschrieben mit: „An
                    Bord der Pizarro am 8. Juni 99“ von der Abreise in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011312 https://www.geonames.org/3119841">La
                        Coruña</placeName>, über den Aufenthalt auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName>, dann die Seereise bis zur Landung in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> (damals <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001732">Provinz
                        Neu-Andalusien</placeName>, heute <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>). Diese Beschreibung geht etwa bis Bl. 31r
                    (Humboldt’sche Zählung: p. 1–63). Diese Seiten enthalten neben der eigentlichen
                    Reiseschilderung bereits umfangreiche Messungen (Längen- und Breitengrade,
                    Klima, Luft- und Meerwasseruntersuchungen u. a.). In einem zweiten Teil (wie ja
                    schon Humboldts Aufschrift zeigt) folgen weitere Messungen, thematisch
                    gesammelte Notizen und wissenschaftliche Abhandlungen. Jedoch handelt es sich
                    bei den Daten um mehr als nur die für Ortsbestimmungen notwendigen Messreihen,
                    und auch entgegen Humboldts Aufschrift spätere Messungen als nur die bis Oktober
                    1799. Offenbar beinhaltet ART I in diesem Teil Humboldts Aktivitätenprotokolle
                    während seiner drei Aufenthalte in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>:
                        <list rendition="ordered decimal">
                        <item>nach der Ankunft
                            16.
                            Juli – 3. September 1799,</item>
                        <item>nach der Exkursion ins Innere des Landes 24. September – 18. November
                            1799,</item>
                        <item>nach dem Besuch in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> und
                            der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>reise 27. August – 16.
                            November 1800.</item>
                    </list></p>
                <p xml:id="p0018" n="18">Dieser Teil enthält astronomische, meteorologische und
                    geographische Messungen, Beschreibungen der Messinstrumente und Untersuchungen
                    mit detaillierten Angaben, insbesondere zur Sonnenfinsternis am 28. Oktober 1799
                    und den Jupitertrabantenmessungen.</p>
                <p xml:id="p0019" n="19">Neben der Reiseschilderung und den Messreihen, letztere oft
                    in mehrseitigen Tabellen, gibt es in ART I wissenschaftliche Abhandlungen, die
                    in ausgefeiltem, fast schon publikationsreifem Stil Ergebnisse zusammenfassen,
                    meist unter einem Titel. Sie betreffen fast alle Wissensgebiete: Astronomie,
                    Meteorologie, barometrische und hygrometrische Messungen, Geologie, Geographie,
                    Wirtschaft und Handel, Botanik und Pflanzengeographie usw. Dazu gehören
                    beispielsweise:</p>
                <list>
                    <item><hi rendition="#i">Geognosie von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName></hi>, eine geographisch-geologische Übersicht
                        über den nördlichen Teil <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerika</placeName>s
                        mit Hypothesen zur Entstehung der örtlichen Küstenlinien und den Bergketten
                        (Bl. 32r–33r).</item>
                    <item><hi rendition="#i">Provinz <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>
                            und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005121 https://www.geonames.org/3128760">Barcelona</placeName></hi>, eine
                        geologische Beschreibung der südlichen und nördlichen Küstenkordillere der
                        genannten Provinzen (Bl. 56v).</item>
                    <item><hi rendition="#i">Geographie</hi>, eine Aufzählung von Flüssen und
                        Ortschaften der Provinzen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> und
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva Barcelona</placeName>, die dem
                        Gouverneur von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> unterstanden,
                        mit historischen Notizen zur Einrichtung der <hi rendition="#i">Capitania
                            general</hi> und der <hi rendition="#i">Audiencia </hi>in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> 1777 und 1788 (Bl. 47r–v).</item>
                    <item><hi rendition="#i">Sur la lumière des étoiles du Sud</hi>, über
                        Lichtintensität des südlichen Sternenhimmels, und dessen Schönheit, die sich
                        auf die Anordnung der Sternbilder gründe. Zur Messung der Lichtintensität
                        schlug Humboldt hier ein Messgerät und eine spezielle Skalierung vor.<note place="foot" xml:id="ftn0022" n="22">
                            <p> Diese Messungen nahm Humboldt in Note C der Reisebeschreibung
                                („Essais pour déterminer l’intensité relative de la lumière des
                                étoiles“) auf. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/DR2NAW3J">Humboldt
                                    1814–1825</bibl>, I, 624–625.</p>
                        </note></item>
                    <item><hi rendition="#i">Geschichte und Geographie der Pflanzen. Akkerbau</hi>,
                        über den Unterschied in der Ernährungsweise der Menschen weltweit und den
                        Einfluss des Klimas auf den Anbau von Pflanzen, sowie die historische Rolle
                        der Missionen bei der Kultivierung des Landes. (Bl. 50r–55v)</item>
                    <item><hi rendition="#i">Observations de réfractions terrestres</hi>,
                        Zusammenfassung der von Humboldt im Zusammenhang mit der Strahlenbrechung
                        beobachteten Phänomene (Bl. 93v, 75v und 76r). </item>
                    <item><hi rendition="#i">Erdbeben in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName></hi>, Berichte Einheimischer über Erdbeben
                        sowohl aus dem 16. Jahrhundert als auch aus jüngerer Zeit (1766 und
                        1797).</item>
                </list>
                <p xml:id="p0020" n="20">Im Folgenden wird zum besseren Verständnis ein erster
                    Versuch einer Inhaltsanalyse vorgestellt.<note place="foot" xml:id="ftn0023" n="23">
                        <p> Diese kann, wegen der Spezifik der Tagebücher, nur andeutungsweise die
                            Seiten den Daten der Reise zuordnen, denn manche Seiten enthalten
                            undatierte Notizen oder Notizen zu unterschiedlichsten Zeiträumen,
                            insbesondere die Messungen und Experimente während der drei Aufenthalte
                            in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>.</p>
                    </note></p>
                <table>
                    <row role="label">
                        <cell>Datum</cell>
                        <cell>Inhalt</cell>
                        <cell>Bl.-Nr. ART I<lb/>sowj. Zählung</cell>
                        <cell>Bl.-Nr. ART I<lb/>Humboldts Seiten­zählung</cell>
                        <cell>Andere Tage­bücher<note place="foot" xml:id="ftn0024" n="24"> Da die
                                Gesamtanalyse der Inhalte der Tagebücher bisher nur ansatzweise
                                durchgeführt wurde, können die Angaben in dieser Spalte nicht
                                vollständig sein.</note></cell>
                        <cell>Faak-Edition<note place="foot" xml:id="ftn0025" n="25">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>. In
                                    Kap. 1 ist hier der Reiseweg von der Abreise aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> bis nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009499 https://www.geonames.org/2972328">Toulon</placeName> beschrieben.</p>
                            </note></cell>
                        <cell>Messungen aufge­nommen in <lb/><hi rendition="#i">Astro­nomie</hi><note place="foot" xml:id="ftn0026" n="26">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns
                                        1810</bibl>, I.</p>
                            </note> auf den Seiten</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>5.–19.6.1799</cell>
                        <cell>Seereise von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011312 https://www.geonames.org/3119841">La Coruña</placeName> nach den
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Kanaren</placeName></cell>
                        <cell>2r–16v</cell>
                        <cell>1–34</cell>
                        <cell/>
                        <cell>Kap. 2</cell>
                        <cell>25, 34</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>19.6.–25.6.1799</cell>
                        <cell>Aufenthalt auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName></cell>
                        <cell>17r–19v, 66r</cell>
                        <cell>35–40, 135</cell>
                        <cell>einzelne Seiten aus III u IX</cell>
                        <cell>Kap. 2</cell>
                        <cell>29–32, 34</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>25.6.–13.7.1799</cell>
                        <cell>Überfahrt von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010041 https://www.geonames.org/2511174">Santa Cruz de
                                Tenerife</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName></cell>
                        <cell>20r–24r</cell>
                        <cell>41–48</cell>
                        <cell/>
                        <cell>Kap. 3</cell>
                        <cell/>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>14.–15.7.</cell>
                        <cell>Landsichtung u. Fahrt entlang der Küste </cell>
                        <cell>24v–31r</cell>
                        <cell>49–63</cell>
                        <cell/>
                        <cell/>
                        <cell>35–44</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>16.7.–3.9.<lb/>1799</cell>
                        <cell>1. Aufenthalt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName></cell>
                        <cell>31v–33r, 77r–86v, 96r–v</cell>
                        <cell>64–67</cell>
                        <cell/>
                        <cell>Kap. 4</cell>
                        <cell>46–50, 63–66</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>19.–20.8.</cell>
                        <cell>Exkursion auf die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002524 https://www.geonames.org/3649002">Halbinsel
                                Araya</placeName></cell>
                        <cell>62r–65r</cell>
                        <cell>128–134</cell>
                        <cell/>
                        <cell/>
                        <cell>95</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>4.–24.9.1799</cell>
                        <cell>Exkursion nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName> und in die
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007664 https://www.geonames.org/3777905">Guácharo-Höhle</placeName></cell>
                        <cell/>
                        <cell/>
                        <cell>II u. VI,112r–131r, 137r, 155r–157r, 162r<lb/>III, 4v</cell>
                        <cell>Kap. 5</cell>
                        <cell>96–108</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>24.9.–18.11.<lb/>1799</cell>
                        <cell>2. Aufenthalt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName></cell>
                        <cell>33r–57r, 86v–96v</cell>
                        <cell>68–118, 180–196</cell>
                        <cell>III, 58r–v</cell>
                        <cell>Anhang 2</cell>
                        <cell>44, 50–55, 66–82</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>18.–21.11.<lb/>1799</cell>
                        <cell>Von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName></cell>
                        <cell/>
                        <cell/>
                        <cell>III, 1v–5v, 7r–9v</cell>
                        <cell>Kap. 6</cell>
                        <cell>109</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>22.11.<lb/>1799–7.2.1800</cell>
                        <cell>Aufenthalt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName></cell>
                        <cell>55v–56r</cell>
                        <cell>115–116</cell>
                        <cell>III, 7v–10r, 37v–45r, u. einzelne Seiten</cell>
                        <cell>Kap. 7</cell>
                        <cell>111–135</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>8.2.–5.3.1800</cell>
                        <cell>Von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> an den See von
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009086 https://www.geonames.org/3481447">Valencia</placeName> und nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008434 https://www.geonames.org/3629706">Puerto Cabello</placeName></cell>
                        <cell/>
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                        <cell>III, 10–36 u. einzelne Seiten V, 21r–29v</cell>
                        <cell>Kap. 8 u. Anhang 3</cell>
                        <cell>145–162</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>6.3.–27.4.1800</cell>
                        <cell>Durch die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0016373">Llanos</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009864 https://www.geonames.org/3805673">San Fernando de Apure</placeName></cell>
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                        <cell>III, 36r–v, 96r–v u. einzelne Seiten<lb/>IV, 1r–10v u. einzelne
                            Seiten</cell>
                        <cell>Kap. 9</cell>
                        <cell>163-165</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>7.5.–26.6.1800</cell>
                        <cell>Von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009864 https://www.geonames.org/3805673">San Fernando</placeName> auf dem
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002496 https://www.geonames.org/3649148">Apure</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010507 https://www.geonames.org/3689453">Atabapo</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010589 https://www.geonames.org/3631536">Río
                                Negro</placeName> und zurück</cell>
                        <cell>57v–61v, 66v–69v</cell>
                        <cell>121–129, 136–142</cell>
                        <cell>IV, 16r–175v<lb/>II u. VI, 92v–87v<lb/>III, 68r–69v</cell>
                        <cell>Kap. 10–11</cell>
                        <cell>167–225</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>23.7.–26.8.1800</cell>
                        <cell><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva Barcelona</placeName></cell>
                        <cell>56v</cell>
                        <cell>117</cell>
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                        <cell/>
                        <cell>203</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>27.8.–16.11.<lb/>1800</cell>
                        <cell>3. Aufenthalt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName></cell>
                        <cell>57r, 72v–95r</cell>
                        <cell>118, 150–195</cell>
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                        <cell/>
                        <cell>44, 56–61, 85</cell>
                    </row>
                    <row>
                        <cell>17.11.–19.12.<lb/>1800</cell>
                        <cell>Abreise nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Barcelona</placeName> und
                            Überfahrt nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Cuba</placeName></cell>
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                        <cell>V, 1r–20r u. einzelne Seiten<lb/>VII bb u. c, 457r–467v</cell>
                        <cell>Kap. 12</cell>
                        <cell>56–62</cell>
                    </row>
                </table>
            </div>
            <div>
                <head>Orte und Ortsbestimmungen</head>
                <p xml:id="p0021" n="21">Während seiner <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>reise gab es für Humboldt immer wieder besonders
                    wichtige Orte, deren Bedeutung sich an der Vielzahl der Längen- und
                    Breitengradmessungen widerspiegelt, die er an diesen Punkten zur präzisen
                    Ortsbestimmung vornahm.</p>
                <p xml:id="p0022" n="22">Bei der astronomischen Länge musste, um Missverständnisse
                    auszuschließen, immer der Bezugspunkt, d. h. der Nullmeridian, angegeben werden,
                    der verständlicherweise besonders präzise vermessen sein musste. Das war für
                    viele Reisende der wichtige spanische Hafen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0004769 https://www.geonames.org/3123493">Ferrol</placeName><note place="foot" xml:id="ftn0027" n="27">
                        <p> Vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns
                            1810</bibl>, I, 28.</p>
                    </note>, den auch Humboldt im Tagebuch
                    erwähnte.</p>
                <p xml:id="p0023" n="23">Humboldt selbst hatte in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011312 https://www.geonames.org/3119841">La
                        Coruña</placeName> das letzte Mal auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">spanischem
                        Festland</placeName> Messungen vorgenommen<note place="foot" xml:id="ftn0028" n="28">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            25.</p>
                    </note>, vor allem, um noch einmal die Genauigkeit seines Chronometers zu
                    überprüfen. Der Längenunterschied zu <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0004769 https://www.geonames.org/3123493">Ferrol</placeName> war jedoch bekannt, so dass man von einem auf den andern
                    Bezugspunkt schließen konnte.<note place="foot" xml:id="ftn0029" n="29">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            26.</p>
                    </note> Für Humboldt war unterwegs <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>
                    der Bezugsmeridian. So notierte er es im Tagebuch:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Mon Chronomètre et par conséquent tous mes Observat[ions] de longit[ude] ne
                        donnent […] que des différ[ences] de méridiens avec <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>. S’il est question de long[itude]
                        depuis <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> c’est sous la supposition
                        que <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName> est à 24’ 8’’ de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> à l’ouest. (Bl. 81v) </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0024" n="24">Für andere war oft <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006994 https://www.geonames.org/2520600">Cadiz</placeName> der Bezugspunkt für geographische Längen, weshalb
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> die Abstände zwischen den Orten
                    aus anderen Messungen auch diskutierte.<note place="foot" xml:id="ftn0030" n="30">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            26.</p>
                    </note></p>
                <div>
                    <head>Abreise</head>
                    <p xml:id="p0025" n="25">Die Abreise aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName>s Hafen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011312 https://www.geonames.org/3119841">La
                            Coruña</placeName> am 5. Juni 1799 war in Anbetracht der jahrelangen
                        Reisevorbereitungen verständlicherweise aufregend: „Ich dachte bei mir
                        selbst, wie wichtig gerade der Augenblik des Absegelns (das Auslaufen aus
                        dem Hafen) sei […] Mein Auge war fest auf die Küste geheftet.“ (Bl. 2v)</p>
                    <p xml:id="p0026" n="26">Schon am nächsten Tag war</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>[k]eine Spur der Küste natürlich mehr sichtbar. Ein kalter heiterer Tag.
