Berg[,] den 5[.] Dez 1793

Ihr Brief, liebster Sömmering, ist spät in meine Hände gekommen. Er hatte mich hier verfehlt und wurde mir ins Fichtelgebirge nachgeschickt. Ich bin auf der Reise und kann Ihnen daher nur mit wenigen Worten danken. Daß Sie sagen, ich seie ein prodigium eruditionis möchte ich fast für Spott halten, daß Sie aber mit dieser Art die Physiologie zu betreiben zufrieden sind, freute mich sehr.

Voß Brief erhalten Sie zurück. Ich kan es nicht annehmen, so schmeichelhaft es mir wäre, so iunctis viribus mit Ihnen in der Welt zu erscheinen. Ein Buch, das so voller Unwissenheit, wie der Smellie und wie mir immer schiene, im Zuschnitt verdorben ist, muß unendlich mühsam zu rectificiren sein. Mich deucht, der Smellie hätte keinen reinen Begrif von Philosophie der Naturgeschichte. Dazu bin ich so mit bergmännischen Geschäft überhäuft, daß nur wenig Muße bleibt und diese wenige Muße wiedme ich jezt ganz der Philologie. Ich denke jezt eine geschichte der Webereien bei den Griechen und Römern in Art von Kommentar zum óνομαστικoν des Pollux herauszugeben und das führt mich weit.

Wünschen Sie indeß einzelne Anmerkungen über botan u chem Physiolog Gegenstände von mir, so erbitte ich mir von Voss ein Exemplar. Die liefere ich gerne und so gut ich kann, umsonst versteht sich. Dafür müssen Sie mich aber auch loben in der Vorrede. Bald mehr. Empfehlen Sie mich Ihrer lieben Gattin

Ihren närrischen Humboldt

Meine sicherste Adresse ist an den Oberbergm v Humboldt in Bayreut

Zitierhinweis

Alexander von Humboldt an Samuel Thomas Soemmerring. Berg, 5. Dezember 1793, hg. v. Ulrich Päßler unter Mitarbeit von Klaus Gerlach und Ingo Schwarz. In: edition humboldt digital, hg. v. Ottmar Ette. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Berlin. Version 2 vom 14.09.2017. URL: http://edition-humboldt.de/v2/H0002655


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