Anmerkung von Humboldt (am oberen Rand)  Vgl. Humboldt 1849, II.
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folia pinnata wo keine
Taxod. Linden kirchhof
Ueberwallung

Kunth IV
Hochzuverehrender Gönner,

| 1rFolia pinnata kommen allerdings, wie Sie so treffend be-
merkt haben, hauptsächlich in den Familien vor, wel-
che auf der höchsten Stufe der Entwickelung stehen,
nämlich den Polypetala und zwar unter den peri-
gynischen bei den Leguminosen, Rosaceen, Tere-
bintheen, Juglandeen, unter den hypogynischen
bei den Aurantiaceen, Cedrelaceen, Meliaceen,
Sapindaceen und Simarubeen.

Die meisten Folia pinnata haben ohne Zweifel
die Leguminosen aufzuweisen, aber gleichzeitig giebt
es unter ihnen fast eben so viele mit Foliis
ternatis, quinatis und digitalis. Folia simplicia
sind in dieser Familie sehr selten z. B. Cercis.
| 1v2 (Doppelt gefiederte Blätter (F. bipinnata) finden
sich am häufigsten in der Abtheilung der Mimoseen,
außerdem auch bei einigen Caesalpinieen (Caesalpinia,
Coulteria, Gymnocladus, Gladitschia), niemals aber
unter den Papilionaceen.)

Unter den Rosaceen (nach der Lindley-Endlicherschen
Begrenzung, also mit Ausschluß der Drupaceen und
Pomaceen) haben blos Rosa,  über der ZeileGaum,  über der ZeileComarum, agrimonia, Sanguisorba und
einige Potentillen (P. anserina, P. supina) ge-
fiederte Blätter, häufiger sind hier folia ternata
(Fragaria), quinata und digitata (Potentillae plerae-
que, Rubus); die meisten Spiraeen, welche gleichfalls
hierher gehören, haben dagegen folia simplicia.

Sämmtliche Juglandeen und Cedrelaceen (Swietenia),
so wie die Mehrzahl der Aurantiaceen, Meliaceen,
Simarubeen (Quassia) und Thereb  innerhalb der ZeileTerebinthaceen ,
(Pistacia, Comocladia, Schinus, Rhus.) haben folia pinnata;
die Sapindaceen blos zum Theil (z. B. Sapindus,
Caponia, Talisia, Melicocca, Koelreuteria), indem
| 2r3 bei andern (Cardiospermum, Serjonica, Paullinia) folia
bi- vel triternata und supradecomposita, zuweilen (in
Dodonaea, Cossignia) selbst einfache Blätter vorkommen.

Anmerkung von Humboldt (innerhalb der Zeile)Zu den Familien, in denen weder folia pinnata
noch überhaupt composita vorkommen gehören
hauptsächlich die Gentianeen, Rubiaceen, Carophylleen,
Myrtaceen und Melastomaceen. Die Blätter dieser
Familien sind außerdem inegra und integerrima,
mit Ausnahme der Melastomaceen, wo sie meist
Rande gesägt, gezähnt oder gekerbt sind.

Durch durchsichtige Punkte (Drüsen mit ätherischem
Oele) zeichnen  über der Zeilesich die Blätter sämmtlicher Aurantiaceen,
Rutaceen, Diosmeen, Zanthoryleen und Myrtaceen
aus. In den Labiaten, wo auch solche punktförmige
Drüsen vorkommen, sind sie blos oberflächlich und
undurchsichtig.

Ich kenne die sonderbaren Auswüchse bei Taxodium
recht gut, habe sie aber leider meinem   Kunth 1847.
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 über der Zeileneuen Hand-
buche
nicht erwähnt, wohl aber in der   Kunth 1831.
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ersten Auf-
lage
p. 311. am Ende der Familie der Coniferen.
| 2v4 Anmerkung von Humboldt (am oberen Rand)Wurzelauswüchse. Sie entspringen auf den horizontalverlaufenden
Neben- oder Tauwurzeln, und können füglich mit
A. de St. Hilaire Exostosen genannt werden.
Sie treiben meines Wissens keine Zweige, können
daher auch nicht mit den masrigen Auswüchsen
des Stam̅es (z. B. bei den [...] ) verglichen werden,
welche gerade  innerhalb der Zeiledurch Anhäufung zahlloser Adventif-
knospen
entstehen.
Was die Ueberwallung betrifft, so glaube ich,
daß sich Goepperts Ansicht auf die frühere unrichtige
Vorstellung gründet, welche man sich früher von
der Safterzeugung machte, wonach ein auf- und ab-
steigender Saft unterschieden und dem letzten die
Bildung der Holz- oder Jahresschichten zugeschrieben wurde.
(S. mein   Kunth 1847.
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Handbuch
p. 166.) Die Schichten eines solchen
Stubben bilden sich wahrscheinlich, wie bei allen
andern Stämmen aus seiner Cambium-Schicht, und
sind keines weges von einem benachbarten Baume
abhängig, womit dessen Wurzeln die seinigen in Ver-
bindung stehen sollen. Auf ähnliche Weise schließen
| 3r5 sich (große) Wunden der Rinde durch wulstartige
Ueberwallungen und eingeschnittene Buchstaben,
eingeschlagene Nägel und andre Körper gelangen
allmälig in das Inner des Holzkörpers (  Kunth 1847.
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Handb.
143).  Vgl. Humboldt 1849, I, 203.
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Hirschgeweihe, welche zufällig zwischen zwei naheliegenden
Aesten abgestreift werden, dringen bei Verdikkung der-
selben allmälig in den Holzkörper ein und erscheinen  über der Zeilespäter
mit ihm verwachsen.
Ich besitze die  Goeppert 1842.
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Goeppertsche
Schrift
und ein sehr schönes Beispiel einer solchen
Ueberwallung, welches er mir selbst mitgetheilt
hat. Auch erinnere ich mich einmal einen Pappel-
stubben gesehen zu haben, an dessen Spitze zahl-
reiche Aeste zwischen Rinde und Holz hervor-
gewachsen waren.

Ich danke Ihnen verbindlichst für den gütigen
Antheil, welchen Sie an meinem Befinden zu nehmen
geruhen. Mein Fuß ist ziemlich wiederhergestellt,
nur wird mir das Gehen, namentlich auf der Straße
noch etwas sauer.   Wohl Carl Gustav Mitscherlich.
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Dr. Mitscherlich
hat durchaus keine
Besorgniße. Ihren verehrten  Dieser Brief Humboldts konnte bislang nicht nachgewiesen werden.
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Brief von Montag
erhielt
ich erst gestern Abend, was die Beantwortung verzögert hat.

Mit tiefster Verehrung Ihr
dankbar ergebenster
CKunth.

Donnerstag d. 1. febr. 49.

Zitierhinweis

Carl Sigismund Kunth an Alexander von Humboldt. [Berlin], 1. Februar 1849, hg. v. Ulrich Päßler unter Mitarbeit von Klaus Gerlach und Ingo Schwarz. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 2 vom 14.09.2017. URL: http://edition-humboldt.de/v2/H0005461


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