                            Th[ermometer] 10° Himmel sehr blasblau u. weil man keine Gegenstände
                            gegen den Horizont hin sieht, sehr kugelförmig, nicht gedrükt wie auf
                            festem Lande. Ich beobachtete zum ersten Mal den Mittag auf dem Meere
                            und fand viel Schwierigkeit wegen Schwankungen des Schifs um den Punkt
                            des Hor[izonts] der vertical unter der ☉[=Sonne] steht […] (Bl. 3r)</p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0027" n="27">Damit begann der Alltag mit den unzähligen Messungen,
                        die besonders typisch für die Überfahrt, aber dann auch für die gesamte
                        Reise sind.</p>
                </div>
                <div>
                    <head>Kanaren</head>
                    <p xml:id="p0028" n="28">Am 17. Juni 1799 nahm man von fern die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Kanarischen Inseln</placeName> wahr. Der Pilote, an Bord
                        zuständig für die Navigation, befürchtete, die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011367 https://www.geonames.org/2515699/">Insel Lancerote</placeName> nicht zu finden (Bl. 8r), und in der Tat
                        landete man kurz auf der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010900 https://www.geonames.org/2517127">Graciosa</placeName>, wo
                        Humboldt besonders das vulkanische Gestein faszinierte. Dieses Erlebnis
                        zeigte deutlich, wie wichtig präzise Karten und gute Messungen von Länge und
                        Breite waren (Bl. 10r–v).</p>
                    <p xml:id="p0029" n="29"> Weiter auf dem Schiff fertigte Humboldt dann von ferne
                        Profilzeichnungen von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName> an
                        (Bl. 9v) und beschäftigte sich mit der Frage, aus welcher Entfernung man den
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Pico de Teide</placeName> sehen konnte (Bl.
                        14r–v), der immerhin eine Höhe von 3718m<note place="foot" xml:id="ftn0031" n="31">
                            <p> Humboldt maß in dem gebräuchlichen französischen Längenmaß Toisen, 1
                                toise = 1,949 m.</p>
                        </note> hat – ein „Streit, der in der Nähe der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Kanarien</placeName> alles Schiffvolk beschäftigt“ (Bl. 14r). Er
                        skizzierte ein Dreieck für die trigonometrische Berechnung: Hypothenuse =
                        Erdradius plus Höhe des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Teide</placeName>, die
                        beiden Katheten Erdradius und tangentiale Verlängerung des Gesichtsradius
                        und wendete darauf den Satz des Pythagoras an, um zu bestimmen, bis in
                        welche Entfernung der Teide wegen der Erdkrümmung jedenfalls theoretisch
                        hätte sichtbar sein müssen. </p>
                    <p xml:id="p0030" n="30">
                        <figure facs="ARTI/leitner_abb1.jpg">
                            <figDesc>Abb. 1: Ausschnitt <ref target="http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001527100000034">ART I, Bl. 14v; Digitalisat SBB-PK</ref> (CC BY-NC-SA
                                3.0).</figDesc>
                        </figure> Er spekulierte, ob (wie die Erfahrung zeigte) der Wassergehalt der
                        Luft die Sichtbarkeit bzw. den Einfluss der Refraktion auf die Messung
                        erhöhe: „Die Weitsichtigkeit auf dem Meere ist ein sehr seltsames Phänomen.“
                        (Bl. 14v)</p>
                    <p xml:id="p0031" n="31"><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName> wurde
                        traditionell als letzte Landgangmöglichkeit vor der langen Überfahrt
                        besucht. Allerdings konnte Humboldt trotz seiner Ungeduld die Insel nicht
                        gleich betreten, sondern musste auf eine spezielle Erlaubnis des Gouverneurs
                        warten, was ihn „Mismuthig über diese Verzögerung, mismuthig über unseren
                        formliebenden <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Capitaine</persName>“ machte (Bl.
                        16r), denn: „Meine Erwartung an Land zu steigen war sehr gespannt. Seit
                        meiner frühesten Jugend war es einer meiner Lieblingsträume, diese Insel zu
                        betreten. Meine Reisen mit <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000177 http://d-nb.info/gnd/118534416">Georg Forster</persName>
                        hatten diesen Wunsch noch lebhafter gemacht.“ (Bl. 15r)</p>
                    <p xml:id="p0032" n="32">Humboldts Besteigung des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Teide</placeName>, seine erste wissenschaftliche Exkursion, war ein
                        Schlüsselerlebnis. In sein Tagebuch notierte er:</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Sechs Tage lang hielten wir uns auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName>, in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010041 https://www.geonames.org/2511174">St.
                                Croix</placeName>, der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011343 https://www.geonames.org/2515819">Laguna</placeName>,
                            dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008457 https://www.geonames.org/2512196">puerto Orotava</placeName> u. dem
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Pic von Teyde</placeName> auf – die
                            genußreichsten Tage meines Lebens, helle Punkte … In diesen Tagen habe
                            ich so viel gesehen, empfunden u. erfragt, daß ich jezt in der Furcht
                            vieles aus dem Gedächtniß zu verlieren, die Materialien nur flüchtig u.
                            ungeordnet niederschreiben will. Meine Einbildungskraft wird noch
                            mehrere Jahre warm genug bleiben um einst ein nicht unvollständiges Bild
                            des Ganzen daraus zusamenzusezen, um einst andern einen Theil der Freude
                            mitgenießen zu lassen, welchen jene große u. dabei so sanfte u. milde
                            Natur gewährt. (Bl. 15v)</p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0033" n="33">Im Anschluss an seinen Inselaufenthalt wurden während
                        der dreiwöchigen Überfahrt erneut täglich die Länge und Breite bestimmt und
                        mit der „estime“ (Gissung) des Piloten verglichen. Ungenauigkeiten des
                        Piloten seien oft durch Strömungen verursacht, mutmaßte Humboldt.</p>
                    <p xml:id="p0034" n="34">Daneben notierte er weitere ihn interessierende
                        Naturphänomene. Fliegende Fische wurden von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName> anatomiert und eine auffallend große Schwimmblase
                        festgestellt, die, so vermutete Humboldt, das Fliegen ermöglichen würde.
                        Dazu kamen Beobachtungen zur Himmelsbläue, zur Kraft des Sonnenlichts,
                        magnetische Messungen, Temperatur und spezifisches Gewicht des Meerwassers.
                        Erstmals wurde am 27. Juni 1799 der nach Süden fallende Schatten (Bl. 20r)
                        bemerkt, und etwas später, am 4. Juli 1799, das Kreuz des Südens
                        gesichtet.</p>
                </div>
                <div>
                    <head>Landung in Amerika</head>
                    <p xml:id="p0035" n="35">Endlich, am 13. Juli 1799, erblickten sie Land.
                        Allerdings befürchtete die Schiffsbesatzung, in den bekannten, für Schiffe
                        gefährlichen Kanal zwischen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName>
                        und dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019220">Festland</placeName> mit der durch die
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>mündung gefährlichen
                        Strömung zu geraten. Humboldt wurde geweckt – er sollte schnell die
                        Breitengrade bestimmen. Es wurden unterschiedliche Ortsbestimmungen und die
                        offensichtlichen Differenzen zu den mitgeführten Karten diskutiert. Der
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Kapitän</persName> steuerte zu weit gegen
                        Norden, „um <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tobago</placeName> das vor uns lag zu
                        suchen. Dies Land erschien nicht, aber die See ging bei Regenschauern
                        fürchterlich schwarz und hoch.“ (Bl. 24r–v). In der <hi rendition="#i">Astronomie</hi> schrieb <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>: </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Der 13. July entschied zum Vortheil der Längenuhr. Man sah um 6 Uhr
                            Morgens ein gebirgigtes Land, welches man mit Unrecht für <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> hielt. Nach dem Log (estime) war
                            die Fregatte unterm 10° 52′ der Breite. Herr von Humboldt fand durch
                            einzelne Sonnenhöhen 11° 1′; so stark war die nördliche Strömung
                            gewesen. Er beobachtete den Mittag an der nördlichen Küste von
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tabago</placeName>, und 2′ von derselben
                            entfernt. ‚Ich fand (so bemerkt er in seinem Manuscripte) durch
                            verschiedene Aufnahmen […] die Breite des nordöstlichen Caps von
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tabago</placeName> […].‘<note place="foot" xml:id="ftn0032" n="32">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns
                                        1810</bibl>, I, 36.</p>
                            </note></p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0036" n="36"><persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> nannte
                        hier als Quelle dieses und weiterer Zitate Humboldts Manuskript, wobei die
                        Herkunft nicht ganz sicher ist: Vielleicht waren sie Humboldts knappen
                        Notizen in ART I entlehnt und in lesbaren Text umgewandelt, vielleicht
                        stammten sie aus dem oft erwähnten <hi rendition="#i">Journal
                            astronomique</hi><note place="foot" xml:id="ftn0033" n="33">
                            <p>Gemeint ist wohl eines der unterwegs geführten Hefte, evtl. das
                                „Journal des résultats“.</p>
                        </note> oder aus der <hi rendition="#i">Monatlichen Correpondenz</hi>, in
                        der Zach Nachrichten aus Humboldts Briefen publizierte.<note place="foot" xml:id="ftn0034" n="34">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 31.</p>
                        </note>
                    </p>
                    <p xml:id="p0037" n="37">Die Präzisierung der Lage der vor dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">venezolanischen
                            Festland</placeName> liegenden Inseln war für die
                        Seefahrt von hoher Bedeutung. Auf einer unscharfen Bleistiftskizze zeichnete
                        Humboldt die Umrisse der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel
                            Trinidad</placeName> mit ihrer typisch viereckigen Form, markierte die
                        Namen der Landspitzen von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> und
                        ergänzte historische Notizen zur Entdeckung durch <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013144 http://d-nb.info/gnd/118564994">Kolumbus</persName> am 31. Juli 1498. Wegen der oft falsch
                        überlieferten Bezeichnungen dieser Kaps war es unsicher, welche Orte
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013144 http://d-nb.info/gnd/118564994">Kolumbus</persName> bei seiner Ankunft in
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName> zuerst gesichtet hatte.
                        (Bl. 35r)<note place="foot" xml:id="ftn0035" n="35">
                            <p> Vgl. auch
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UJ6EDRVI">Humboldt
                                1836–1852</bibl>, I, 256–261.</p>
                        </note></p>
                </div>
                <div>
                    <head>Cumaná</head>
                    <p xml:id="p0038" n="38"><placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, wo das
                        Schiff dann endlich
                        am
                        16. Juli 1799 landete, wurde für Humboldt in vieler
                        Hinsicht ein bedeutender Ort. Dreimal verbrachte Humboldt längere Zeit dort,
                        insgesamt etwa sechs Monate. Dieser lange Aufenthalt war jedoch nicht
                        geplant:
                        Ursprünglich
                        sollte das Schiff, die <hi rendition="#i">Pizarro</hi>, nur in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> anlegen und sofort weiter nach
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Kuba</placeName> segeln.<note place="foot" xml:id="ftn0036" n="36">
                            <p> Humboldt an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0006403 http://d-nb.info/gnd/117387436">Karl Ludwig
                                    Willdenow</persName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002516 https://www.geonames.org/3129857">Aranjuez</placeName>,
                                20. April 1799; <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011312 https://www.geonames.org/3119841">La
                                    Coruña</placeName>, 5. Juni 1799 (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/WFDJIWK6">Humboldt 1973</bibl>, 664).</p>
                        </note> Wegen einer auf dem Schiff ausgebrochenen, ansteckenden Krankheit,
                        an der ein junger mitreisender Spanier starb, entschlossen sich Humboldt und
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName>, in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> an Land zu gehen. Humboldt
                        konstatierte: </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Aus Besorgnis vor dem ansteckenden Fieber, welches auf dem Pizarro
                            ausbrach, waren wir an dieser Küste geblieben, unbekannt, ohne
                            irgendeine Empfehlung, selbst ohne Geld, in der Absicht, innerhalb 2–3
                            Monathen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> und die von
                                <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004125 http://d-nb.info/gnd/118556452">Jacquin</persName> beschriebene Vegetation
                            zu sehen […]. Wie weit haben wir uns von diesem Plane entfernt!<note place="foot" xml:id="ftn0037" n="37">
                                <p> ART V, Bl. 2r, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 391.
                                    Aus diesem offenbar im Nachhinein geschriebenen, die Erlebnisse
                                    in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>
                                    zusammenfassenden
                                    Artikel
                                    unter dem Titel „Voyage de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva
                                        Barcelona</placeName> à la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havane</placeName>, nov. et déc. 1800“; <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>,
                                    391–393, stammen die folgenden Zitate. Vgl. auch ART I, Bl.
                                    29v.</p>
                            </note></p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0039" n="39">Während des ersten Aufenthalts maß Humboldt
                        korrespondierende Sonnenhöhen, die vor allem der Überprüfung des
                        Chronometers zur Genauigkeit der mitgenommenen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>er Zeit galten, um eine präzise Messung der Ortszeit
                        zu garantieren. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> berechnete,
                        dass der Chronometer nur 7 Sekunden nachging!<note place="foot" xml:id="ftn0038" n="38">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 50.</p>
                        </note>
                    </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> lebten wir sehr, sehr
                            fleißig und häuslich, nur durch die neugierigen Besuche der Einwohner
                            […] gestört. Wir besuchten die umliegende Gegend […]<note place="foot" xml:id="ftn0039" n="39">
                                <p> ART V, Bl. 2v, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>,
                                    392.</p>
                            </note></p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0040" n="40">Nach der ersten längeren Exkursion, mit der Besteigung
                        des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009569 https://www.geonames.org/3796848">Tumuriquiri</placeName> und dem Besuch der
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007664 https://www.geonames.org/3777905">Guacharo-Höhle</placeName>, planten Humboldt
                        und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName> eigentlich nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> zurückzukehren, um in Richtung
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> weiterzureisen. Aber die
                        auf Humboldt ausgestellten Geldwechsel waren wegen der ursprünglichen
                        Reiseplanung nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Kuba</placeName> gesandt worden,
                        und inzwischen hatte Humboldt vor Ort bereits Schulden. Sollten sie
                        schnellstmöglich versuchen, nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000494 https://www.geonames.org/3562981">Kuba</placeName>
                        zu gelangen, oder noch abwarten? „Bald wünschte ich, den Ort zu verlassen,
                        den mir eine so peinliche Lage verhaßt machte, bald schmerzte es mich, eines
                        elenden Geldgeschäfts wegen in seinen Plänen gestört zu werden, dem
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName> so nahe ihn nicht gesehen
                        zu haben.“ In dieser finanziell angespannten Situation verbrachten sie drei
                        Wochen, die nicht zu den „süssesten meines Lebens gehörten.“<note place="foot" xml:id="ftn0040" n="40">
                            <p> ART III, Bl. 3v, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 166.</p>
                        </note></p>
                    <p xml:id="p0041" n="41">Aber letztendlich verschaffte gerade dieser ungeplante
                        Aufschub Humboldt besondere wissenschaftliche Chancen: </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Dieser Geldmangel und diese Ungewißheit hielt mich nun bis zum 18ten
                            November in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> zurück, sie
                            zwang mich, die Sonnenfinsternis zu beobachten, sie verschaffte mir
                            Gelegenheit, Augenzeuge eines heftigen Erdbebens zu sein und in einer
                            Gesellschaft nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> zu
                            reisen, die für meine dortige gute Aufnahme und angenehme Existenz
                            wichtig wurde. So wundersam sind Ursache und Wirkung in einem
                            Menschenleben verwebt.<note place="foot" xml:id="ftn0041" n="41">
                                <p> ART III, Bl. 2r–3r, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt
                                    2000</bibl>,165–166.</p>
                            </note>
                        </p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0042" n="42">In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> sind
                        vermutlich die meisten der Eintragungen des zweiten Teils von ART I
                            entstanden<note place="foot" xml:id="ftn0042" n="42">
                            <p> Nicht alle Eintragungen lassen sich datieren, es ist jedoch
                                überliefert, dass Humboldt oft in den größeren Orten die längeren
                                Passagen seines Tagebuchs schrieb.</p>
                        </note>, denn nun hatte Humboldt Zeit, sich intensiv mit Experimenten und
                        Beobachtungen zu beschäftigen. Eine Zusammenfassung der Messungen während
                        des ersten Aufenthalts findet man auf Bl. 79v, und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> schrieb später: </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Er bestimmte die geographische Position dieses für die Schiffahrt so
                            wichtigen Punktes, durch seinen vortrefflichen Chronometer von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003296 http://d-nb.info/gnd/117589500">Louis Berthoud</persName>, durch Monds-Abstände,
                            durch eine Sonnenfinsterniss, durch eine Reihe von
                            Jupiters-Satelliten-Verfinsterungen und durch beobachtete Sonnen- und
                                Sternhöhen.<note place="foot" xml:id="ftn0043" n="43">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns
                                        1810</bibl>, I, 35.</p>
                            </note>
                        </p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0043" n="43">Als herausragendes astronomisches Ereignis erlebte
                        Humboldt die Sonnenfinsternis am
                        28.
                        Oktober 1799 in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>. Da sie angekündigt worden war, konnte Humboldt sich
                        gründlich darauf vorbereiten: In den Tagen davor prüfte er erneut den
                        exakten Gang des Chronometers, maß die magnetische Inklination und notierte
                        die Begleitumstände wie z. B. nächtliche Gewitter und einen Überfall am
                        Strand (Bl. 87v). Diese Passage des Tagebuchs hat <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> wieder als Zitat in die Astronomie übernommen. Die
                        lange Beobachtung der Sonnenfinsternis (10½ Stunden!) erzeugte
                        Augenentzündungen und Sonnenbrand (Bl. 88r). Allerdings nahm Humboldt diese
                        gesundheitlichen Gefahren nicht ernst, da diese Sonnenfinsternis etwas
                        Besonderes bedeutete. Denn er vermutete, dass seine Beobachtung die einzige
                        in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Lateinamerika</placeName> sein würde. Zudem bot
                        sie einen Vergleich zu einer früheren Erfahrung: die erste Sonnenfinsternis
                        hatte er 1797 mit seinem Lehrer Johann Gottfried <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0001407 http://d-nb.info/gnd/117527858">Köhler</persName> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005565 https://www.geonames.org/2935022">Dresden</placeName>
                        beobachtet. Auf Bl. 89v und 90r befindet sich ein Protokoll seiner
                        Messungen. Die dazugehörigen Skizzen zeigen den Stand der teilweise
                        verdeckten Sonne im Fadenkreuz des Quadranten (Quart de Circle) und die
                        dazugehörige Chronometerzeit. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>
                        übernahm diese Beobachtungen in die Astronomie und berechnete aus Humboldts
                        Werten die Länge von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>.</p>
                    <p xml:id="p0044" n="44">Eine Mondfinsternis war für den 2. Oktober 1800
                        vorausgesagt worden, konnte aber wegen Regen nicht beobachtet werden. Hinzu
                        kamen in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> Beobachtungen zu Ebbe
                        und Flut (Bl. 42r), Wind (Bl. 70v), Regen (Bl. 73v), Gewitter (Bl. 48v),
                        Sonnenflecken (Bl. 88v), Halonen (d. h. leuchtende Ringe am Himmel) (Bl.
                        82v), Sonnenkraft (d. h. die Differenz der Temperatur in Sonne und
                        Schatten), Luftfeuchte (Bl. 57r) und Informationen, die er vor Ort erhielt,
                        beispielsweise zu den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">südamerika</placeName>nischen Jaguaren, die Humboldt <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">amerika</placeName>nische Tiger nannte (Bl. 35r),
                        Wirtschaft und Handel (Bl. 70r–v), Medizinpflanzen (Bl. 75r), Zahlen zur
                        Statistik: Einwohnerzahlen, Handelsvolumen, Tabakanbau (Bl. 35v).</p>
                </div>
                <div>
                    <head>Unterwegs</head>
                    <p xml:id="p0045" n="45">Endlich, am
                        18.
                        November 1799 ging es weiter zu Schiff nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName>, wo die Reisenden bis zum
                        7.
                        Februar 1800 blieben. Nun wurden die umliegenden Berge
                        bestiegen und Exkursionen ins Umland unternommen. Von hier starteten sie
                        auch ihre <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>reise, bei der rund
                        2250 km auf Flüssen zurückgelegt wurden. Über <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva Barcelona</placeName> wurde die Rückreise zum dritten Aufenthalt
                        in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> angetreten.</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">N[ueva] Barcelona</placeName> blieben wir
                            fast einen Monath, vom 23. Jul[ius] bis 26. Aug[ust], im Hause des
                            reichen und guthmüthigen D[o]n <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004379">Pedro
                                Lavie</persName>, den wir während seiner Gefangenschaft und Anklage
                            (wegen revolution) schon in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> gekannt. Auf der Rückreise von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Barcelona</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> nahm uns ein Corsar von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006784 https://www.geonames.org/5969423">Halifax</placeName> gefangen. Da er sich in der Nähe
                            der Fregatte (Slo<hi rendition="#u">o</hi>p) the Hawke befand, lud uns
                            der Commandant, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Cap[itän] John
                                Garnier</persName>, der mit <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0002767 http://d-nb.info/gnd/119121581">Vancoover</persName> um die Welt gereist war, sogleich an Bord,
                            überhäufte mich mit Höflichkeit […] In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> harrten wir nun zwei Monathe lang auf den
                            Correo, der schon drei Monathe fehlte. Diese Zwischenzeit diente, alle
                            meine astronom[ischen] Beobachtungen zu berechnen. Wir wohnten nun in
                            dem Hause des D[o]n <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013976">Pasqal Martinez</persName>,
                            wo die trefflichen azoteas [Dachterrassen] mir sehr die astronom[ischen]
                            Beobachtungen erleichterten. Wir aßen täglich im Hause des <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0005924 https://d-nb.info/gnd/1283602474">Gouv[erneurs] Emparan</persName>. Da schlechterdings
                            kein Correo aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> ankam, so
                            waren wir sehr froh, in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Barcelona</placeName>
                            ein halb-<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Am[erika</placeName>nisches] Schiff
                            zu finden, […] Wir reisten am 16ten Nov[ember] von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> ab, wo ich meine Gesundheit (die
                            im <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010589 https://www.geonames.org/3631536">Río Negro</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017279 https://www.geonames.org/8129028">Alto Orinoco</placeName> gelitten) dergestalt
                            herstellte, dass ich vielleicht nie, nie so robust und stark war als
                            jetzt. Die halbe Stadt begleitete uns an die Küste. Es war eine schöne,
                            mondhelle Nacht. Die brisa (Ostwind) wehte so stark, daß wir in 6
                            Stunden schon am <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005123 https://www.geonames.org/3648557">Morro von
                                Barcelona</placeName> vor Anker lagen.<note place="foot" xml:id="ftn0044" n="44">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>,
                                    392–393; vgl. auch <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/KHE8NKNA">Humboldt 1859–1860</bibl>, 
                                    <ref target="https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_aequinoktial04_1859/280">IV, 272-273</ref>.</p>
                            </note></p>
                    </quote>
                </div>
            </div>
            <div>
                <head>Instrumente und Calcul</head>
                <p xml:id="p0046" n="46">Bereits aus der ersten Zeit in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> hatte Humboldt Messergebnisse an seine europäischen
                    Kollegen gesandt, zu denen die bedeutendsten Astronomen wie <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015220 http://d-nb.info/gnd/119151456">Franz Xaver von Zach</persName> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010896 https://www.geonames.org/2918752">Gotha</placeName> und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">Jean-Baptiste-Joseph
                        Delambre</persName> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> gehörten.
                    Mit beiden verband ihn eine längere Beziehung aus der Zeit der
                    Reisevorbereitungen, wobei der Kontakt zu <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015220 http://d-nb.info/gnd/119151456">Zach</persName> nur schriftlich, nicht durch ein persönliches Treffen
                    erfolgt war. Ihm verdanke er erste Anregungen zur Beschäftigung mit Astronomie: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Meine Neigung zur praktischen Astronomie hat seitdem mit jedem Jahre
                        zugenommen. Einsamkeit, Pracht des südlichen Himmels, Ruhe der Wälder, haben
                        mich an eine Arbeit gefesselt, der ich vielleicht während meines Aufenthalts
                        in dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">neuen Continente</placeName> mehr Zeit
                        gewidmet habe, als ich, bei der grossen Mannigfaltigkeit von Gegenständen,
                        die den Reisenden umgeben, hätte thun sollen.<note place="foot" xml:id="ftn0045" n="45">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, VII. Zu <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015220 http://d-nb.info/gnd/119151456">Zach</persName>s Einfluss auf
                                Humboldt vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/AUR86QP4">Biermann
                                    1990</bibl>,
                                188–192.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0047" n="47">1798, bereits in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0004801 https://www.geonames.org/3017382">Frankreich</placeName>, lernte Humboldt <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">Delambre</persName> kennen, als er ihn für zwei Tage bei seinen
                    Gradmessungen zur Festlegung des Urmeters begleitete. Er sah dann später auf
                    Humboldts Bitte das Manuskript der französischen <hi rendition="#i">Astronomie</hi> durch und schrieb einen kleinen Beitrag. Im Gegenzug
                    widmete Humboldt ihm dieses Werk, die deutsche Ausgabe dagegen <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015220 http://d-nb.info/gnd/119151456">Zach</persName>, dem er am
                    1.
                    September 1799 aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> eine erste Schilderung seiner Reise sandte: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>[…] haben Sie besonders Nachsicht mit meinen astronomischen Arbeiten.
                        Bedenken Sie, dass dies nur ein Nebenzweck meiner Reise ist, daß ich ein
                        Anfänger in der Astronomie bin und erst seit zwei Jahren mit Instrumenten
                        umzugehen gelernt habe […].<note place="foot" xml:id="ftn0046" n="46">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 32.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0048" n="48">Auch an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">Delambre</persName>
                    schickte er mehrere Berichte seiner Messungen, auf die er sich im Tagebuch
                    bezog. Einer dieser Briefe
                    (12.
                    Mai 1799) enthielt Humboldts Messungen aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>, die sonst nirgends mehr verfügbar sind,
                    da Humboldts Notizen dazu verloren gingen. Dieser Brief ist zwar nur
                    auszugsweise im Druck überliefert,<note place="foot" xml:id="ftn0047" n="47">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/WFDJIWK6">Humboldt 1973</bibl>, 666.</p>
                    </note>
                    <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> hatte jedoch den Inhalt in die <hi rendition="#i">Astronomie</hi> aufgenommen: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Die astronomischen Beobachtungen, welche Herr von Humboldt zu <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>, […] westlich von der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019926">Plaza
                            major</placeName>
                        angestellt hat, sind sämmtlich verloren gegangen. Wir kennen nur ihre
                        Resultate […] nach einem von Herrn von Humboldt […] an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">de Lambre</persName> geschriebenen Briefe […]<note place="foot" xml:id="ftn0048" n="48">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 20.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0049" n="49">Humboldts eigentlicher Lehrer vor der Reise war jedoch
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0001407 http://d-nb.info/gnd/117527858">Johann Gottfried Köhler</persName> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005565 https://www.geonames.org/2935022">Dresden</placeName>. Hier hatte er im Juni/Juli 1797 die
                    Methoden der astronomischen Ortsbestimmungen erlernt.<note place="foot" xml:id="ftn0049" n="49">
                        <p> ART V, Bl. 64r–119v, vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand
                                2015</bibl>, 38 und <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ISG24UUF">Leitner
                                2005</bibl>, 42.</p>
                    </note> Notizen im Tagebuch belegen, dass sein wichtigstes Lehrbuch in dieser
                    Zeit <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003443 http://d-nb.info/gnd/116232897">Johann Gottlieb Friedrich
                        Bohnenberger</persName>s<note place="foot" xml:id="ftn0050" n="50">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/SDHDNTIT">Bohnenberger
                                1795</bibl>.</p>
                    </note>
                    <hi rendition="#i">Anleitung zur geographischen Ortsbestimmung</hi> war.</p>
                <p xml:id="p0050" n="50">Für die Ortsbestimmungen (Länge und Breite) verwendete
                    Humboldt einen Chronometer („garde temps“) von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003296 http://d-nb.info/gnd/117589500">Berthoud</persName>, der während der Reise die Vergleichszeit anzeigte.
                    Dieses offenbar extrem zuverlässige und wertvolle Gerät hatte Humboldt von
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName> erworben, den er bereits 1798 in
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> kennen gelernt hatte. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName> hatte 1771 im Auftrag der <orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0016786 http://d-nb.info/gnd/35019-9">Académie des Sciences</orgName> eine Seereise zu den
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002641 https://www.geonames.org/3373385">Azoren</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000359 https://www.geonames.org/3374766">Kapverden</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Kanaren</placeName>
                    unternommen, um die Tauglichkeit von Längenuhren zu überprüfen.<note place="foot" xml:id="ftn0051" n="51">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/JUIGPC3H">Humboldt
                            1808–1811</bibl>, I, xxiij. Genauer vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 32, und <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/K72W6S3Q">Kortum 2001</bibl>.</p>
                    </note> Sein Werk<note place="foot" xml:id="ftn0052" n="52">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/7FSZQ2IZ">Borda 1778</bibl>.</p>
                    </note> enthält nicht nur seine Reisebeschreibung, sondern auch Erläuterungen zu
                    den verwendeten Instrumenten und der Methodik (z. B. ‚Des Méthodes pour
                    déterminer la latitude‘ und ‚Des Méthodes pour déterminer la longitude‘), auf
                    die Humboldt sich in seinen Tagebüchern bezieht.</p>
                <p xml:id="p0051" n="51">Daneben spielten optische Geräte zur Messung der Gestirne
                    und zur Winkelmessung (Fernrohre, Sextanten) sowie künstliche Horizonte eine
                    Rolle, zum Beispiel ein Quadrant (Viertelkreis, Quart de circle) des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011492 https://www.geonames.org/2643743">London</placeName>er Instrumentenmachers <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003359 http://d-nb.info/gnd/1019732032">John Bird</persName>, den Humboldt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014072 https://d-nb.info/gnd/1282666592">Megnié</persName> erworben hatte. Wenn im Tagebuch nach einer Winkelangabe
                    kurz „<persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003359 http://d-nb.info/gnd/1019732032">Bird</persName>“ steht, handelt es sich um die
                    Angabe, womit gemessen wurde: „Bird signife le Quart de circle du <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003359 http://d-nb.info/gnd/1019732032">Bird</persName> …“ so Humboldt zur Erklärung in seinen
                    Hinweisen über die angewandten Verfahren und Instrumente für den Fall, dass er
                    nicht nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europa</placeName> zurückkehren sollte: „Au
                    cas que je ne retourne pas moi-même en <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europe</placeName> pour calculer mes observations“ (Bl. 80r). Für den
                    Sextanten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000728 http://d-nb.info/gnd/117686573">Ramsden</persName> steht im Tagebuch
                    dagegen nur kurz: Sextant (Bl. 78v). Unter der Überschrift „Observations
                    astronomiques faites en <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amérique</placeName> depuis le
                    28 Juillet 99“ (Bl. 78r) berichtet das Tagebuch über die Korrektur des
                    Quadranten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003359 http://d-nb.info/gnd/1019732032">Bird</persName> durch den Vergleich mit
                    dem Sextanten, der allerdings auch kontrolliert und korrigiert werden musste. Er
                    hätte jedoch eine größere Genauigkeit (Fehler seit <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>: 8 Sekunden) als der Quadrant (Fehler mehr als 8
                    Minuten!) bewiesen. Später soll er den Quadranten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003359 http://d-nb.info/gnd/1019732032">Bird</persName> als unnützen Ballast an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012842 http://d-nb.info/gnd/119212609">Caldas</persName> gesandt haben<note place="foot" xml:id="ftn0053" n="53">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 39.</p>
                    </note> Humboldt besaß auch einen Multiplikationsspiegelkreis („cercle
                    répétiteur à réflexion“) von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName>.<note place="foot" xml:id="ftn0054" n="54">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 20 und 41.</p>
                    </note> (Bl. 78r–v). Daneben erwähnte Humboldt noch den Dosen- oder
                    „Snuffbox“-Sextanten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004064 http://d-nb.info/gnd/1325954543">Throughton</persName>, den er
                    wegen seiner praktischen Handhabung sehr lobte, und der trotz seiner geringen
                    Größe über eine erstaunliche Genauigkeit verfüge.<note place="foot" xml:id="ftn0055" n="55">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 40.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0052" n="52">Im Folgenden sollen einige Beispiele aus den Tagebüchern
                    Humboldts Messungen und die darauf fußenden Berechnungen erläutern.</p>
                <p xml:id="p0053" n="53">Eine seiner wichtigsten Aufgaben während der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amerika</placeName>reise sah Humboldt in den geodätischen
                    Vermessungen zur Herstellung präziser Karten, die er in den Atlanten des
                    Reisewerks drucken ließ.</p>
                <div>
                    <head>Längen und Breiten</head>
                    <p xml:id="p0054" n="54">Für Breiten- und Längengradbestimmungen wurden vor
                        allem Winkel- und Zeitmessungen benötigt. Für die Berechnung der Breite
                        wurde der Meridiandurchgang der Sonne oder von Sternen gemessen und mit
                        Sternkatalogen verglichen, man verwendete also den Stand der Sonne (oder
                        nachts von Sternen) zum Zeitpunkt ihrer Kulmination. Außerdem wurden
                        astronomische Ereignisse (Mondabstände, Durchgänge von Planeten oder des
                        Mondes durch die Sonne, Jupitersatelliten, Sonnen- und Mondfinsternisse
                        u. a.) gemessen, mit den Sternkatalogen verglichen und aus der Zeitdifferenz
                        die Länge bestimmt. Dafür waren regelmäßig publizierte Ephemeridenwerke
                        notwendig.</p>
                    <p xml:id="p0055" n="55">Gleich zu Beginn der Reise beschrieb er sein Vorgehen
                        bei einer Messung:</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Ich beobachtete zum ersten Mal den Mittag auf dem Meere und fand viel
                            Schwierigkeit wegen Schwankungen des Schifs u. dem Punkt des Horizonts,
                            der vertical unter der Sonne steht. (Bl. 2v)</p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0056" n="56">Den Mittag beobachten heißt, mit dem Sextanten den
                        Höhenwinkel zum Zeitpunkt der Kulmination der Sonne zu messen. Zum
                        Einstellen des Sextanten benötigt man den vertikal unter der Sonne stehenden
                        Punkt am Horizont (bzw. an Land mittels des künstlichen Horizonts). Um genau
                        den Höchststand der Sonne zu finden, misst man kurze Zeit vor dem erwarteten
                        Mittag und ebenso kurze Zeit danach. Logischerweise ist das Mittel zwischen
                        diesen sog. korrespondierenden Höhen genauer bei größerem Zeitabstand,
                        weshalb Humboldt hier zu Recht bemerkte, dass nur 2 Sekunden vor Mittag sehr
                        schlecht sei. Aus dem Höhenwinkel zur Zeit der Kulmination folgt direkt die
                        geographische Breite, die Länge dagegen aus dem Abstand der gemessenen
                        Ortszeit und der mitgenommenen Zeit auf dem Chronometer („garde-temps“). Der
                        Bezugspunkt der Länge, die ja immer als Abstand verstanden werden muss,
                        sollte also stets angegeben werden.<note place="foot" xml:id="ftn0056" n="56">
                            <p> Üblich waren <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006994 https://www.geonames.org/2520600">Cadix</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005624 https://www.geonames.org/2516747">Ferro</placeName> (<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005624 https://www.geonames.org/2516747">El
                                    Hierro</placeName>), <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName> (Humboldt) und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010917 https://www.geonames.org/2647937">Greenwich</placeName>, heute nur noch <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010917 https://www.geonames.org/2647937">Greenwich</placeName>.</p>
                        </note> In die Berechnung muss nun noch die Differenz zwischen wahrer (der
                        tatsächlich gemessenen) und mittlerer Zeit (Mittelwert der jahreszeitlichen
                        bzw. täglichen Variationen) aufgenommen werden<note place="foot" xml:id="ftn0057" n="57">
                            <p> Da die Bewegung der Erde um die Sonne und die Erdrotation sowohl
                                täglichen also auch jahreszeitlichen Schwankungen unterliegt, wird
                                durch die sog. „Zeitgleichung“ die tatsächlich gemessene Zeit
                                korrigiert.</p>
                        </note>. Die Messung der Kulmination der Sonne führte man praktischerweise
                        zu zweit aus: eine Person (<persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName>)
                        sagte die Zeit in kurzen Abständen an, die andere nahm die Messung des
                        Sonnenstandes mit dem Sextanten vor, vor Mittag bis kurz nach Mittag,
                        jeweils Ortszeit.</p>
                    <p xml:id="p0057" n="57">Die korrespondierenden Höhen mussten in einem nicht zu
                        kleinen zeitlichen Abstand von demselben Punkt aus gemessen werden, was
                        natürlich unterwegs auf dem schwankenden und sich fortbewegenden Schiff
                        weitaus schwieriger war. Deshalb hatte <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012370 https://d-nb.info/gnd/1089515790">Cornelis
                            Douwes</persName> eine Korrekturmethode entwickelt, welche die
                        inzwischen zurückgelegte Entfernung berücksichtigte. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> nahm Humboldts Messungen der
                        Überfahrt nicht auf, denn sie sind ja für „Land-“Karten nicht von Belang.
                        Allerdings erwähnte Humboldt in einem Brief nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> seinen Plan, eine Seekarte mit Dichte und Temperatur
                        des Wassers anfertigen zu wollen.<note place="foot" xml:id="ftn0058" n="58">
                            <p> Humboldt an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004271 http://d-nb.info/gnd/104234059">Lalande</persName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName>, 14. Dezember 1799 (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 47).</p>
                        </note></p>
                    <p xml:id="p0058" n="58">Der Pilote bestimmte üblicherweise die Lage des
                        Schiffes durch eine einfachere Methode, der sog. Koppelnavigation: Mit dem
                        Log (Loch), wurde die Fahrgeschwindigkeit gemessen, daraus (und der Zeit)
                        die zurückgelegte Entfernung berechnet, die täglich in eine Seekarte
                        (Logbuch, Reduktionsquadrant) eingetragen wurde. Humboldt verglich während
                        der Überfahrt diese Methode mit seiner eigenen, fand seine jedoch wesentlich
                        genauer. Differenzen erklärte er aus der schwer kalkulierbaren Abdrift des
                        Schiffes durch Strömungen (z. B. Malstrom, Bl. 22r und 23r).</p>
                    <p xml:id="p0059" n="59">Während der Wartezeit auf der Mole von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009724">Sainte Croix</placeName> ermittelte er am
                        19.
                        Juni 1799 den Abstand von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> und notierte hier nicht nur die Messungen und das
                        Ergebnis der Berechnung, sondern auch die Rechnung selbst: Aus der
                        Doppelmessung des Stundenwinkels mit dem Sextanten folgt, mit den
                        Korrekturen durch Zeitgleichung, Refraktion, Kollimationsfehler des
                        Sextanten, Höhe des Standorts der Stundenwinkel und aus diesem, wenn
                        Humboldt nun noch den leicht verspäteten Gang seines Chronometers seit
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> (retard 4′ 13″
                        bis
                        5. Juni, von 5.–19. Juni täglich 1′ 2″) mit
                        einberechnete, erhielt er die astronomische Länge von 1<hi rendition="#sup">h</hi> 14′ 14″ bezogen auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName>
                        bzw. 24′ 8″ auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName> (Bl. 16v).</p>
                    <p xml:id="p0060" n="60">Für die Exkursionen im Inland von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>,
                        vor allem während der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>fahrt,
                        hat Humboldt eine andere Methode verwendet, da hier die Sonnenhöhen schwer
                        messbar waren. Später betonte er die besondere Bedeutung der präzisen
                        Berechnung der Lage von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> vor
                        allem deshalb, weil sich die Längenbestimmungen während der beiden
                        Inlandsexkursionen darauf stützten.<note place="foot" xml:id="ftn0059" n="59">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 189.</p>
                        </note> Dafür benutzte Humboldt alle ihm zur Verfügung stehenden
                        Methoden:</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Ich habe gesucht, so viel ich konnte, alle Längen-Methoden zugleich
                            anzuwenden; Abstände des Mondes von der Sonne und den Fixsternen,
                            Jupiters-Trabanten, Sonnen- und Mond-Finsternisse.</p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0061" n="61">Die Längen der Orte der Exkursionen konnten dann
                        lediglich mittels Chronometerabständen bestimmt werden, vgl. „Des longitudes
                        observées dans le Voyage de l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orenoque</placeName>
                        et du <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001589">Rio Negro</placeName>“ (Bl. 58v–61v sowie
                        66v–69v und der Rest auf Bl. 57v). Auf die erste Seite des Tagebuchs
                        notierte er zusammenfassend die Ergebnisse seiner chronometrischen Messungen
                        auf dem Weg von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007163 https://www.geonames.org/3777740">Caripe</placeName> (mit Besuch der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007664 https://www.geonames.org/3777905">Guacharo-Höhle</placeName>) im September 1799 (Bl.
                        1r).</p>
                    <p xml:id="p0062" n="62">Noch wichtiger, vor allem zur Bestimmung der Länge und
                        auch, um den Gang des Chronometers zu kontrollieren, waren jedoch
                        vorausberechnete Himmelsereignisse. Bei den Jupitertrabantenmessungen wurden
                        die Zeitpunkte der Eintritte der Jupitermonde in seinen Schatten gemessen
                        (Bl. 1r). „Die Beobachtungen wurden sämmtlich mit einem <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012337 http://d-nb.info/gnd/117650390">Dollond</persName>schen Fernrohr
                        vom
                        95maliger Vergrösserung angestellt. Herr von Humboldt beobachtete zu
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> eine Reihe von Ein- und
                        Austritten […]“ schrieb <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> in der
                            <hi rendition="#i">Astronomie</hi>, zitierte aus Humboldts Tagebuch zur
                        Qualität der Beobachtung („bonne“ oder „très belle, bandes très-claires,
                        quoique la lune fût assez près de la planète“ u. a. und berechnete daraus
                        die Länge von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, die von der
                        Humboldt’schen Berechnung nur um einige Sekunden abwich. Außerdem fügte er
                        europäische Beobachtungen hinzu, die so die Ermittlung des Abstands von
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> erlaubten. Laut <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> hat <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">Delambre</persName> persönlich einige der Humboldt’schen Beobachtungen
                        mit seinen Tafeln verglichen und Differenzen von 7–8 Sekunden für den
                        Zeitraum
                        27.
                        September — 27. Oktober 1799 festgestellt. Berechnungen
                        anderer Wissenschaftler zeigen für die letzten Trabanteneintritte noch
                        größere Fehler. <note place="foot" xml:id="ftn0060" n="60">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 79–85.</p>
                        </note></p>
                    <p xml:id="p0063" n="63">Humboldt hatte seine Daten kurz vor der Abreise aus
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012189 http://d-nb.info/gnd/118878913">Delambre</persName> mit den begleitenden Worten gesandt: </p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Auf der bereits ein Jahr währenden Reise bestimmte ich 54 Orte in
                                <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerika</placeName> nach den Breiten
                            und Längen, erstere größtenteils von der Mittagshöhe der beiden Gestirne
                            abgeleitet, letztere entweder durch Distanzen des Mondes zur Sonne und
                            zu den Sternen oder durch das Chronometer und die Stundenwinkel. Ich bin
                            dabei, die Karte der von mir bereisten Gebiete zu entwerfen.<note place="foot" xml:id="ftn0061" n="61">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>,
                                    84.</p>
                            </note>
                        </p>
                    </quote>
                </div>
                <div>
                    <head>Höhen</head>
                    <p xml:id="p0064" n="64">Höhenbestimmungen ergaben sich ebenfalls aus
                        Winkelmessungen. Mit einer Basislinie und zwei Winkeln am Anfang und Ende
                        der Linie kann man leicht mit Hilfe einfacher Trigonometrie die Höhe
                        berechnen. So vermaß Humboldt (vermutlich zu Beginn seines Aufenthalts in
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>) den Berg <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017555 https://www.geonames.org/3648310">Brigantín</placeName>, der der höchste der von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> sichtbaren Berge sei, und notierte die
                        Messung unter dem Titel: „Höhe der Berge.“ (Bl. 31v). In diesem Fall maß
                        Humboldt zwei Basen: einmal eine durch Zählung der Schritte, dann eine
                        präzis gemessene, um zu sehen, als wie groß sich der Unterschied in der Höhe
                        herausstellte. Er schloss daraus, dass der recht geringe Unterschied von 200
                        Fuß für einen Geognosten (im Gegensatz zum Kartographen) eine noch
                        erträgliche Unschärfe bedeute, da er die Aussagen über Lagerungen von
                        Gesteinen, dem Themengebiet des Geognosten, nicht beeinträchtigen würde.</p>
                    <p xml:id="p0065" n="65">Häufiger verwendete Humboldt jedoch zur Höhenbestimmung
                        die barometrische Methode<note place="foot" xml:id="ftn0062" n="62">
                            <p> Genaue Beschreibung vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand
                                    2015</bibl>, 45.</p>
                        </note>. Humboldt verwendete die Höhenformel von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004665 http://d-nb.info/gnd/104137932">Deluc</persName>, bei der die Höhe des Standortes über dem Meer, die
                        Differenz zwischen Lufttemperatur vor Ort und über dem Meer sowie die des
                        Luftdrucks einflossen, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> dagegen
                        später die Höhenformel von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004323 http://d-nb.info/gnd/118726536">Laplace</persName>. Er
                        kam damit zu deutlich besseren Ergebnissen. Humboldt hat auch die
                        barometrische mit der trigonometrischen Methode kombiniert, wie der Aufstieg
                        auf den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006680 https://www.geonames.org/3639391">Berg Imposíbile</placeName> auf dem Weg
                        zur <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007664 https://www.geonames.org/3777905">Guácharo-Höhle</placeName> am
                        4.
                        September 1799 zeigt. Vom
                        Gipfel maß er die Winkel zu einigen sichtbaren Punkten in der Entfernung:
                        „Da die Sonne im Untergehen begriffen war, nahm ich schnell […] Sonnenhöhen
                        […] und bestieg dann den höchsten Gipfel, um dort zur refractionsbestimmung
                        den Untergang der Sonne zu beobachten.“ Aus der Barometermessung auf dem
                        Gipfel ermittelte er dann die Höhe und schwärmte von der Aussicht. Leider
                        wurde es dunkel, so dass nur noch wenige Winkelmessungen möglich waren. Im
                        Tagebuch liest man dann:</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p>Die Nacht überaus sternhell u. kalt. Th[ermometer] 16°. Reisende hatten
                            in der Nähe den Wald in Brand gestekt. Die Flamme in Rauch gehüllt
                            gewährte einen wunderschönen Anblik. Ich wollte die Culmination des
                            Fomalhaut […] zur Breitenbestimung abwarten. Der Schlaf überraschte
                            mich. Ich erwachte zu spät u. verlor über nivellirung des Horizonts die
                            wenigen Min. welche zur Beob[achtung] übrig waren. Ich ging mismuthig zu
                            Bette.
                            (Bl.
                            31v)</p>
                    </quote>
                </div>
                <div>
                    <head>Magnetismus</head>
                    <p xml:id="p0066" n="66">Schon sehr früh hatte Humboldt sich für die Messung des
                        Erdmagnetismus interessiert. Erste Anregungen erhielt er wohl von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName>, der, so Humboldt, lange geglaubt hatte,
                        dass die magnetische Intensität überall identisch sei. Durch
                        unterschiedliche Messwerte während seiner Reisen war er jedoch selbst in
                        Zweifel geraten und hatte Humboldt aufgefordert, sich mit dieser Frage zu
                            beschäftigen.<note place="foot" xml:id="ftn0063" n="63">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 45.</p>
                        </note> Eine Randbemerkung (Bl. 2r) bestätigt, dass sich Humboldt von Beginn
                        der Reise dieser Frage widmete. Er maß vor allem auf See wohl täglich die
                        Oszillationen der Magnetnadel (ein Äquivalent der magnetischen Intensität
                        bzw. Kraft) sowie die Abweichungen: horizontal (Deklination) und vertikal
                        (Inklination) und konstatierte schon auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName>, dass die Intensität der Deklination nicht
                        proportional sei.<note place="foot" xml:id="ftn0064" n="64">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 28.</p>
                        </note> In einem Brief, in dem er die gemessenen Werte dieser drei Parameter
                        für verschiedene Orte in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>
                        nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> sandte, schlußfolgerte er,
                        dass die Intensität ortsabhängig, aber dort dann immer gleich sei: „[…] sie
                        scheint wie die Anziehungskraft oder die Schwerkraft konstant zu sein.“<note place="foot" xml:id="ftn0065" n="65">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 45.</p>
                        </note> Den <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName>’schen
                        Inklinationskompass, von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004447 http://d-nb.info/gnd/117639826">Le Noir</persName>
                        konstruiert, hatte Humboldt vom
                            <hi rendition="#i"><orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0019987 https://d-nb.info/gnd/35930-0">Bureau de
                                Longitudes</orgName> de
                            France</hi>
                            erhalten<note place="foot" xml:id="ftn0066" n="66">
                            <p>Nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/K72W6S3Q">Kortum 2001</bibl>, und
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 51.
                                Genaue Beschreibung des Geräts vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 52.</p>
                        </note>, und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014072 https://d-nb.info/gnd/1282666592">Megnié</persName> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName> hatte ihn etwas vereinfacht<note place="foot" xml:id="ftn0067" n="67">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>, 28.</p>
                        </note>. Leider gab es Probleme mit der Reibung und auf See mit den
                        Schwankungen des Schiffs. Ausführlich beschrieb Humboldt im Tagebuch das
                        Thema unter dem Titel „Observations d’Inclinaisons magnétiques“ (Bl. 93r und
                        75v–76r) und nach der Rückkehr in einer Publikation.<note place="foot" xml:id="ftn0068" n="68">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/T89PMEEF">Humboldt/Biot 1804</bibl>.</p>
                        </note></p>
                </div>
                <div>
                    <head>Refraktion</head>
                    <p xml:id="p0067" n="67">Bei der Messungen des Sonnenuntergangs unterwegs (Bl.
                        3v) diente die Zeitdifferenz zwischen dem Eintritt der Sonne in den Horizont
                        (unterer Limbus) und ihrem Verschwinden (oberer Limbus) offenbar auch zur
                        Bestimmung der Refraktion (Strahlenbrechung). Die Differenz durch die
                        bogenförmige Krümmung des Lichtstrahls bewirkt eine unterschiedliche
                        Wahrnehmung. Die Beeinflussung der Messungen durch Refraktion in den Tropen
                        war ein Thema, das Humboldt im weiteren Verlauf der Reise und damit im
                        Tagebuch ausführlich behandelte. So schrieb er am
                        1.
                        September 1799 aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> an <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015220 http://d-nb.info/gnd/119151456">Zach</persName>:</p>
                    <quote rendition="block">
                        <p> Ich beschäftige mich jetzt mit dem Problem, warum die Strahlenbrechung
                            in dem heissen Erdgürtel geringer als bei uns ist. Die Hitze kann nicht
                            allein die Ursache hiervon sein. Die Hygrometrie spielt dabei eine große
                            Rolle, und ich glaube, daß die große Feuchtigkeit dieses Erdstriches die
                            Strahlenbrechung vermindere. Die Dünste haben Einfluß auf die Lichtbahn,
                            und das Licht (Licht ohne Wärme) hat hinwieder auf die Bestandteile und
                            die Zersetzung des Wassers seinen Einfluß.<note place="foot" xml:id="ftn0069" n="69">
                                <p>
                                    <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/HNEDDSXH">Humboldt 1999</bibl>,
                                    29.</p>
                            </note>
                        </p>
                    </quote>
                    <p xml:id="p0068" n="68">
                        <figure facs="ARTI/leitner_abb2.jpg">
                            <figDesc>Abb. 2: Ausschnitt <ref target="http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB0001527100000205">ART I, Bl. 94r; Digitalisat SBB-PK</ref> (CC BY-NC-SA
                                3.0).</figDesc>
                        </figure> Vermutlich auch deshalb (und nicht nur für die Untersuchungen des
                        tropischen Klimas) gibt es in ART I derart viele Messungen zur
                        Luftfeuchtigkeit sowie die Experimente zur Verdunstung, die Humboldt während
                        seines dritten Aufenthalts in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>
                        vom
                        8.
                        September — 10. Oktober 1800 unter Berücksichtigung von
                        Wärme- und Lichteinwirkung, Tageszeit, Luftfeuchtigkeit und Wind unternahm.
                        Die Versuche wurden mit unterschiedlichen Gefäßmaterialien und -formen
                        (Porzellan, Glas, kugel- oder zylinderförmig) mehrfach durchgeführt (Bl.
                        72v–73r). Humboldts wissenschaftliche Abhandlung in ART I „Observations de
                        réfraction terrestre“ (Bl. 93v, 75v und 76r) fasste die in diesem
                        Zusammenhang beobachteten Phänomene zusammen. Während des dritten
                        Aufenthalts in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> hatte er, wie
                        bereits erwähnt, auf der Terrasse seines Gastgebers perfekte Bedingungen für
                        Winkelmessungen (Höhenwinkel von fünf sichtbaren Bergen). Durch
                        Luftspiegelungen erschienen entfernte Gegenstände höher, manche Inseln
                        schienen zu schweben oder wurden verzerrt wahrgenommen. Humboldt notierte
                        seine Beobachtungen, Messungen und Vermutungen zu dieser Thematik, wie z. B.
                        die veränderte Größe von entfernten Inseln oder den Einfluss auf
                        Höhenmessungen. Luftspiegelungen hatte er bereits während der Rundreise
                        zuvor, insbesondere in den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019563 https://www.geonames.org/3636874">Llanos</placeName> bei
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009864 https://www.geonames.org/3805673">San Fernando de Apure</placeName>, bei
                        flirrender Hitze, oder bei der Schifffahrt von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva Barcelona</placeName> nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007134 https://www.geonames.org/3646738">Caracas</placeName> registriert. In den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0016373">Llanos de Calabozo</placeName> hatte man sogar schwebende Kühe sehen
                        können! (Bl. 93v–94r) </p>
                    <p xml:id="p0069" n="69">Die Notizen aus den Tagebüchern hat er später fast
                        wörtlich in die Reisebeschreibung aufgenommen<note place="foot" xml:id="ftn0070" n="70">
                            <p> „Note D. Observations faites sur le mirage et la dépression variable
                                de l’horizon de la mer“, <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/DR2NAW3J">Humboldt 1814–1825</bibl>, I, 625–631.</p>
                        </note>.</p>
                </div>
            </div>
            <div>
                <head>Genauigkeit und Information</head>
                <p xml:id="p0070" n="70">Da für Humboldt präzises Messen und die Erfassung von Daten
                    zur späteren Herstellung von Karten höchste Priorität hatte, nehmen in seinen
                    Tagebüchern die Diskussionen über die Genauigkeit seiner Instrumente, die
                    verwendeten Mess- und Berechnungsmethoden im Vergleich, die Kritik an den
                    benutzten Karten und vor Ort erhaltenen Informationen sehr viel Raum ein.</p>
                <p xml:id="p0071" n="71">Eine wichtige Aufgabe, die Humboldt unterwegs nie
                    vernachlässigte, war die Überprüfung seines Chronometers durch
                    Sonnenhöhenmessungen. Viele Seiten des Tagebuchs sind diesem Thema gewidmet, und
                    sehr oft äußert sich Humboldt lobend über seinen Gang. So befindet sich
                    beispielsweise auf Bl. 77r unter der Überschrift „Marche du Chronomètre n. 27 de
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003296 http://d-nb.info/gnd/117589500">Louis Berthoud</persName> depuis le Départ de
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>“ eine Tabelle mit der
                    ansteigenden Minutenzahl, um die sein Chronometer vom 8. Mai bis 15. November
                    1799 nachging. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> fasste später
                    zusammen: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>[…] mir schien daher eine tägliche Verspätigung in Bewegung von 2″ die
                        wahrscheinlichste zu seyn. Soviel hatte auch Herr von Humboldt dafür
                        gerechnet, dessen Annahme sich auf weitere Beobachtungen gründete, die aber
                        […] verloren gegangen sind.“<note place="foot" xml:id="ftn0071" n="71">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 32.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0072" n="72">Diese Bemerkung bezieht sich auf den Lauf des Chronometers
                    in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName>.</p>
                <p xml:id="p0073" n="73">Unter der Überschrift „Astronomie“ versuchte Humboldt,
                    vermutlich während seines zweiten Aufenthalts in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, eine Zwischenbilanz über den Gang seines Chronometers
                    nach einem Jahr Benutzung zu ziehen. Das Instrument, so bestätigte er, verfüge
                    über eine große Widerstandsfähigkeit gegen ungleichmäßige Bewegung, Stöße,
                    Temperaturschwankungen. Wenn doch eine Veränderung aufgrund von äußeren
                    Einwirkungen auftreten würde, bliebe diese dann jedoch relativ stetig, d. h.
                    kalkulierbar, wie schon Borda ihm beim Verkauf vorausgesagt hatte (Bl. 79r). Bis
                    zum Ende der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>reise ging das Gerät
                    tagelang um dieselbe Sekundenzahl nach (retard). Wegen der auf dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName> nicht möglichen Kontrolle durch
                    Sonnenhöhen maß Humboldt jeweils zweimal auf der Hin- und Rückreise (Bl.
                    66v–69r).</p>
                <p xml:id="p0074" n="74">Humboldt hat zwar in seinen Publikationen die auf der Reise
                    verwendeten Instrumente aufgezählt<note place="foot" xml:id="ftn0072" n="72">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/DR2NAW3J">Humboldt 1814–1825</bibl>, I, 58,
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                            I, x-xj.</p>
                    </note>, jedoch bedauerlicherweise nicht die mitgenommenen Druckwerke oder
                    andere Quellen. Diese Informationen kann man eigentlich nur aus den
                    Tagebuchnotizen erschließen. Es scheint, dass er eine Art Tafelwerk
                    (Logarithmentafeln) zur Vereinfachung seiner trigonometrischen Berechnungen mit
                    sich führte. Wichtig waren auch die Ephemeriden, die Humboldt durch den
                    Vergleich mit seinen Messungen ebenfalls für Längenbestimmungen dienten. Er
                    hatte zwar vor der Reise zwei Nummern der <hi rendition="#i">Connaissance des
                        temps</hi> erwerben können<note place="foot" xml:id="ftn0073" n="73">
                        <p> ART II u. VI, Bl. 108v.</p>
                    </note>, britische Tafeln jedoch wegen der Konkurrenz der verfeindeten Seemächte
                    erst durch einen glücklichen Zufall unterwegs bekommen. Wie bereits erwähnt, war
                    Humboldt auf der Fahrt von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva Barcelona</placeName>
                    nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> (dem dritten Aufenthalt dort)
                    von Seepiraten gefangen genommen und durch einen glücklichen Zufall einem
                    britischen Schiff übergeben worden, auf dem er in dem <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Kapitän</persName> einen gebildeten und wegen seiner Reisen in Geographie
                    bewanderten
                    Mann
                    antraf:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>alles, was ich ihm von den großen Katarakten bei <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002620 https://www.geonames.org/3648789">Atures</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008589 https://www.geonames.org/3675650">Maipures</placeName>,
                        von der Gabelteilung des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoko</placeName> und
                        von seiner Verbindung mit dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010499 https://www.geonames.org/3407729">Amazonenstrom</placeName> erzählte, schien ihn höchlich zu
                        interessieren.[…] Seit einem Jahre war ich nicht mehr mit so vielen
                        unterrichteten Männern beisammen gewesen. Man war aus den englischen
                        Zeitungen über den Zweck meiner Reise im allgemeinen unterrichtet; man
                        bewies mir großes Zutrauen und ich erhielt mein Nachtlager im Zimmer des
                        Kapitäns. Beim Abschied wurde ich mit den Jahrgängen der astronomischen
                        Ephemeriden beschenkt, die ich in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0004801 https://www.geonames.org/3017382">Frankreich</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> nicht hatte bekommen können. Kapitän <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Garnier</persName> habe ich die Trabantenbeobachtungen zu
                        verdanken […] <note place="foot" xml:id="ftn0074" n="74">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/KHE8NKNA">Humboldt 1859–1860</bibl>,
                                    <ref target="https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_aequinoktial04_1859/281">IV, 273</ref>. Vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I, 92, und <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UQGSA7CH">Brand 2015</bibl>, 33.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0075" n="75">In den jährlich vom britischen Astronomen <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013992 http://d-nb.info/gnd/118903217">Nevil Mascelyne</persName> herausgegebenen Tafeln <hi rendition="#i">The Nautical Almanac and Astronomical Ephemers</hi>, konnte
                    man genaue Daten zu Himmelsereignissen in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010917 https://www.geonames.org/2647937">Greenwich</placeName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008129 https://www.geonames.org/2988507">Paris</placeName> oder
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName> nachschlagen. Wenn man
                    dieselben dann mit der Ortszeit maß (wie Humboldt die Trabanten des Jupiter),
                    konnte man aus diesem Zeitvergleich die Länge berechnen oder bei mitgenommener
                    Bezugszeit die Genauigkeit des Chronometers kontrollieren. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Garnier</persName> zeigte Humboldt an diesem Abend auch eine
                    englische Karte der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel Trinidad</placeName> (Bl.
                    84v).</p>
                <p xml:id="p0076" n="76">Zum Teil konnte Humboldt auch Publikationen seiner
                    Vorgänger auf dieser Reise nutzen. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName>,
                    der während seiner zweiten Reise auch <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013159 http://d-nb.info/gnd/118522027">Cook</persName>
                    auf den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000346 https://www.geonames.org/2593110">Kanaren</placeName> traf und 1772 ebenfalls
                    auf den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Teide</placeName> gestiegen war, war für
                    Humboldts <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName>-Exkursion und die
                    Kartographie dieser Region die wichtigste Autorität. Humboldt zitiert in ART I
                    mehrfach aus dessen Reisewerk und der dazugehörigen Karte<note place="foot" xml:id="ftn0075" n="75">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/7FSZQ2IZ">Borda 1778</bibl> mit „Carte
                            réduite d’une partie de l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002602 https://www.geonames.org/3373405">Océan
                                atlantique</placeName> […]“.</p>
                    </note>. Auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName> erfuhr Humboldt vom
                    Tod seines <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Mentors und Lehrers</persName> am 20.
                    Februar 1799.<note place="foot" xml:id="ftn0076" n="76">
                        <p> Vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/K72W6S3Q">Kortum 2001</bibl>.</p>
                    </note> Er verglich seine Messungen vor <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009313 https://www.geonames.org/2510529">Teneriffa</placeName> mit denen von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003490 http://d-nb.info/gnd/11762084X">Borda</persName> und konstatierte „eine gewiss bewundernswürdige
                    Übereinstimmung“ (Bl. 16v), wogegen <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>
                    später diese „Harmonie doch nichts mehr als ein Zufall“ nannte.<note place="foot" xml:id="ftn0077" n="77">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            30.</p>
                    </note> Kritisch beurteilt Humboldt jedoch <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013159 http://d-nb.info/gnd/118522027">Cooks</persName> Ergebnisse (Bl. 17r)<note place="foot" xml:id="ftn0078" n="78">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            31.</p>
                    </note>.</p>
                <p xml:id="p0077" n="77">Besonders viele Vergleiche mit Vorgängern gibt es bei der
                    Landsichtung 12. Juli 1799 bis zur Landung in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> am 16. Juli 1799. Wie beschrieben gab es Probleme,
                    zwischen den vielen dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019220">Festland</placeName>
                    vorgelagerten Inseln den richtigen und ungefährlichen Weg zu finden. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> zitierte erneut aus Humboldts
                    Tagebuch:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Herrn von Humboldts Manuscripte enthalten folgende Bemerkung: „Nichts ist für
                        die Schiffahrt von grösserer Wichtigkeit, als die richtige Lage des
                        östlichen Caps von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tabago</placeName> und die der
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010795 https://www.geonames.org/3574532">Punta de la Galera</placeName> auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName>. Denn alle aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europa</placeName> kommende und nach den Häfen des festen
                        Landes von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerica</placeName> oder nach den
                        Inseln unter dem Winde bestimmte Schiffe müssen den Canal zwischen
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tobago</placeName> passiren. Diese beyden Inseln sind das
                        erste Land von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">America</placeName>, das sich dem
                        Auge darbietet. Ein Seefahrer hat sich sehr in Acht zu nehmen, nicht in
                        seiner Ansicht zu irren; denn nimmt er z. B. <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> für <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tabago</placeName>
                        […] so läuft er grosse Gefahr, seinen Irrthum theuer zu bezahlen. Er wird in
                        die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005270 https://www.geonames.org/3574622">Boca de Dragos</placeName> gerathen, wo der
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Oronoco</placeName> sich mit wüthendem
                        Ungestüm in den Ocean stürzt. Diese Gefahr ist umso grösser, da die meisten
                        von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europa</placeName> kommenden Schiffer, die
                        ihre Länge nach dem Log bestimmen, ihrer Lage sehr ungewiss sind. Die lange
                        Dauer der Fahrt […] kann um so eher einen Fehler von 3°–4° zuwege bringen,
                        da die östliche Strömung vom 44. Grade an sehr stark ist. Man erblickt das
                        Land zwey Tage früher, als man es vermuthete, und die Ströme führen einen
                        schon gegen die unbekannte Küste. Hinzu kommt noch, dass wegen des
                        beständigen Regens […] die Sonne oft in drey bis vier Tagen nicht zum
                        Vorschein kommt […] In dieser kritischen Lage sollten genaue
                        Ortsbestimmungen denjenigen zu Hülfe kommen, die ihre eigene Länge
                        chronometrisch oder durch Mondsdistanzen kennen.</p>
                </quote>
                <p xml:id="p0078" n="78">Es folgen die Angaben der Fehler der verschiedenen Karten
                    der Region, die Humboldt verwendete.</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Es ist schwer zu begreiffen, wie die Lage so wichtiger Puncte so lange hat
                        zweiffelhaft bleiben können, wie man so lange nicht gewusst hat, ob man, von
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europa</placeName> kommend, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tabago</placeName> früher oder später als <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> erblicke […]<note place="foot" xml:id="ftn0079" n="79">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 39–41, offenbar von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName>
                                aus Humboldts Tagebuch ART I übernommen (Bl. 84v).</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0079" n="79">Das Zitat wurde offensichtlich nach einer längeren Passage
                    in ART I verfasst (Bl. 83v).</p>
                <p xml:id="p0080" n="80">Zur Diskussion über die Verwechslung der Inseln <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tobago</placeName> folgen im Tagebuch Notizen zu den damals bei der Marine
                    gebräuchlichen Karten, zum Teil in Randbemerkungen (was bedeutet, dass sie
                    eventuell nach der Rückkehr eingetragen wurden). Leider würden die Karten
                    manchmal die Konfusion eher vermehren. Humboldt verwendete unterwegs und
                    diskutierte in ART I folgende Karten:</p>
                <list>
                    <head>Französische Karten:</head>
                    <item>„<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Amérique Méridionale</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/DQM98KH6">Anville 1748</bibl>),</item>
                    <item>„Carte réduite des parties connues du globe terrestre“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/UZEVTSHA">Bellin 1755</bibl>),</item>
                    <item>„Carte réduite du <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008842 https://www.geonames.org/3523271">golfe du Mexique</placeName>
                        et des isles de l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">Amérique</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EUIJT3BN">Bellin 1774</bibl>),</item>
                    <item>„Atlas de toutes les parties connues du globe terrestre“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EN3BXAXK">Bonne 1782</bibl>),</item>
                    <item>„Carte générale de l’<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002602 https://www.geonames.org/3373405">Océan
                            Atlantique</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/IFCTJH8A">Carte
                            générale 1786–1792</bibl>).</item>
                </list>
                <list>
                    <head>Spanische Karten:</head>
                    <item>„Mapa geográfica de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">América
                            Meridional</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/X9QR2FSN">La Cruz
                            Cano y Olmedilla 1775</bibl>),</item>
                    <item>„Mapa Coro-gráfico de la <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001732">Nueva
                            Andalucía</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/FCZ3Q7ZG">Surville
                            1778</bibl>),</item>
                    <item>„Mapa y plano del
                        Seno
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008847 https://www.geonames.org/3996063">Mexicano</placeName>“
                            (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/4W3N8I7W">San Martín Suárez
                            1787</bibl>),</item>
                    <item>„Situationsplan vom <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Oronoco</placeName> bis
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008377">Portobelo</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005071 https://www.geonames.org/3572887">Bahama</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ICQR2XX5">Caymaxi 1788</bibl>),</item>
                    <item>„Carta esférica de las <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002471 https://www.geonames.org/3491552">Islas
                            Antillas</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/MV4KHMDG">Churruca/Fidalgo 1802</bibl>),</item>
                    <item>„Atlas Marítimo de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">España</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/4ZMDINDX">Tofiño
                            de San Miguel 1789</bibl>).</item>
                </list>
                <list>
                    <head>Englische Karten:</head>
                    <item>„Chart Of The <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007952 https://www.geonames.org/3571219">West Indies</placeName> And
                        Spanish Dominions In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001698 https://www.geonames.org/7729890">North America</placeName>“
                            (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/NWIDFAJK">Arrowsmith 1803</bibl>),</item>
                    <item>„A New Map of the Island of <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/NJPRRVMK">Faden
                            1797</bibl>),</item>
                    <item>„<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007952 https://www.geonames.org/3571219">West-India</placeName> Atlas“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/4WBQAM9G">Jefferys 1783</bibl>) und „A complete
                        Pilot for the <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007952 https://www.geonames.org/3571219">West-Indies</placeName>“ (<bibl corresp="https://edition-humboldt.de/TYJWXFX8">Jefferys 1792</bibl>).</item>
                </list>
                <p xml:id="p0081" n="81">Karten sind ebenso wie die Methodik der Ortsbestimmungen
                    ein immer wiederkehrendes Thema in Humboldts Tagebüchern. Manche Karten waren
                    nur in handgezeichneter Form erhältlich und wurden immer wieder kopiert.
                    Humboldt schrieb dazu in seinem Reisewerk: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Man kann die Steppen und Savannen des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">südlichen
                            Amerika</placeName> nicht durchwandern, ohne die Hoffnung zu nähren,
                        eine Zeit werde kommen, wo die Vorteile nicht ungenutzt bleiben, die diese
                        Gegend vor allen anderen auszeichnet für die Messung von Graden des
                        Erdbogens in der Richtung des Meridians oder einer zum Meridian senkrechten
                        Linie. Die weite Ausdehnung von Ost nach West würde besonders die Messung
                        einiger Längengrade ungemein erleichtern. Für die genaue Kenntnis der Figur
                        der Erde müsste diese Arbeit von großer Wichtigkeit sein. Die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019212">Llanos von
                            Venezuela</placeName>
                        liegen 13° östlich der Orte, wo […] die französischen Akademiker durch auf
                        die Gipfel der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0000464">Cordilleren</placeName>
                        gestützten Dreiecke […] ihre Messungen vornahmen […] Die
                        spanisch-amerikanischen Regierungen dürfen keineswegs etwa glauben, die
                        geplanten […] Operationen in den <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0016371 https://www.geonames.org/3634703">Llanos</placeName> böten nur ein rein wissenschaftliches Interesse dar;
                        diese Arbeiten können gleichzeitig die Hauptgrundlage der Karten werden,
                        ohne die jede wohlgeordnete Staatsverwaltung unmöglich ist.</p>
                </quote>
                <p xml:id="p0082" n="82">Er fasste seine eigenen Arbeiten für den Zweck der
                    Kartenherstellung zusammen:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Man stellte die Lage der bedeutendsten Orte nach den drei Koordinaten der
                        Breite, der Länge und der Höhe fest. Die dazwischenliegenden Punkte wurden
                        mit den Hauptpunkten auf chronometrischem Wege verknüpft. Durch den sehr
                        gleichförmigen Gang der Chronometer in Kanoen und durch die sonderbaren
                        Krümmungen des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoko</placeName> wurde diese
                        Anknüpfung erleichtert. Man brachte die Chronometer zum Ausgangspunkte
                        zurück, oder man beobachtete zweimal (im Hinweg und im Herweg) an einem
                        dazwischenliegenden Punkte, man knüpfte die Enden der chronometrischen
                        Linien an sehr weit auseinander liegende Lokalitäten […] und so konnte man
                        die Summe der etwa begangenen Fehler schätzen. Auf diese Weise (und vor
                        meiner Reise war im Binnenlande die Länge keines Punktes bestimmt worden)
                        habe ich […] astronomisch verknüpft […] eine Bodenfläche von mehr als 202000
                        qkm. <note place="foot" xml:id="ftn0080" n="80">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/KHE8NKNA">Humboldt 1859–1860</bibl>,
                                    <ref target="https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_aequinoktial04_1859/261">IV, 253–254</ref>. </p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0083" n="83">Bei den genannten französischen Karten initiierten oft
                    wissenschaftliche Fragestellungen (wie z. B. im 18. Jahrhundert die nach der
                    Gestalt der Erde oder die Überprüfung von Längenuhren) ihre Entstehung. So waren
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004243 http://d-nb.info/gnd/118778390">La Condamine</persName> und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014021 http://d-nb.info/gnd/118731998">Maupertuis</persName> von der <hi rendition="#i"><orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0016786 http://d-nb.info/gnd/35019-9">Académie
                            des Sciences</orgName></hi> an zwei weit voneinander
                    entfernte Regionen der Erde gesandt worden, um Meridianvermessungen vorzunehmen.
                    Der Kartograph <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012653 http://d-nb.info/gnd/117662046">Anville</persName> unterstützte
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004243 http://d-nb.info/gnd/118778390">Condamine</persName> bei seinem Reisewerk über
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerika</placeName> und erstellte dafür Karten,
                    von denen Humboldt eine benutzte.</p>
                <p xml:id="p0084" n="84">Ein anderer französischer Kartograph, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003473 http://d-nb.info/gnd/117618543">Rigobert Bonne</persName>, schuf 1770 einen Atlas für
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000761 http://d-nb.info/gnd/118969420">Raynal</persName>s berühmte <hi rendition="#i">Histoire des deux Indes</hi>, aus dem Humboldt einige Karten im Tagebuch
                    zitiert, darunter auch eine, die die korrekte, nämlich viereckige Form der
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel Trinidad</placeName> zeigte, im Gegensatz zu
                    der französischen Karte von 1786 und 1792, die zwar laut Humboldt in der
                    Schifffahrt sehr gebräuchlich seien, aber die Form verfälschten. Aber:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p><persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003473 http://d-nb.info/gnd/117618543">Bonne</persName> verbesserte in seinem Atlas für
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000761 http://d-nb.info/gnd/118969420">Raynal</persName> […], die grosse spanische
                        Charte, indem er dem
                        Canal
                        9 statt 4 ¼ lieues Breite gab: man weiss auf der ganzen Küste, dass sie 10
                        lieues beträgt. Es scheint, als wären beyde Inseln dazu bestimmt,
                        geographische Irrthümer zu erwecken.<note place="foot" xml:id="ftn0081" n="81">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 41.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0085" n="85">Die Karte von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003225 http://d-nb.info/gnd/117584304">Bellin</persName>
                    dagegen, angefertigt für den französischen Minister <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0002128 http://d-nb.info/gnd/140897801">Herzog von Praslin</persName>, sei ganz falsch: sie zeige <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009433 https://www.geonames.org/3573606">Tobago</placeName> östlich von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName>!</p>
                <p xml:id="p0086" n="86">Auch die Lage der kleinen, der Küste nahe der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006737 https://www.geonames.org/3632949">Halbinsel Margarita</placeName> vorgelagerten Inseln
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Coche</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017498 https://www.geonames.org/3644880">Cuagua</placeName> war unsicher. Da bei der Ankunft auf Grund von
                    fehlerhaften Angaben Humboldts Schiff einen falschen Weg nahm, hatte man es für
                    ein englisches Kriegsschiff gehalten, </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>[…] denn Spanier[,] die von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">Europa</placeName>
                        kommen, gehen in dem seichten Kanal zwischen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Coche</placeName> und der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019220">terra
                            firma</placeName> nicht durch. Diese gehen immer nördlich von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Coche</placeName>. Uns machte die Unwissenheit immer
                        originell. Was wir für <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006737 https://www.geonames.org/3632949">Marguerita</placeName>
                        hielten, war nemlich die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Insel Coche</placeName>
                        und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006737 https://www.geonames.org/3632949">Marguerita</placeName> lag nördlich dahinter,
                        ein sehr hohes! Gebirgsland […] [Sowohl die Manuskriptkarte von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012968">Caymaxi</persName> als auch die französische Karte
                        machten hier völlig falsche Angaben; UL:] In der Natur lagen dort 2 Inseln
                            <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Coche</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017498 https://www.geonames.org/3644880">Cubagua</placeName>[,] erste östlicher. Man weiss nicht
                        welche gemeint ist. (Bl. 30v–31r) </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0087" n="87">
                    <figure facs="ARTI/leitner_abb3.jpg">
                        <figDesc>Abb. 3: <ref target="http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000152B400000946">ART VII bb u. c, Bl. 485r; Digitalisat SBB-PK</ref> (CC BY-NC-SA
                            3.0).</figDesc>
                    </figure> Anscheinend bewog das Humboldt, selbst eine Karte zu skizzieren, auf
                    der man die Küstenlinie vom <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008115 https://www.geonames.org/3630695">Golfo triste</placeName>
                    bis nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002524 https://www.geonames.org/3649002">Halbinsel Araya</placeName>, die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008704">Insel Margarita</placeName> und die vorgelagerten kleinen Inseln <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007492 https://www.geonames.org/3645488">Coche</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017498 https://www.geonames.org/3644880">Cuagua</placeName> sieht.<note place="foot" xml:id="ftn0082" n="82">
                        <p> ART VII bb u. c, Bl. 485r, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 369.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0088" n="88">Auch die englischen Karten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012752 http://d-nb.info/gnd/122277171">Arrowsmith</persName> und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000016 http://d-nb.info/gnd/1017214670">Faden</persName> wurden
                    von Humboldt kritisiert, insbesondere was die Angaben der vier die Form der
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel Trinidad</placeName> charakterisierenden
                    Kaps betrifft. Sie würden auf unrichtigen Angaben beruhen, obwohl <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000016 http://d-nb.info/gnd/1017214670">Faden</persName> doch bereits <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013061 http://d-nb.info/gnd/122406729">Churruca</persName>s und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName>s
                    Ergebnisse mit eingearbeitet hätte.<note place="foot" xml:id="ftn0083" n="83">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>, I,
                            41.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0089" n="89"><persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> war Leiter der
                    spanischen Expedition zur Kartographierung der Küsten <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuelas</placeName> und der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002471 https://www.geonames.org/3491552">Antillen</placeName>. Nach acht Monaten trennten sich die
                    Expeditionsteilnehmer auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Trinidad</placeName>:
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013061 http://d-nb.info/gnd/122406729">Churruca</persName> begab sich nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008458 https://www.geonames.org/4566966">Puerto Rico</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006819 https://www.geonames.org/3553478">Havanna</placeName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> vermaß die
                    Nordküste von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerika</placeName>. Er hielt sich
                    lange in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> auf und hatte dem
                    Gouverneur <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0005924 https://d-nb.info/gnd/1283602474">Vicente Emparán</persName> eine Karte
                    gegeben, in die einige Breiten eingetragen waren, die Humboldt mit seinen
                    eigenen Messergebnissen verglich. Er stellte eine gute Übereinstimmung fest, wie
                    er überhaupt nur lobende Worte über dessen Karte fand:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Meine Beobachtungen harmoniren sehr schön mit den von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName>
                        angestelten
                        […] Die beiden Fregatten-Capitaine, Don <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013061 http://d-nb.info/gnd/122406729">Cosme
                            Churruca</persName> und Don <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Joaquin Francesco
                            Fidalgo</persName>, kamen im Jahr 1793 mit vier Brigantinen, fünf
                        Chronometern, vortrefflichen Quadranten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000728 http://d-nb.info/gnd/117686573">Ramsden</persName>, Theodoliten und Sextanten versehen, auf die Küsten
                        der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel Trinidad</placeName>. Sie hatten von der
                        Regierung
                        des
                        Auftrag erhalten, einen Atlas von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerica</placeName> […] zu bilden. […] Alle ihre Längen wurden durch
                        Chronometer festgesetzt […] Sie legten über dieses Schloss [<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019213">San Andres</placeName> am östlichsten Punkt der
                        spanischen Kolonien] den ersten Meridian des spanischen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">America</placeName>’s, auf den sie in der Folge alle
                        übrigen Positionen bezogen
                        […
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> nahm] die
                        Küste von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0019220">Terra Firma</placeName>, von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005270 https://www.geonames.org/3574622">Bocca de Dragos</placeName> an bis nach <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008377">Portobello</placeName> auf. Jede noch so unbesuchte Bucht
                        wurde mit der ängstlichen Sorgfalt sondirt, und wenige Aufnahmen haben sich
                        solcher Genauigkeit zu erfreuen. Der Krieg und Mangel an Fonds haben diese,
                        für alle Nationen so wichtige Arbeit unterbrochen. <note place="foot" xml:id="ftn0084" n="84">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 87–88.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0090" n="90">Das zeigt, wie Humboldt an Informationen gelangte: Er maß
                    nicht nur selbst, sondern versuchte, an vorhandene Messdaten zu gelangen, um
                    diese mit seinen eigenen zu vergleichen. Er hatte nun zwar einige Breitenangaben
                    aus seinen Küstenmessungen vor der Ankunft und dann später von der Expedition
                    nach der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002524 https://www.geonames.org/3649002">Halbinsel Araya</placeName>, aber ihm fehlte
                    noch die genaue Länge von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>. „Einige
                    Wochen nach meiner Ankunft zu <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, sah
                    ich einen Plan von einem Theil des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010881 https://www.geonames.org/3646579">Golfs von
                        Cariaco</placeName>, auf welchen folgende Note meine Aufmerksamkeit auf sich
                    zog,“ so zitiert <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0011210 http://d-nb.info/gnd/117123544">Oltmanns</persName> aus Humboldts
                    Tagebuch.</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Diese Note zeigte mir zwar den geringen Unterschied (von 4″) in meiner und
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName>’s Breitenbestimmung; allein
                        ich blieb länger als einen Monath hindurch in der peinlichen Ungewissheit
                        über die Länge von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>, indem ich
                        die absolute Lage von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008439 https://www.geonames.org/3573890">Puerto España</placeName>
                        nicht kannte. Glücklicherweise fand ein junger Mann, der bey <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> als Pilote angestellt war, unter
                        seinen Papieren eine Note, worauf <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> bemerkt hatte, dass die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010795 https://www.geonames.org/3574532">Punta de Galera</placeName> 37′ 32″ östlich von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008439 https://www.geonames.org/3573890">Puerto de España</placeName> liege […]<note place="foot" xml:id="ftn0085" n="85">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 88–89, nach Bl. 83v–84r.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0091" n="91">
                    <figure facs="ARTI/leitner_abb4.jpg">
                        <figDesc>Abb. 4: <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013061 http://d-nb.info/gnd/122406729">Churruca y Elorza, Cosme Damian
                                de</persName>, 1761–1805. Carta esférica de las Islas <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002471 https://www.geonames.org/3491552">Antillas</placeName> con parte de la Costa del
                            Continente de <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002429">América</placeName> [material
                            cartográfico]: trabajada de orden del Rey por los Capitanes de navío de
                            su Rl. Armada Dn. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0013061 http://d-nb.info/gnd/122406729">Cosme Churruca</persName> y
                            Dn. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Joaquín Franco Fidalgo</persName>. Mapoteca
                            (Quelle:
                            Biblioteca
                            Nacional Digital de Chile
                            <ref target="http://www.bibliotecanacionaldigital.cl/bnd/631/w3-article-350460.html">http://www.bibliotecanacionaldigital.cl/bnd/631/w3-article-350460.html</ref>).</figDesc>
                    </figure> Daraus konnte Humboldt, unter Berücksichtigung der Tatsache, dass sein
                    Chronometer <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008564 https://www.geonames.org/3117735">Madrid</placeName>er Zeit trug, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName>s dagegen die von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0006994 https://www.geonames.org/2520600">Cadiz</placeName>, auf die Länge von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName> schließen, und konstatierte erneut eine „harmonie plus
                    belle.“ (Bl. 83v–84r) In <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007180 https://www.geonames.org/3687247">Cartagena</placeName> traf
                    Humboldt später, im April 1801, noch das Expeditionsteam von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName>, mit dem er seine Ergebnisse durchsprechen
                    und vergleichen konnte.</p>
                <quote rendition="block">
                    <p><persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000090 http://www.wikidata.org/entity/Q5931954">Fidalgo</persName> und [sein Mitarbeiter] <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0005008 http://d-nb.info/gnd/118521764">Noguera</persName>, […] haben Punct für
                        Punct,
                        die Resultate meiner Beobachtungen mit den ihrigen verglichen. Ich
                        fürchtete, ich muss es gestehen, dass diese strenge Prüfung nicht zu meinem
                        Besten ausfallen möchte. Allein <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0005008 http://d-nb.info/gnd/118521764">Noguera</persName>
                        versicherte mich in einem besonderen Schreiben, dass er sich sehr über die
                        grosse Harmonie gefreut, welche zwischen meinen französischen und ihren
                        englischen Chronometern
                        Statt
                        gefunden habe.<note place="foot" xml:id="ftn0086" n="86">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/ZCSQAGM6">Humboldt/Oltmanns 1810</bibl>,
                                I, 89.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0092" n="92">Für die Expeditionen ins Inland suchte Humboldt vor allem
                    Informationen über den Verlauf des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>, über den die wildesten Spekulationen kolportiert wurden,
                    z. B. von dem sagenumwobenen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002439 https://www.geonames.org/3379844">See
                        Parime</placeName>. Die von
                    Humboldt hier benutzten Karten waren meist Ergebnisse der
                    spanisch-portugiesischen Grenzexpedition 1754–1761. Es sei „deutlich, dass der
                    aus dem politischen Meinungsstreit zwischen <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> und <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008382 https://www.geonames.org/2264397">Portugal</placeName> über
                    die Grenzen in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010380 https://www.geonames.org/6255150">Südamerika</placeName> entstehende
                    Gewinn hauptsächlich auf dem Gebiet der Geographie lag“, schrieb <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000010 http://d-nb.info/gnd/1056639911">Faak</persName>.<note place="foot" xml:id="ftn0087" n="87">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 488.</p>
                    </note></p>
                <p xml:id="p0093" n="93">Humboldt besaß Kopien der Karten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004246 https://d-nb.info/gnd/121284182">La Cruz</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Caulín</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0016174 https://www.wikidata.org/wiki/Q134709143">Surville</persName> und
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0015933 http://d-nb.info/gnd/1064898874">Solano</persName>. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Caulín</persName>s Werk<note place="foot" xml:id="ftn0088" n="88">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/6K2DPHSM">Caulín 1779</bibl>. Das Exemplar
                            aus Humboldts Besitz befindet sich heute in der <orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0000561 http://d-nb.info/gnd/37101-4">Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz</orgName>.
                            Diese Tatsache und das Folgende nach <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000010 http://d-nb.info/gnd/1056639911">Faak</persName> in <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt
                                2000</bibl>, 331 und 499.</p>
                    </note> war bekanntlich eine der wichtigsten Quellen für die <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>region. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Antonio
                        Caulín</persName> war zuerst Missionar in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0001734 https://www.geonames.org/3648559">Nueva
                        Barcelona</placeName>, dann Visitator und Chronist der Missionen im Süden
                    des Landes und er begleitete zeitweise die spanisch-portugisische
                    Grenzexpedition. Als Humboldt in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName>
                    ankam, war <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Caulín</persName> jedoch längst nach
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> zurückgekehrt. <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Caulín</persName> hatte für sein Werk ursprünglich Karten der
                    Grenzexpedition nehmen wollen. Da diese bei Erscheinen des Buches jedoch bereits
                    veraltet waren, wurde <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0016174 https://www.wikidata.org/wiki/Q134709143">Surville</persName> (im Archiv
                    der <orgName ref="https://edition-humboldt.de/H0016797 http://pares.mcu.es:80/ParesBusquedas20/catalogo/autoridad/48968">Secretaría de Indias</orgName>) mit der Herstellung
                    einer neuen Karte beauftragt, die dem Werk beigegeben wurde, aber auch separat
                        erschien.<note place="foot" xml:id="ftn0089" n="89">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/FCZ3Q7ZG">Surville 1778</bibl>.</p>
                    </note>
                    <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012957 http://d-nb.info/gnd/1055243356">Caulín</persName>s Karte bezeichnete Humboldt 1800 als
                    „die zur Zeit beste auch wenn alle Namen falsch sind“. Er meint hier vermutlich
                    nicht <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0016174 https://www.wikidata.org/wiki/Q134709143">Surville</persName>s Karte, denn an dieser übte
                    er laut <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0000010 http://d-nb.info/gnd/1056639911">Faak</persName> umfassende Kritik: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Humboldt führte auf der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName>fahrt
                        von ihr wie von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004246 https://d-nb.info/gnd/121284182">La Cruz</persName>’ Karte Kopien
                        mit sich, das geht aus der Bemerkung in der <hi rendition="#i">Relation
                            historique</hi> hervor, in der er berichtet, dass sie in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005679 https://www.geonames.org/3638075">Esmeralda</placeName> den alten Militärposten Kopien der
                        Karten von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0016174 https://www.wikidata.org/wiki/Q134709143">Surville</persName> und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004246 https://d-nb.info/gnd/121284182">La Cruz</persName> gezeigt hätten. Diese hätten gelacht,
                        als sie ihnen die angebliche Verbindung des <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName> mit dem <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010215 https://www.geonames.org/3626853">Río
                            Idapa</placeName> und das ‚weisse Meer‘ [die ‚<placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002439 https://www.geonames.org/3379844">Laguna de Parime</placeName>‘] gezeigt hätten, durch die der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010593 https://www.geonames.org/3631298">Orinoco</placeName> fließen soll.<note place="foot" xml:id="ftn0090" n="90">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 489,
                                hier auch mehr zur Geschichte der Karte von <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0004246 https://d-nb.info/gnd/121284182">La Cruz y Olmedilla</persName> sowie der Hinweis, dass sich die
                                Karte aus Humboldts Besitz heute in der <hi rendition="#i">National
                                    Geographic Society</hi> in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007920 https://www.geonames.org/4140963">Washington</placeName> befindet.</p>
                        </note>
                    </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0094" n="94">Vermutlich handelt es sich eher um die „Copie de la Carte
                    de <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0016174 https://www.wikidata.org/wiki/Q134709143">Surville</persName>“, die sich heute in den
                    Tagebüchern befindet.<note place="foot" xml:id="ftn0091" n="91">
                        <p> ART IV, Bl. 108v, vgl. <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt
                                2000</bibl>, 331.</p>
                    </note>
                </p>
                <p xml:id="p0095" n="95">Diese Beispiele mögen genügen, um Humboldts Arbeitsweise zu
                    illustrieren: begierig nahm er unterwegs alle ihm zugänglichen Informationen
                    auf, mündliche und schriftliche, und verglich diese mit seinen eigenen Messungen
                    oder Berechnungen in seinen Tagebüchern.</p>
            </div>
            <div>
                <head>Schluss</head>
                <p xml:id="p0096" n="96">Humboldts „Nomadenleben“<note place="foot" xml:id="ftn0092" n="92">
                        <p>
                            <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/VK8796EM">Humboldt 1987</bibl>, 47.</p>
                    </note>, der Reisestil des Nomadisierens, scheint auch auf die Tagebücher
                    zuzutreffen, denn in ihnen treten Humboldt’sche Charakterzüge zutage: sich für
                    alles zu interessieren, ruhelos das nächste, vielleicht noch interessantere Ziel
                    anzusteuern, sich nicht von Schwierigkeiten auf dem Weg beirren zu lassen,
                    Möglichkeiten für Ab- und Umwege zu ergreifen, sämtliche Informationen
                    aufzusaugen, ständig zu messen, zu berechnen und Zahlenreihen zu notieren. Aber
                    zwischen den Messreihen und Fakten im Tagebuch wird auch der private Alexander
                    von Humboldt sichtbar. Wenn man auch häufiger in seinen Briefen
                    Gefühlsäußerungen findet, so kann man diese ebenfalls, wenn auch seltener, in
                    den Reisejournalen entdecken, beispielsweise am Vorabend der lang ersehnte
                    Abreise aus <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName>: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Die Nacht vom 3ten zum 4ten ward sehr unruhig zugebracht. Wir glaubten die
                        lezte Nacht auf <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005696 https://www.geonames.org/6255148">europ[äischem] Boden</placeName>
                        zu schlafen […] Meine Stimung war gut, wie sie sein muß wenn man ein großes
                        Werk beginnt. (Bl. 2r–v)</p>
                </quote>
                <p xml:id="p0097" n="97">Besonders emotional reagierte er auf die Sichtung der
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010900 https://www.geonames.org/2517127">Insel Graciosa</placeName> (die man erst für
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0011367 https://www.geonames.org/2515699/">Lanzarote</placeName> hielt), der ersten Station
                    in der fremden Ferne:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Wir lagen nun vor einem tiefeinschneidenden Busen, ganz in der Lage der
                        ersten Entdekker. Die Küste sah einsam und öde aus […] Wir erhielten
                        Erlaubniß mit ins Boot zu steigen, mit welchen Empfindungen läßt sich nicht
                        ausdrükken. Die Idee <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0002331 https://www.geonames.org/6255146">afrikan[ischen]
                            Boden</placeName> zu betreten, ein Land, das man sich immer so fern
                        denkt, die Möglichkeit wundersame Thier- und Pflanzengestalten zu sehen […]
                        Unsere Einbildungskraft war aufs angenehmste gespannt. Mit welcher Lust wir
                        uns 3 St. vorher beschäftigten, unsere Pflanzenbüchsen, Thermometer,
                        Salpetersäure u. Fäustel zusammenzupacken. Der erste, der zweite, der dritte
                        Schritt den wir an Land thun würden, daß der eine rechts der andre links
                        gehen müsse, um mehr zu finden, alles war im voraus calculirt. Man muß sich
                        in dieser Lage befunden haben, um sie ganz zu empfinden (Bl. 10r).</p>
                </quote>
                <p xml:id="p0098" n="98">Seine Empfindungen äußern sich auch in Erinnerungen an die
                    Zurückgelassenen.</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Ich grub mein […] kleines Thermometer, welches <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012068 http://d-nb.info/gnd/118554727">Wilhelm</persName> so lange gehabt (es ist mir darum so lieb) in den
                        weißen Sand […] Ich schreibe alle diese Umstände mit Sorgfalt nieder, weil
                        sie (der erste Schritt auf nicht europ[äischem] Boden ewig dieselbe
                        Wichtigkeit für mich haben werden als die erste Kinderreise vom Lande in die
                        Stadt. (Bl. 10v) </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0099" n="99">Besonders bei Gesteinsbeschreibungen findet man oft
                    Vergleiche mit Funden seiner kurzen Reisen durch <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005517 https://www.geonames.org/2921044">Deutschland</placeName>: Reminiszensen, die ihn zu ersten Versuchen der
                    theoretischen Verallgemeinerung der Formbildung führten (Bl. 13v).</p>
                <p xml:id="p0100" n="100">Trotz dieser positiven Stimmung wurde er unterwegs auf dem
                    Meer doch manchmal nervös, wenn von ferne Schiffe gesichtet wurden: welcher
                    Nationalität gehörten sie an? Vielleicht englische, also feindliche Schiffe?
                    Oder sogar Korsaren, d. h. Piraten, die in den kriegerischen Zeiten die Meere
                    besonders unsicher machten? <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0010330 https://www.geonames.org/2510769">Spanien</placeName> hatte
                    sich seit 1795 mit der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0004801 https://www.geonames.org/3017382">französischen
                        Republik</placeName> im Krieg befunden, der zwar durch den Vertrag von
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009892 https://www.geonames.org/3110581">Ildefonso</placeName> 1796 beendet worden war,
                    aber seitdem gab es Auseinandersetzungen mit <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005653 https://www.geonames.org/6269131">England</placeName>, die in dieser Zeit Eroberungen im <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0008175 https://www.geonames.org/2363254">pazifischen Raum</placeName> machten, z. B. 1797 die
                        <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009520 https://www.geonames.org/3573591">Insel Trinidad</placeName>.</p>
                <p xml:id="p0101" n="101">Am dritten Tag notierte Humboldt: „Man wird jede Gefahr
                    gewohnt“ (Bl. 4r). Mehr als ein Jahr später wurden er und <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0003476 http://d-nb.info/gnd/118661604">Bonpland</persName> nahe der Küste von <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009117 https://www.geonames.org/3625428">Venezuela</placeName> ja dann wirklich von einem Korsaren
                    gefangen genommen. Die Geschichte fand jedoch, wie oben beschrieben, ein
                    glückliches Ende.</p>
                <p xml:id="p0102" n="102">Humboldt scheint wirklich Tag und Nacht mit Instrumenten
                    bewaffnet in den Himmel gesehen zu haben. Aber er hat die Natur nicht nur
                    vermessen, sondern auch gefühlvoll empfunden und poetisch beschrieben,
                    beispielsweise in den Passagen zur Farbe des Himmels und des Meeres. So notierte
                    er, kurz nach der Messung des spezifischen Gewichts des Wassers: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Seewasser dabei noch immer schön indigoblau, durch eine kleine Öffnung (z. B.
                        im Abtritt gesehen) von Schönheit und Reinheit der Farbe, wie ich nie ein
                        blau sah. Wellen mit leichtem Schaum […] (Bl. 5v) </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0103" n="103">Noch mehr faszinierte ihn das Himmelsblau und der
                    nächtliche Sternenhimmel:</p>
                <p xml:id="p0104" n="104">Himmel ganz blau u. unendlich schön. […] Und das Licht
                    welches die volle Mondscheibe ausgoß! Die Höhe trägt viel zu der Klarheit bei.
                    Wie man die kleinste Schrift bei diesem Mondlicht ohne Mühe las. Zahllose
                    Sternschnupfen fielen aus unbewölktem Himmel […] (Bl. 8r)</p>
                <p xml:id="p0105" n="105">Überraschende Ausblicke ließen ihn die Natur wie ein
                    Theaterschauspiel erleben:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Die Sonnenscheibe war für uns noch nicht sichtbar, als plötzlich das dikke
                        Gewölk zerriß. Durch diese Öfnung erschien der Himmel in lieblicher Bläue u.
                        mitten in dieser Bläue, als gehörte er nicht der Erde zu, als wäre die
                        Aussicht in eine fremde Welt eröfnet, der <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0009297 https://www.geonames.org/2510569">Pic von
                            Teyde</placeName> in seiner ganzen Majestät […] Die schwarzen krausen
                        Wolken welche das Bild einschlossen, machten den schönsten Contrast gegen
                        die Fülle des röthlichen Lichts welche die ersten Sonnenstrahlen ausgossen.
                        (Bl. 15r)</p>
                </quote>
                <p xml:id="p0106" n="106">Während der langen Überfahrt stimmte ihn der nächtliche
                    Anblick des Kreuzes des Südens melancholisch:</p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Nachts sah ich zum ersten Male […] das südliche Creuz das auch mehrere
                        Matrosen kannten u. freudig begrüßten, da sie es (wie sie sagten) so lange
                        nicht gesehen u. es nach ihren relig[iösen] Ideen in großem Ansehen steht.
                        Mit welchen Rückerinnerungen heftete ich meine Augen auf dies liebe Gestirn.
                            <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012068 http://d-nb.info/gnd/118554727">Wilhelm</persName>, <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0012060 http://d-nb.info/gnd/118554719">Li</persName>, <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0005398">Burgörner</placeName>, stets
                        unterhaltene Träume der Jugend […] Also auch dieser Wunsch erfüllt, aber
                        nicht für Euch Ihr Theuren Abwesenden. (Bl. 21v) </p>
                </quote>
                <p xml:id="p0107" n="107">Ein kaum entzifferbarer kurzer Textanfang über
                    „Traurigkeit auf dem Meere, drei lange Tage habe ich in Stimmung von Wehmut
                    zugebracht“ wurde von Humboldt gestrichen.</p>
                <p xml:id="p0108" n="108">Faszinierend ist die Vorstellung, wie Humboldt nach dem
                    Essen in der Hängematte (vermutlich in <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0007693 https://www.geonames.org/3644768">Cumaná</placeName>) „wie gewöhnlich nach Tische Taciti Annalen las“ (Bl.
                    34r), aus denen er dann auch im Zusammenhang mit dem Thema Sklaverei zitierte
                    (Bl. 58r). An dieser Stelle mit Beispielen zur besonders grausamen Behandlung
                    von Sklaven ist Humboldts Betroffenheit deutlich spürbar: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Unbegreiflich daß Herrenmord so selten.
                        […]
                        dadurch, daß man von Gerichts wegen züchtigt, Sache der
                        Sklaven fast noch schlimmer geworden.<note place="foot" xml:id="ftn0093" n="93">
                            <p> Vgl. <ref target="https://edition-humboldt.de/H0002922"><bibl corresp="https://edition-humboldt.de/QVT4IJ8R">Alexander von Humboldt: Isle de Cube. Antilles en
                                        général</bibl></ref>.</p>
                        </note></p>
                </quote>
                <p xml:id="p0109" n="109">Positivere Gefühlsregungen finden wir in der Beschreibung
                    seines Aufenthalts auf dem britischen Schiff mit dem höflichen Kommandanten
                        <persName ref="https://edition-humboldt.de/H0014228">Garnier</persName>, als sie gerade der bereits
                    beschriebenen Gefahr entronnen waren: „Wir brachten an diesem Bord den
                    interessantesten Abend zu, den ich seit einem Jahr unter gebildeten Menschen
                        gefunden“<note place="foot" xml:id="ftn0094" n="94">
                        <p> ART V, Bl. 3r, zitiert nach <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/EJZWKDV2">Humboldt 2000</bibl>, 392.</p>
                    </note>. Humboldt genoss sichtlich das Gespräch mit einem Gleichgesinnten, das
                    er vermisst hatte. Noch stärker betont als im Tagebuch wird das Besondere dieser
                    Begegnung in der Rückschau der vermutlich etwa 20 Jahre später geschriebenen
                    Passage der Reiseschilderung: </p>
                <quote rendition="block">
                    <p>Wenn man aus den Wäldern am <placeName ref="https://edition-humboldt.de/H0017133 https://www.geonames.org/3646290">Cassiquiare</placeName> kommt und monatelang in den engen
                        Lebenskreis der Missionäre wie gebannt war, so fühlt man sich ganz
                        glücklich, wenn man zum erstenmal wieder Männer trifft, die das Leben zur
                        See durchgemacht und auf einem so wechselvollen Schauplatz den Kreis ihrer
                        Ideen erweitert haben. Ich schied vom englischen Schiff mit Empfindungen,
                        die in mir unverwischt geblieben sind und meine Anhänglichkeit an die
                        Laufbahn, der ich meine Kräfte gewidmet, noch steigerten.
                        <note place="foot" xml:id="ftn0095" n="95">
                            <p>
                                <bibl corresp="https://edition-humboldt.de/KHE8NKNA">Humboldt 1859–1860</bibl>, 
                                <ref target="https://www.deutschestextarchiv.de/humboldt_aequinoktial04_1859/281">IV, 273</ref>.</p>
                        </note></p>
                </quote>
            </div>
        </body></text>
</TEI>